Herr Elsener, am 12. Mai 2014 ging TV24 mit der Eigenproduktion "The Gran Plan“ auf Sendung. Ihr Fazit nach einem Jahr. Ging der Plan mit dem Sender auf?
Ja, der Plan ging in allen Aspekten auf und wir sind sehr zufrieden. Sowohl die Marktanteilsentwicklung als auch die Werbeeinnahmen haben unsere Erwartungen im Businessplan übertroffen. Hierfür gebührt insbesondere den Werbetreibenden und unseren Distributionspartnern ein grosses Dankeschön, die stets an das ambitionierte Projekt TV24 geglaubt haben.
Damals haben Sie mit rund 100 geladenen Gästen im Zürcher Lokal 320 West angestossen. Wo wird heute gefeiert und wer ist dabei?
Wir feiern im Kreise unserer Mitarbeitenden bei einem BBQ auf unserer Dachterrasse.

Ein Foto der Verantwortlichen zum Sendestart vor einem Jahr: Peter Wanner, Verwaltungsratspräsident AZ Medien, Roger Elsener, Geschäftsführer TV der AZ Medien, Christa Rigozzi, Jurorin "Fashion Run“ erste Staffel, Axel Wüstmann, CEO AZ Medien.
Nebst den Regionalsendern TeleZüri, Tele M1 und TeleBärn will die TV-Senderfamilie der AZ Medien die Weichen für ein schweizweites Wachstum stellen. Inwiefern ist das geglückt?
TV24 hat sich als nationaler Sender sehr gut etabliert. Heute schauen täglich über 200‘000 Zuschauer TV24.
TV24 sendet auf verschiedenen Kanälen. Mit welchem erreichen Sie am meisten Zuschauer?
Am meisten Zuschauer erreichen wir über digitales Kabel. Aber auch über OTT-Anbieter erzielen wir schöne Werte: Auf Zattoo wurde TV24 im 1. Quartal 2015 beispielsweise 4,2 Millionen Minuten geschaut. Leider fliesst diese OTT-Nutzung nicht vollständig in die Nutzungsdaten der Mediapulse ein.
Wie schauen Sie persönlich fern?
Am meisten nutze ich Swisscom TV, die Swisscom TV air App, Netflix und Mediatheken einzelner Sender.
TV24 bezeichnet sich als Qualitätsfernsehen. Wodurch zeichnet sich diese Qualität aus?
Wir zeigen als einziger nationaler Privatsender täglich eigenproduzierte News. Zudem investieren wir regelmässig in Live-Sportproduktionen und zeigen neben internationalen Blockbustern und Serien auch viele hochwertige Arthouse Movies sowie Schweizer Spielfilme, Dokumentationen, Kurzfilme und zahlreiche Eigenproduktionen.
Zum Jahresende erreichte TV24 mit durchschnittlich 0,6 Prozent Marktanteil bei den 15- bis 49–Jährigen den bisherigen Bestwert. Sind sie damit zufrieden?
Ja, sehr. Das ist exakt doppelt so viel wie wir uns im Business Plan nach dem ersten Jahr vorgenommen hatten. Wir haben damit die ebenfalls neu gestarteten Sender 5+, S1, Pro7 MAXX und Sat.1 Gold in jedem Monat im 2015 in der Primetime (20.15 – 22.15 Uhr) hinter uns gelassen.

Die Sendung "Bachelorette" von der Konkurrenz 3+ erreichte gerade bei derselben Zielgruppe Höchstwerte. Blicken Sie ein wenig neidisch auf diese Zahlen?
Nein, überhaupt nicht. Ich freue mich für meine ehemaligen Kollegen. Wir geben TV24 noch etwas Zeit, bis wir mit der ersten Primetime-Eigenproduktion starten. Ein junger Sender wie TV24 muss sich erst breiter etablieren, bevor sich das Investitions-Risiko für eine grosse Eigenproduktion lohnt. 3+ hatte seinen ersten grossen Erfolg 'Bauer, ledig, sucht…‘ im dritten Jahr nach Senderstart produziert.
"Bachelorette" ist das Zugpferd von 3+. Welche Sendung bringt TV24 am meisten Erfolg?
