06.08.2020

CNN Money Switzerland

«Wir möchten alte Denkmuster hinterfragen»

Der Schweizer TV-Sender lanciert Ende August mit «#DACHelles» eine neue Wirtschaftssendung. Was steckt dahinter? Die neue Chefredaktorin Patrizia Laeri gibt einen exklusiven Einblick. Ausserdem sagt die 43-jährige Journalistin, warum sie stark auf Social Media setzt.
CNN Money Switzerland: «Wir möchten alte Denkmuster hinterfragen»
Führen durch die neue Wirtschaftssendung «#DACHelles» (v.l.): Tijen Onaran, Patrizia Laeri und Maggie Childs. (Bilder: CNN Money Switzerland)
von Christian Beck

persoenlich.com weiss: CNN Money Switzerland lanciert am 27. August eine neue deutschsprachige Wirtschaftssendung. Hat die Welt darauf gewartet?
Auf «#DACHelles» schon. Unser neues Format macht Wirtschaft endlich verständlich und erlebbar. Wir fürchten die grossen Zahlen nicht und erwecken Daten zum Leben. Wir möchten auch gerne den Beweis antreten, dass die Wirtschaft der Zukunft Spass machen kann. «#DACHelles» ist temporeiches Infotainment mit Gehalt, Kurz-Talk und Wirtschaft in Graphics und Clips.

Was bedeutet dieser eher sperrige Name «#DACHelles»?
Wir finden: der deutschsprachige Raum hat endlich eine eigene Wirtschaftssendung verdient. Deshalb «DACH». Und wir sind überzeugt, dass es höchste Zeit ist, dass Frauen über Wirtschaft sprechen. Deshalb: «elles». Wir sprechen ausserdem Tacheles – Klartext. Lautmalerisch also «#DACHelles».


Sie moderieren zu dritt. Ich schlussfolgere: mit einer deutschen und österreichischen Wirtschaftsfrau zusammen?
Genau. Mit den deutschen und österreichischen Unternehmerinnen Tijen Onaran und Maggie Childs konnten wir wichtige Business-Influencerinnen für das Format gewinnen. Wir verstehen uns als Trendscouts für Innovation und Expertinnen der Digitalisierung. Wir möchten alte Denkmuster hinterfragen und weiterdenken.

Also quasi: Servus, Grüezi und Hallo. Sind Sie eine Kopie des Zeit-Podcasts «Servus. Grüezi. Hallo.»?
Das ist in der Tat ein sehr erfolgreicher Podcast. Er führt immer wieder die Download-Charts an. Ich mag ihn auch sehr. Uns gibt es aber in Bild und wir reiten auch nicht auf Klischees rum … Nein, ernsthaft, ich sage nur: die Jungs von der Zeit müssen sich warm anziehen.

Kann man das Format via TV in Deutschland und Österreich überhaupt empfangen?
Via Internet-TV wie Zattoo bestimmt. Aber wir wissen auch aus der Mediennutzungsforschung, dass Menschen Videos immer weniger via klassisches Fernsehen konsumieren, sondern sie direkt online auf unserer Website oder Plattformen wie YouTube oder dem Business- und Karriere-Netzwerk LinkedIn anschauen.

«Wir drei Business-Influencerinnen bringen zusammen rund 200'000 geballte Follower-Power mit»

«Mir schwebt eine Art LinkedIn-TV vor», sagten Sie im April in einem persoenlich.com-Interview. Fokussieren Sie deshalb auf Social Media, weil alle drei Medienmacherinnen dort besonders stark sind?
In der Tat bringen wir drei Business-Influencerinnen zusammen rund 200'000 geballte Follower-Power mit. Man muss sich vorstellen, dass wir mit jedem Post auf Social Media ein Vielfaches dieser Zahl generieren – sogenannte Views. Insbesondere auf LinkedIn wird man kaum an «#DACHelles» vorbeikommen: Tijen Onaran ist LinkedIn-Influencer, ich bin LinkedIn-TopVoice und Maggie Childs ist eine geschickt vernetzte Unternehmerin in der digitalen Welt. Weltoffene, ambitionierte, wirtschaftsinteressierte Menschen sind sehr aktiv auf LinkedIn – und das ist genau unser Zielpublikum.

