12.04.2019

SRG

«Wir werden sehr behutsam vorgehen»

Mit der TPC-Reintegration will die SRG jährlich 3 Millionen Franken sparen. 7 Millionen fallen zudem durch ein neues IT-Kompetenzzentrum weg. Marco Derighetti, Direktor Operationen SRG, über einen «absolut sinnvollen» Entscheid und einen Abbau auf Managementstufe.
SRG: «Wir werden sehr behutsam vorgehen»
«Die Kosten dieses komplexen Projektes sind tief»: Marco Derighetti, Leiter Operationen SRG. (Bild: zVg.)
von Michèle Widmer

Herr Derighetti, die SRG will mit einer Neuorganisation von zentralen Diensten und ihrer Produktion sparen. Fallen bei einem solchen Umbau nicht zuerst einmal hohe Kosten an?
Die Kosten dieses komplexen Projektes sind tief und werden mit Umsetzung der Massnahmen innerhalb Jahresfrist wieder eingespielt sein. Die SRG hat ab diesem Jahr weniger Gebührengelder zur Verfügung, und der Werbemarkt ist rückläufig. Deswegen müssen wir sparen. Generaldirektor Gilles Marchand hat bereits am Tag der No-Billag-Abstimmung, am 4. März 2018, ein Effizienzsteigerungs- und Reinvestitionsprogramm in der Höhe von 100 Millionen Franken angekündigt. Weil das Programmangebot möglichst geschont werden soll, sparen wir primär bei den Immobilien, der Infrastruktur, der Technik, der Produktion und der Verwaltung. Der Verwaltungsrat hat auf Antrag der Geschäftsleitung der SRG und unter Vorbehalt eines Konsultationsverfahrens nun weitere Massnahmen beschlossen, mit denen wir jährlich 10 Millionen Franken einsparen werden.

Wieviel von den 10 Millionen Franken pro Jahr fällt auf die TPC-Reintegration, wieviel auf das Kompetenzzentrum?
Weil in einzelnen Bereichen der TPC eine Redimensionierung vorgenommen und auch bei der Bewirtschaftung des Drittmarktes gespart werden kann, resultiert aus dem Downsizing zu Gunsten des Budgets nachhaltig eine jährliche Einsparung von zirka 3 Millionen Franken. Dies voraussichtlich ab Frühjahr 2020.

Offenbar stand die Wiedereingliederung der Produktion in den vergangenen Jahren mehrmals zur Debatte, wurde dann aber aufgrund zu hoher Kosten nicht vollzogen. Was ist an der Ausgangslage jetzt anders?
Das TPC wurde per 1. Januar 2000 eigenständig. Damals drängten private TV-Veranstalter aus Deutschland auf den Schweizer Markt und es machte Sinn, hier Produktionsmittel bereitzustellen und diesen Markt zu bewirtschaften. Das Umfeld im TV-Markt Schweiz hat sich in diesen letzten 20 Jahren mit der digitalen Entwicklung nun aber massiv verändert. Eine Weiterführung der TPC als eigenständige Aktiengesellschaft unter diesen neuen Rahmenbedingungen ist nur noch bedingt erfolgversprechend. Verbunden mit dem aktuellen Spardruck ist diese Entscheidung des Verwaltungsrates aus strategischen Gründen absolut sinnvoll.

«Die Teams müssen und sollen in Ruhe arbeiten können»

Durch den Entscheid sollen die Organisation und Koordination der Produktion zwischen den Unternehmenseinheiten vereinfacht werden. Was waren hier konkret die Probleme?
Es geht nicht um die Eliminierung von bisherigen Problemen, sondern um eine Optimierung der Prozesse. Durch die Integration des Personals und der Produktionsmittel von TPC bei SRF können natürlich insbesondere im Overhead Kosten eingespart werden. Zudem wird sichergestellt, dass bei SRF dieselben Verantwortungsbereiche wie in den anderen Unternehmenseinheiten gebildet werden, was einen effizienten Austausch zwischen den Regionen sowie eine bessere Vernetzung und Abstimmung mit den Leistungserbringern für nationale Services ermöglicht.

Aus der Sicht einer SRF-Journalistin oder eines TPC-Kameramannes: Wie werden sich die Abläufe ab 2020 verändern?
Nach der Kommunikation gegenüber den Mitarbeitenden starten wir ja nun vorerst mit den Detailkonzeptarbeiten. Ab Mitte August wird dann das vorgeschriebene Konsultationsverfahren durchgeführt. Die Umsetzungsarbeiten werden bis Ende 2019 andauern. Wir werden bei dieser Reintegration sehr behutsam vorgehen. Dies aus Rücksicht auf die laufenden Grossprojekte von SRF und die vielen anstehenden Produktionen. Die Teams müssen und sollen in Ruhe arbeiten können, damit keine unnötigen Risiken entstehen. Die Sicherstellung des laufenden Betriebes ist oberste Maxime. Klar ist aber, dass die Marke TPC verschwinden wird. Für die einzelnen Mitarbeitenden wird sich letzten Endes nicht sehr viel ändern, weil insbesondere ja auch keine Standortveränderungen vorgesehen sind. Zudem haben die Mitarbeitenden von SRF und TPC ja bereits heute intensiv miteinander gearbeitet.

