03.02.2016

Somedia

«Wir müssen knapp 500 Stellenprozent abbauen»

Wirbel um das Bündner Medienhaus: Einem Bericht zufolge wurden bei Somedia «einschneidende Sparmassnahmen» beschlossen. Vom Abbau von bis zu 15 Stellen ist die Rede. Auch die Gewerkschaft Syndicom schaltet sich ein. CEO Andrea Masüger nimmt gegenüber persoenlich.com Stellung.
Somedia: «Wir müssen knapp 500 Stellenprozent abbauen»
von Michèle Widmer

Am Dienstag vor einer Woche wurde die Belegschaft der Somedia zu einer Informationsveranstaltung gerufen. Dabei wurden die Mitarbeiter über Sparmassnahmen der Mediengruppe informiert.

Wie das unabhängige Bündner Onlineportal grheute.ch am Mittwoch basierend auf Informationen von mehreren anonymen Involvierten berichtet, sind diese «einschneidend». Einer der Informanten spricht gar von einem «Kahlschlag».

10 bis 15 Stellen sollen per sofort und zum Grossteil in den Zeitungsredaktionen abgebaut werden. Umgesetzt würden sie mit der zwangsweisen Reduktion von Arbeitspensen, Entlassungen und teils Frühpensionierungen.

Auch die Gewerkschaft Syndicom schaltet sich in der Sache ein. «Im Kontakt mit Betroffenen hat sich herausgestellt, dass das Personal nicht umfassend informiert worden ist und weder vorab konsultiert noch einbezogen wurde», schreibt sie in einer Mitteilung.

Masüger winkt ab

«Wir müssen knapp 500 Stellenprozent abbauen», bestätigt Somedia-CEO Andrea Masüger auf Anfrage von persoenlich.com. Bei einer Gesamtzahl von rund tausend Mitarbeitern sei dies wenig, fügt er an. Betroffen sind demnach hauptsächlich die Zeitungsredaktionen, teilweise auch die Zeitungsproduktion. Alle Betroffenen seien bereits informiert worden.

Für den CEO befinden sich die Sparmassnahmen bei Somedia «im Rahmen des Normalen». «Mit dem Wandel der Medien müssen alle Verlage über die Bücher und ihre Abläufe optimieren», erklärt er. Er fügt an: Somedia hole jetzt teilweise nach, was die Medienhäuser in Zürich bereits in den letzten zehn Jahren abgebaut hätten. Aus diesem Grund falle Somedia zurzeit halt ein wenig auf.

Das Konkurrenzportal grheute.ch jongliert im Bericht jedoch mit anderen Angaben. Demnach hat Somedia im Jahr 2013 15 und im Jahr darauf 32 Stellen abgebaut.

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Der Somedia-Neubau in Chur, der im April 2015 feierlich eröffnet wurde.

Abos verloren

Erst im letzten April eröffnete das Verlagshaus in Chur feierlich ein neues Medienhaus, das rund 30 Millionen Franken kostete. Laut eigenen Angaben erwirtschaftet die Mediengruppe 2014 einen Umsatz von 129 Millionen Franken und einen Gewinn von 3,2 Millionen Franken.

Das Flagschiff des Verlags, die «Südostschweiz», hatte Anfang letzten Jahres mit einem neuen Layout überrascht. Die Tageszeitung musste nach dem Relaunch Abbestellungen von Abonnements in Kauf nehmen. Um wie viele Exemplare die Auflage schrumpfte, gibt der Konzern nicht bekannt. 

Im Interview mit Radio SRF wollte Masüger keine konkreten Angaben machen zu einem angeblichen Verlust von mehreren tausend Zeitungsabonnements.

Regionalteil in der «Schweiz am Sonntag»

Mit den Sparmassnahmen stellt sich auch die Frage, was Somedia mit dem Südostschweizer Regionalteil in der «Schweiz am Sonntag» plant. Seit 2013 erscheint eine eigene Ausgabe der Sonntagszeitung für Graubünden.

«Den Regionalteil wird es weiterhin geben», erklärt Masüger gegenüber persoenlich.com. Jedoch denke man auch hier über Optimierungsmöglichkeiten nach. Um Geld zu sparen könne man zum Beispiel im Druckbereich oder bei den Abläufen noch vereinfachen.

«Mit Veränderungen tun sich viele schwer»

Aufgrund der Sparmassnahmen herrscht bei Somedia zurzeit offenbar schlechte Stimmung. Diese Phänomen würden viele Verlage kennen, erklärt Masüger darauf angesprochen und ergänzt: «Wirtschaftlicher Wandel, auf den neue Chefredaktoren reagieren müssen, bedeutet immer Veränderungen. Damit tun sich einige Mitarbeiter schwer.»

Im vergangenen Herbst hat Martina Fehr den Chefredaktoren-Posten bei der «Südostschweiz» von David Sieber übernommen. Und Ende Jahr hat Thomas Senn die stellvertretenden Chefredaktoren Pieder Caminada und René Muhrmann abgelöst (persoenlich.com berichtete).

Angereichert mit Material der Nachrichtenagentur sda.

Bilder: Keystone



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Kommentare

  • Erich Schreiber, 03.02.2016 16:21 Uhr
    Ja, die Stimmung ist definitiv absolut miserabel - und hausgemacht!

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