Und das also im ganzen deutschsprachigen Raum?
Genau, wir erreichen zusammen in drei Ländern Meinungsmacherinnen und Meinungsmacher sowie maximale Reichweite. Wir wollen alle drei Länder voneinander lernen. Wir wollen das Beste aus uns und für die drei Länder herausholen. Wir sind kollaborativ und konstruktiv. Vernetzt und vereint. Aber auch provokativ und plakativ. Wir möchten uns mit der Community weiterentwickeln. Zukunftsgerichtet. «#DACHelles» ist definitiv da für die Neugierigen und Debattierlustigen. Wir glauben an die Kraft des Miteinanders und digitaler Kanäle.

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Sie sagten vorher, dass Sie in der Sendung weiterdenken möchten. Ist das mitten in der Coronakrise der richtige Ansatz?
Und wie. Gerade weil die Coronakrise uns aufgezeigt hat, dass Artensterben, Naturzerstörung, Klimawandel und Pandemien zusammenhängen, gilt es nun mehr denn je über eine fairere, grünere und schlauere Wirtschaft der Zukunft zu diskutieren. Der Gesprächsstoff wird uns so leicht nicht ausgehen.

CNN Money Switzerland gab zusammen mit Ihrer Ernennung zur Chefredaktorin bekannt, vermehrt deutschsprachige Inhalte produzieren zu wollen. Kommt noch mehr?
Ja, Moderatorin Tanya König wird in ihrem Format «#HackYourLife» aufzeigen, wie wir unser Leben lustvoll und nachhaltig verbessern können. Aber auch die neuen englischsprachigen Formate wie «#ConsumerScout» von Olivia Chang, das Produkte durchleuchtet und Hersteller konfrontiert, der kritische Wochentalk «#BusinessWise» mit Hannah Wise oder das Job-Format «#InYourShoes» mit Ana Maria Montero sollte man nicht verpassen. Gerade für alle, die sich zurzeit neu orientieren, kann «#InYourShoes» neue spannende Perspektiven und Berufsprofile aufzeigen.

«Menschen haben mehr denn je das Bedürfnis nach Inhalten»

Sie scheinen ziemlich frischen Wind zu CNN Money zu bringen. Laut Medienberichten soll der Sender aber unbezahlte Rechnungen von über einer Million Franken haben. Wird Ihnen als Chefredaktorin diesbezüglich der Rücken freigehalten?
Nennen Sie mir ein privates Medienunternehmen, das zurzeit nicht unter Druck ist. Sogar die NZZ musste Staatshilfe beantragen. Wir sitzen alle im gleichen Boot – und wir kämpfen.

Heisst deshalb Ihr Motto: «Jetzt erst recht»?
An der Nachfrage kann es jedenfalls nicht scheitern. Menschen haben mehr denn je das Bedürfnis nach Inhalten. Das enorm gestiegene Interesse spüren auch wir. Und im Bereich TV-Wirtschaftsjournalismus sind wir die einzige Alternative zu den Sendungen der SRG in der Schweiz. 

Bedauern Sie gerade in dieser Krise nicht, dass Sie den sicheren Hafen SRF verlassen haben?
Ich liebe Herausforderungen. Ausserdem habe ich ja seit Jahren schon meine eigene GmbH geführt. Bei SRF habe ich nur Teilzeit gearbeitet.

Wie gut haben Sie sich bereits eingelebt beim neuen Arbeitgeber?
Ich habe noch nie ein so engagiertes, motiviertes Team kennengelernt. Wir sind wie eine Familie und halten zusammen. Ja, in diesem Sinne: Jetzt erst recht.



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Kommentare

  • Reto Lipp, 08.08.2020 20:21 Uhr
    Besten Dank - es gibt ja auch schon ein deutschsprachiges Wirtschaftsmagazin. ECO ist back - am 17. August.
  • Urs-Werner Merkli, 08.08.2020 07:36 Uhr
    Ich schau lieber Reto Lipp
Kommentarfunktion wurde geschlossen

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