27.04.2006

"Wir lieben beide die Provokation."

Das Schweizer Fernsehen hat entschieden: Die Late-Night-Show "Black'n'Blond" geht nach der Sommerpause mit neuen Folgen weiter. Nach harter Zeit ein Grund für das Team anzustossen, wie Chris von Rohr im Gespräch mit "persoenlich.com" erklärt: "Ich habe selten soviel gelernt wie im vergangenen halben Jahr." Dabei gibt er auch zu, dass Fehler gemacht wurden. Das Interview:
"Wir lieben beide die Provokation."

Chris von Rohr, "Black’n’Blond" wird den Sommer überleben. SF hat grünes Licht für neue Folgen im Herbst gegeben. Was war Ihre spontane Reaktion auf die Verlängerung?

Ein grosses Yessä! Ich fand es einfach schön, dass man uns die Zeit gibt in Ruhe an dieser Aufgabe zu wachsen. Das waren harte Zeiten, aber es hat das ganze Team zusammen geschweisst. Zum ersten Mal seit 6 Monaten haben wir kurz angestossen. Aber bald laden Roman und ich all die Mitarbeiter und Menschen ein, die uns in den schweren Zeiten die Stange gehalten haben.

Sind da auch Menschen vom SF oder Journalisten dabei?

Sicher, aber lasst es mich so sagen: es war sehr interessant zu sehen und zu erleben wer uns in diesen Zeiten noch gerüsst oder angerufen hat.

Nach dem anfänglichen Hype kam der Hammer der Kritik auf euch nieder....

Kritik ist wichtig und erwünscht, aber sie muss fundiert, präzise und nicht zerstörerisch sein. Natürlich haben wir, wie alle vor uns, Fehler gemacht. Wir mussten unsere Rollen und Rubriken erst ausloten, testen und an den Inhalten arbeiten. Late Night braucht Zeit, vor allem wenn man es nicht jeden Tag macht. Wir hatten aber immer einen üblichen Quotenschnitt für ein solches Format. Trotzdem berichteten fast alle vom totalen Quotenflop. Da war viel Häme, Neid und Böswilligkeit dabei.

Ist euer Sendekonzept jetzt ausgereift?

Wir sind auf gutem Kurs. Das wichtigste ist, und das gelingt uns immer besser, dass wir dem Ganzen unseren eigenen, natürlichen Stempel aufdrücken. Diese Show lebt in erster Linie von diesen zwei gegensätzlichen Persönlichkeiten und ihrer oft unterschiedlichen Interpretation des Lebens und der Happenings in diesem Land.

Wie gegensätzlich seid Ihr denn? Unterscheidet Euch mehr als Eure Rollen bei "Black’n’Blond", wo der eine als junge, sportliche und freche Züri-Schnurre, der andere als spiritueller Hippie-Schamanen-Rocker auftritt?

Nun, ich bin mit Stones und Beatles aufgewachsen -- Roman mit Shaking Stevens und Banana Rama. So was prägt. Vom Kunst- und Rasengeschmack wollen wir hier schon gar nicht sprechen. Natürlich schürfe ich als Musiker und Küchenphilosoph, meinem Alter gemäss, etwas tiefer. Dafür mag er früher am Morgen auf, hat einen flacheren Bauch und bessere Laktatwerte. Aber eigentlich sind wir in vielen Dingen sehr ähnlich. Wir lieben beide das Spiel, die Provokation, grosse Emotionen, Tiere und die Natur und... vor allem das ewige Rätsel genannt Frau.

Welche Botschaft wollt Ihr denn den Zuschauern mit Euren Interpretationen des Lebens vermitteln?

Man soll sich selbst nicht immer so tierisch ernst nehmen und vielleicht etwas mehr lockere Spielfreude an den Tag legen, ohne immer alles und jedes rechtfertigen zu müssen. Der Kopf ist nicht alles, Herz und Bauch gehören auch dazu. Die Zuschauer die für uns einen Teil ihres wertvollen Schlafs opfern, sollten was mitnehmen in die Woche -- auch wenn’s nur ein ironisches Augenzwinkern oder ein bisschen Hoffnung auf bessere Zeiten ist.

Gibt es bei "Black’n’Blond" Neuerungen auf den Herbst?

Man kann das Late-Night-Rad nicht neu erfinden, muss aber wach und offen für Experimente und neue Rubriken sein. Natürlich im Rahmen unseres Budgets und der vorhandenen Manpower.

Was war Chris von Rohrs persönliches Highlight bis anhin bei "Black’n’Blond"?

Einerseits zu erleben, dass die Freundschaft zwischen Roman und mir auch in schwierigsten Situationen gehalten hat, was im TV Umfeld nun wirklich nicht die Regel ist. Anderseits erfahren zu dürfen, wie spannend und intensiv sich diese Arbeit, die eigentlich extrem auf einen Tag zugespitzt ist, sich im Team entfaltet. Ich habe selten soviel gelernt wie im vergangenen halben Jahr- und das in jeder Hinsicht.


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