18.06.2023

SRF

«Wir werden auch den Medien auf die Finger schauen»

Der neue SRF-Comedy-Host heisst Stefan Büsser. Seine Show werde eher Unterhaltung als politische Satire, sagt er im Interview. Er spricht über die Kritik der Comediennes an SRF, seine Zusammenarbeit mit Gabriel Vetter – und kritisiert die aktuelle Berichterstattung von 20 Minuten.
SRF: «Wir werden auch den Medien auf die Finger schauen»
«Der Vertrag mit der Location ist noch nicht unterschrieben, es wird aber auch in Zürich sein und nicht im SRF-Studio», sagt Stefan Büsser. Er hostet ab Februar 2024 die Comedy-Show «Late Night Switzerland» auf SRF.
von Michèle Widmer

Stefan Büsser, Sie werden ab Februar 2024 Comedy-Host von SRF. Welche Reaktionen am Freitag haben Sie besonders überrascht?
Mich hat die Masse der Reaktionen überrascht. Ich wusste nicht, wie systemrelevant dieser Job ist. Gabriel Vetter hat es mit der Aufruhr um eine Papstwahl verglichen. Das stimmt natürlich nicht, es war viel heftiger.

Kamen auch Gratulationen von Ihren Kolleginnen Patti Basler oder Lara Stoll?
Mit Patti stand ich die letzten Wochen im Kontakt und sie hat mir schon gratuliert, bevor es überhaupt offiziell wurde. Lara ist in den Vorbereitungen für ein Theaterstück am Neumarkt, für das ich ihr viel Glück wünsche, und nachsichtig bin, wenn ihr Fokus nicht auf Gratulationen liegt. Der Eindruck, den auch diese Frage zu vermitteln versucht, dass die Comedyfrauen mich hassen, ist sehr weit von der Realität weg.

Sie sprechen es an. Die beiden hatten im Februar einen offenen Brief an SRF initiiert. Mehrere Comediennes kritisieren die Zusammenarbeit mit SRF Comedy für Frauen als schwierig. Haben Sie kein schlechtes Gewissen, einer Comedienne den Platz wegzunehmen?
Ich war nicht im Auswahlgremium von SRF und habe mit dem Entscheid nichts zu tun. Meinen Job als Late-Night-Host sehe ich aber auch darin, eine Auftrittsplattform für die Szene zu bieten. Dabei ist es mir herzlich egal, welches Geschlecht jemand hat. Mich interessiert nur, ob diese Person lustig ist.

«Ich wurde angefragt, ob ich mir vorstellen könnte, am Sonntagabend eine Show zu machen»

Wie lief das Verfahren eigentlich ab? Haben Sie sich mit einem konkreten Konzept beworben?
Ich wurde angefragt, ob ich mir vorstellen könnte, am Sonntagabend eine Show zu machen. Daraufhin habe ich mit meinem Team ein Konzept entwickelt und wir haben einen Pilot gedreht, der dann einem Testpublikum gezeigt wurde und offenbar gut ankam.

Das Publikum wird im Februar erstmals für «Late Night Switzerland» einschalten. Inwiefern wird sich die Show vom Vorgänger «Deville» abheben?
Wir sehen uns sicher mehr als Comedy-Unterhaltungssendung und weniger als politische Satireshow. Wir haben zudem eine Liveband und wollen auch der Musik einen Platz in der Sendung geben. Das Detailkonzept entwickeln wir in den nächsten Monaten.

Der Name «Late Night Switzerland» weckt hohe Erwartungen und lädt zum Vergleich mit internationalen Late Night Shows ein. An welchem internationalen Vorbild orientieren Sie sich?
Der Name leitet sich vom Anspruch ab, für die Schweiz eine Late-Night-Show zu machen. Wir messen uns sicher nicht an Sendungen, die ein Vielfaches an Budget und Zuschauern haben.

Warum starten Sie eigentlich erst im Februar? Gabriel Vetter, der mit «Die Sendung des Monats» einen Sendeplatz im Monat übernimmt, ist ja bereits ab September zu sehen.
Ich habe im Sommer noch sieben Live-Sendungen «Donnschtig-Jass», für die ich fast einen Monat auf Dreh bin. Das wäre zeitlich schlicht unmöglich geworden. Ausserdem kehren wir ja mit dem Podcast «Comedymänner» zu SRF zurück und sind deshalb auch ab September zu sehen, wenn auch noch nicht am Sonntagabend, sondern donnerstags.