Wir haben wie gesagt noch nicht in ein eigentliches Leuchtturmformat investiert. TV24 glänzt mit einer konstanten positiven Entwicklung. Unsere stärksten Sendungen sind Spielfilme mit über 4 Prozent in der Primetime (Zweiohrküken), Serien bis zu 2 Prozent (Scorpion) und Live-Events mit bis zu 4 Prozent (FedCup, Air14).
Die TV-Sendergruppe präsentiert mit "Boser&Böser", "doppioTV", "Spotlight" und "Da Vinci" vier neue Sendungen. Weshalb gleich vier auf einen Schlag?
Nur wer viel ausprobiert und in Innovation investiert, wird am Ende erfolgreich sein.
Die TV-Kritiker gingen mit Patty Boser und der neuen Sendung hart ins Gericht. Wie lange wird die Sendung noch gezeigt?
Kontroverse Diskussionen um unsere Programmformate sind das Beste, was uns passieren kann. Wir wollten mit 'Boser&Böser' ja auch bewusst etwas anecken. Patty ist ein Vollprofi, steckt die vereinzelte negative Kritik gut weg und lässt einiges davon auch in die laufende Optimierung ihrer Sendung einfliessen. Im Übrigen läuft 'Boser&Böser' über Senderschnitt. Wir sind bestens auf Kurs.
Was kostet eine solche Eigenproduktion?
Wir produzieren im Studio von TeleZüri mit der Tagescrew, die am gleichen Tag neben 'Boser&Böser' ohnehin noch weitere Sendungen produziert. Dadurch können wir die Produktionskosten sehr tief halten.
TV24 zeigt Eigenproduktionen, Serien, Dokumentationen und Liveübertragungen: Was bringt die meisten Zuschauer?
Der Mix macht‘s. Für mich ist entscheidend, dass wir konstant gute Marktanteile mit möglichst geringen Tagesschwankungen erzielen. Das macht uns zum verlässlichen und gut planbaren Partner für die Werbeindustrie. Einzelne Ausreisser sind da zwar schön, bringen aber letztlich wenig.
Die Diskussion um den Service Public wird zurzeit heftig geführt. Was halten Sie davon, dass die SRG im Unterhaltungsbereich mitmischt?
Wenn private Schweizer TV-Sender im Vergleich zur SRG gleichwertige Unterhaltungsformate produzieren und refinanzieren können, halte ich davon gar nichts. Unsere Sender TeleZüri und TV24, aber auch die 3+ Gruppe beweisen, dass der private TV-Markt gute Schweizer Unterhaltung liefert. Es sollte nicht die Aufgabe der SRG sein, die privaten Schweizer TV-Sender zu konkurrenzieren, sondern im Bereich der meritorischen TV-Sendungen komplementär zu ergänzen. An dieser Stelle müsste der Begriff des 'Service Public‘ enger gefasst und gelebt werden.
Wie ist Ihre Haltung zur Revision des Radio- und Fernsehgesetztes?
Für unsere konzessionierten TV-Sender Tele M1 und TeleBärn bringt die RTVG-Revision nebst potentiell höheren Konzessionsgebühren viele weitere substantielle Vorteile. Die Revision ist vor diesem Hintergrund zu befürworten. Aus Sicht von TV24 und TeleZüri steht die Diskussion um den Service-Public-Auftrag der SRG im Vordergrund. Wieso zeigt SRF2 über 60 Prozent ausländische Spielfilme und Serien? Wieso überbietet die SRG private Schweizer TV-Sender bei der Lizenzierung internationaler Unterhaltungsformate wie 'The Voice of Switzerland‘? Im Kontext der RTVG-Revision stellt sich die Frage, wieso die Service Public Diskussion nicht vor der Revision geführt wurde.
Was waren für den Sender die Höhepunkte im letzten Jahr?
Die insgesamt über 17h dauernde Live-Produktion unseres Teams rund um den Aufstieg des Tennis FedCup-Teams in die Weltgruppe war sicher ein Highlight. Wir erzielten da in der Spitze bis zu 10 Prozent Marktanteile in der Zielgruppe 15-49.
Interview: Michèle Widmer
Bild: zVg.