Was bedeutet der Entscheid für die freien Kameraleute? Wird SRF die Handhabung von TPC bei der Auftragsverteilung übernehmen?
Das sind Fragen, die nun im Rahmen des Detailkonzeptes geklärt werden müssen. Wir werden bei grösseren Produktionen aber sicherlich auch weiterhin auf die Hilfe freier Mitarbeitenden zurückgreifen müssen. Ausserdem hat die SRG gemäss Konzession den Auftrag, die Zusammenarbeit mit der AV-Industrie zu fördern.

«Es ist naheliegend, dass sich das Sparpotenzial eher im Overhead ergibt»

Zudem wird die interne Abteilung INIT in die Tochterfirma Swiss TXT ausgelagert. Welche konkreten Vorteile bringt das geplante IT-Kompetenzzentrum?
Wir reden hier nicht von einer räumlichen Auslagerung, sondern einer organisatorischen Massnahme. Die Bildung eines Kompetenzzentrums für IT-Infrastruktur und IT-Services, Digitalproduktion und Distribution, wie es der Verwaltungsrat nun beschlossen hat, macht aus mehreren Gründen Sinn. Insbesondere ermöglicht dies, digitale Services inklusive infrastrukturnaher ICT-Services, Access Services sowie Distribution End2End über die gesamte Wertschöpfungskette der SRG aus einer Hand zu erbringen. Zudem können mit dem Kompetenzzentrum Kosteneinsparungen realisiert werden. Damit reduzieren sich zudem die Anzahl Schnittstellen im Unternehmen, was zu einer Vereinfachung und Flexibilisierung der Prozesse führen wird.

Bei SwissTXT und der SRG sind 279 Mitarbeiter beschäftigt. Was bedeutet der Entscheid für sie?
Swiss TXT in Biel beschäftigt 179 Mitarbeitende, INIT 100. Die Bildung dieses Kompetenzzentrums bringt zusammen, was zusammengehört. Der vereinfachte Know-how-Austausch wird uns helfen, die digitalen Herausforderungen der Zukunft noch besser zu meistern.

Insgesamt werden aufgrund der Neuorganisation 40 Vollzeitstellen abgebaut. Wie viele Personen sind betroffen – und in welchen Bereichen?
Das ist korrekt, ja. Wir rechnen mit einer Reduktion von etwa 40 Vollzeitstellen, davon werden rund 20 Stellen durch Kündigungen und vorzeitige Pensionierungen abgebaut. 20 weitere im Rahmen der natürlichen Fluktuation. Für die Betroffenen gibt es einen Sozialplan, der verschiedene Abfederungsmassnahmen vorsieht.

Durch die Restrukturierung lassen sich vor allem auf Managementstufe Kosten sparen. Müssen also Manager und nicht Kameramänner um den Job bangen?
Auch dies wird nun im Detailkonzept und nicht zuletzt auch auf der Basis des Konsultationsverfahrens zu erarbeiten sein. Wenn wie im Falle der Reintegration des TPC eine Tochtergesellschaft aber neu einer Unternehmenseinheit zugeordnet wird, ist es naheliegend, dass sich das Sparpotenzial eher im Overhead ergibt.

«Die Reaktionen fielen sehr professionell aus»

Die Mitarbeitenden sind am Donnerstagvormittag informiert worden. Wie waren die Reaktionen?
Wir haben unsere Mitarbeitenden am Donnerstagmorgen an den Standorten in Zürich, Bern und Biel persönlich über die vorgesehenen Massnahmen informiert. Die Reaktionen fielen sehr professionell aus. Natürlich gab es sehr viele Fragen, auch kritische, und wir konnten noch nicht auf alles auch eine Antwort geben. Daran arbeiten wir nun.

Im Rahmen der Reformen genehmigte der Verwaltungsrat eine Reihe weiterer Massnahmen, die der Generaldirektion zusätzliche Einsparungen ermöglichen. Welche sind das?
Wir sprechen hier vor allem von der Integration bisher zentraler, spezialisierter und bei der Generaldirektion angegliederten Business Services, die neu organisatorisch ebenfalls beim Bereich Operationen von SRF angesiedelt werden und heute bereits in Zürich tätig sind. Durch diese Neuorganisation können aufgrund dieser Businessnähe die Bedürfnisse des grössten Kunden noch schneller und präziser erfasst und umgesetzt werden, und ich bin überzeugt, dass sich dies auch positiv auf die Serviceleistungen gegenüber den anderen Regionen auswirken wird. Die Generaldirektion hingegen wird dadurch schlanker und kann sich ganz auf ihre strategische Führungsfunktion konzentrieren.


Marco Derighetti hat die Fragen schriftlich beantwortet.



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