Inwiefern werden Sie beide für Ihre Shows zusammenarbeiten?
Gabriel und ich tauschen uns regelmässig aus und sehen uns als Ergänzung, nicht als Konkurrenz. Wir wollen beide die Leute am Sonntagabend zum Lachen bringen. Wie wir das anstellen, werden wir mit unseren Teams jetzt entwickeln und daraus werden sich auch die Crosspromo-Möglichkeiten ergeben.

«Deville» war früher im Mascotte, dann im Folium in Zürich. Wo werden Sie Ihre Show aufzeichnen?
Der Vertrag mit der Location ist noch nicht unterschrieben, es wird aber auch in Zürich sein und nicht im SRF-Studio.

Intensiver als bisher wird die Zusammenarbeit mit Ihrem Sidekick Michael Schweizer, den Sie bereits vom Podcast «Comedymänner» kennen. Ist es im kreativen Prozess vielleicht nicht auch ein Nachteil, wenn man einander so gut kennt?
Im Gegenteil. Michael war mein absoluter Wunschkandidat. Chemie kann man nicht erzwingen und wenn man das Glück hat, mit jemandem, mit dem man sich auch privat versteht, eine Sendung machen zu können, dann wirkt sich das auch auf das Gefühl der Zuschauenden aus. Das merken wir bei den «Comedymännern» sehr stark, wo man unsere Freundschaft mit Aron Herz als ehrlich und etwas «wo man gerne dabei wäre» empfindet.

Die nationalen Medien berichteten am Freitag prominent über Sie als neuen SRF-Comedy-Host. Wie beurteilen Sie die Berichterstattung der Medien in dieser Sache?
Abgesehen von der Grösse, welche eine Personalmeldung aus dem Haus SRF scheinbar hat, fand ich das grösstenteils sehr korrekt.

«Ich ärgere mich, wenn heute aus Zeit-, Personal- und Klickgründen komplett auf Recherche verzichtet wird»

«Sie mussten nicht mal recherchieren, nur eine Medienmitteilung abschreiben. Und sogar dafür reichts nicht», schrieben sie auf Twitter zu einem fehlerhaften Artikel auf 20 Minuten. Sie scheinen verärgert. Hört hier der Spass für Sie auf?
20 Minuten hat die letzten zwei Wochen gleich zweimal Fehlerhaftes verbreitet auf meine Kosten. Ich ärgere mich, wenn heute aus Zeit-, Personal- und Klickgründen komplett auf Recherche verzichtet wird oder noch schlimmer, nicht mal eine Pressemitteilung richtig abgetippt wird. Damit spielt man den «Glaubt den Medien nicht»-Honks voll in die Hände, was mir als ehemaligem Journi im Herzen wehtut. In meinem Fall ist das ja nicht tragisch, aber wir brauchen seriösen Journalismus in Zeiten wie heute stärker denn je.

Dominic Deville hatte in seiner Sendung häufig mediale Schlagzeilen aus der Woche eingespielt. Inwiefern werden Sie bei «Late Night Switzerland» Medienkritik aufbringen?
Die Medien gehören zu den Mächtigen in diesem Land, von daher werden wir ihnen wie allen anderen in solchen Positionen sicher auf die Finger schauen. Ich sehe meinen Job aber eher als Unterhalter, denn als Polizist.

Sie sind auch diesen Sommer, wie bereits erwähnt, mit dem «Donnschtig-Jass» unterwegs. Werden Sie dafür 2024 noch Zeit finden?
Es ist mein grosser Wunsch, diesem wunderbaren Team und dieser Sendung, die ich sehr liebe, erhalten zu bleiben. Diesen Wunsch hat auch SRF. Ich bin sicher, wir finden eine Lösung, die mich auch 2024 den «Donnschtig-Jass» machen lässt.

Gibt es andere Engagements, die Sie wegen der neuen Sendung zurückfahren müssen?
Ein neues Comedy-Soloprogramm ist aktuell sicher nicht möglich. Und ich werde wohl auf ein paar Veloausflüge verzichten müssen. Das nehme ich aber gerne in Kauf.

Sie starten zwar erst am 11. Februar. Aber wen hätten Sie sich in der aktuellen Woche als Studiogast gewünscht?
Entweder Chrigu Stucki nach seinem letzten Titel oder Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider. Sie hätte auch zu spät kommen dürfen.



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