07.03.2021

Peter Wanner

«Wir schaffen klarere Verhältnisse»

Die Aargauer Verlegerfamilie Wanner will alle Aktien der AZ Medien zurückkaufen. Was ist der Sinn dahinter? Verleger und VR-Präsident Peter Wanner über den Sinn und die Kosten der Aktion.
Peter Wanner: «Wir schaffen klarere Verhältnisse»
Verleger und VR-Präsident der AZ Medien Peter Wanner (Bild: Keystone/Ennio Leanza)
von Matthias Ackeret

Herr Wanner, Ihre Familie besitzt 90 Prozent der AZ Medien AG. Nun haben Sie den Minderheitsaktionären ein Angebot gemacht, ihre Aktien zurückzukaufen (persoenlich.com berichtete). Was bezwecken Sie damit?
Wir erhöhen die unternehmerische Handlungsfreiheit und Agilität, die in diesen anspruchsvollen Zeiten besonders wichtig sind. Zudem schafft der Rückkauf klarere Verhältnisse im Hinblick auf den anstehenden Übergang der Unternehmung zur fünften Generation.

Aber Sie hatten ja bereits eine ganz klare Mehrheit...
Es ist dennoch etwas anderes, 100 Prozent zu halten. Wie gesagt: Es schafft Agilität und Handlungsfreiheit. 

Was gehört konkret alles zu den AZ Medien?
50 Prozent an CH Media, das Newsportal Watson sowie die konzessionierten regionalen TV-Stationen Tele M1 und TeleBärn.

Wie viele Minderheitsaktionäre hat Ihr Unternehmen momentan?
Über 500.

Was passiert, wenn sich jemand weigert, seine Aktien zu verkaufen?
Dann beantragt der Verwaltungsrat der AZ Medien AG in der Generalversammlung eine sogenannte Barabfindungsfusion (Squeeze-out). Da die BT Holding über 90 Prozent der Aktien besitzt, wird die Barabfindungsfusion genehmigt werden und die restlichen Aktionäre erhalten dann den von der Bewertungsgesellschaft ermittelten Preis von 1071 Franken pro Aktie.

Nun bieten Sie pro Aktie 1200 Franken an, also 139 Franken mehr als die unabhängige Bewertung durch Ernst & Young. Was kostet Sie die ganze Aktion?
Ja, aus Verbundenheit zu unseren Minderheitsaktionären sind wir bereit, einen Aufpreis zu bezahlen. Das Ganze kostet rund 7,7 Mio. Schweizer Franken.

Müssen aufgrund des Rückkaufes gewisse publizistische Pläne zurückgesteckt werden?
Nein, keinesfalls. Wir wollen als Aktionäre weiterhin langfristig investieren und werden alle geplanten Vorhaben durchziehen.

Diese Woche hat der Nationalrat dem Medienförderungsgesetz zugestimmt. Wie profitieren Sie als AZ Medien, wie als CH Media davon?
Warten wir mal ab, was der Ständerat beschliesst. So wie es aussieht, ist die Frühzustellung im Förderungspaket drin und davon werden wir dann profitieren, weil rund 90 Prozent unserer Zeitungen per Frühzustellung vertrieben werden. Durch die Erhöhung der Subvention bei der Postzustellung profitieren aber auch die kleinen Verlage. Beim Digitalgesetz werden wir hingegen doppelt abgestraft: mit der höchst fragwürdigen Holding-Klausel und einer sehr starken Degression. Der Nationalrat will vor allem Kleinstzeitungen, Bezirkszeitungen und Newcomer fördern. Kantonale Zeitungen, die zu einer Holding gehören, werden diskriminiert. Darunter wird langfristig der Lokaljournalismus leiden. 

Was planen Sie mit den AZ Medien langfristig? Gibt es konkrete neue Pläne?
Pläne und Ideen haben wir immer, aber die verrate ich hier nicht.

Wann glauben Sie, kommt der Aufschwung in der Medienbranche?
Wenn die Covid-Krise ausgestanden ist, wird sich auch der Werbemarkt erholen. Was die Nutzerzahlen angeht, haben die Medien eher von Covid-19 profitiert, denn die Nachfrage nach vertiefter, schneller und seriöser Information hat zugenommen.



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