06.08.2019

Medienzukunft Basel

«Wir wollen nicht übergrosse Erwartungen wecken»

Das neue Basler Medium heisst «bajour». Gerade haben Redaktion und Geschäftsleitung im Büro in der Markthalle die Arbeit aufgenommen. Manuel Bertschi, Präsident Medienzukunft Basel, spricht über die Idee hinter dem Namen und die Stiftungsfinanzierung als Übergangslösung.
Medienzukunft Basel: «Wir wollen nicht übergrosse Erwartungen wecken»
Manuel Bertschi ist Präsident von Medienzukunft Basel. (Bild: zVg.)
von Michèle Widmer

Herr Bertschi*, und plötzlich taucht da der Name «Bajour» auf einem Flyer auf. Warum kommuniziert der Verein Medienzukunft Basel nicht aktiver über das neue Medium?
Wir wollen nicht mit einem grossen Hype riesige Erwartungen wecken, die niemand befriedigen kann, sondern durch die Tat zeigen, wer wir sind und was wir wollen. Die beiläufige Veröffentlichung des Namens «bajour» lag uns näher.

Wann geht «bajour» an den Start?
Es gibt kein fixes Datum, die Mitarbeitenden beginnen peu à peu. Der Event am 13. August, auf den der Flyer hinweist, ist der erste öffentliche Auftritt von «bajour». Danach kommt dann vielleicht ein Newsletter, ein Blog oder Posts in den Sozialen Medien. Im Verlauf des Herbsts wird es dann richtig losgehen.  

Das klingt alles etwas vage. Ihr müsst doch wissen, was als nächstes kommt?
Klar, wir wissen das. Unsere Strategie ist aber, dass wir nicht im Voraus grosse Versprechungen machen, sondern konkret handeln. Wir wollen nicht übergrosse Erwartungen wecken, wie das vielleicht andere gemacht haben. Das wäre nicht unser Stil.

«Der Name widerspiegelt die Zweisprachigkeit, da wir so auch das Dreiland ansprechen und thematisieren wollen»

Ein Seitenhieb an das Onlinemagazin «Republik». Was macht «bajour» sonst noch anders als die Zürcher Kollegen?
Nein, kein Seitenhieb. Jedes Medium hat seine eigene Vorgeschichte, da unterscheidet sich «bajour» also schon deutlich von der «Republik». Auch ist die das Onlinemagazin viel grösser. Und: «bajour» wird kostenlos zu konsumieren sein.

Zurück zum Namen: Wer hat ihn vorgeschlagen und was steht hinter der Idee «bajour»?
Die beiden Projektleiter Hansi Voigt und Matthias Zehnder haben dem Vorstand des Vereins Medienzukunft Basel mehrere Namensvorschläge gemacht. Der Vorstand hat sich dann ziemlich eindeutig für «bajour» entschieden. In Anlehnung an «bonjour» sollen unsere Leserinnen und Leser willkommen geheissen werden. Zudem widerspiegelt es die Zweisprachigkeit, da wir so auch das Dreiland (Schweiz, Frankreich, Deutschland) ansprechen und thematisieren wollen. Und das Wort «à jour», welches darin vorkommt, zeigt, dass wir unsere Nutzer täglich auf dem Laufenden halten wollen. Auch die Basler Herkunft ist dem Namen zu entnehmen. 

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Das i-Pünktchen ist ein Herz. Was hat das zu bedeuten?
Der i-Punkt ist als grafische Spielwiese gedacht und wird sich wandeln.

Mit welcher Agentur haben Sie dafür zusammengearbeitet? Das Branding und Frontend-Design von «bajour» besorgt HV Italic, die Basler Niederlassung von Hinderling&Volkart.

«So verzichtet das Medium auf Printausgaben und ist komplett werbefrei»

Wie gross ist das «bajour»-Team und wer ist an Bord?
Bisher sind vier Journalistinnen und Journalisten fest angestellt worden – Naomi Gregoris, Andrea Fopp, Daniel Faulhaber und Samuel Hufschmid. Sie werden Schritt für Schritt ihre Arbeit aufnehmen. Zudem ist Martina Rutschmann auf Mandatsbasis für die Diskussionsveranstaltungen verantwortlich. Öffentliche Diskussionen wie jene am 13. August will «bajour» künftig regelmässig durchführen.

Wer trägt die publizistische Verantwortung und wer übernimmt die Geschäftsführung?
Sabrina Oberländer, bisher Head Communications Publikumsmessen Basel, wurde als Geschäftsführerin angestellt. Ihr zur Seite stehen wird Valentin Ismail, der sich hauptsächlich um die Organisation der Veranstaltungen kümmert. Bezüglich der publizistischen Verantwortung prüfen die beiden Projektleiter Matthias Zehnder und Hansi Voigt mehrere Varianten. Zudem laufen noch Gespräche mit weiteren Journalistinnen und Journalisten, die allenfalls noch zum Team stossen werden.

Wo arbeitet die Redaktion?
Seit dem 1. August hat «bajour» ein Pop-up-Büro in der Markthalle in Basel. Es ist eine Zwischennutzung für ein Jahr. Danach wird das Medium weiterziehen, entsprechende Gespräche laufen bereits.

«Einigen in der Branche scheint klar, dass künftig auch Onlinemedien direkt gefördert werden sollen. Bis dies soweit ist, dient die Stiftungsfinanzierung zur Überbrückung»

Ihr Konzept erinnert stark an das Vorgängerprojekt «Tageswoche», die schliessen musste. Was unterscheidet «bajour» davon?
Die «Tageswoche» hat aus meiner Sicht gute Arbeit geleistet, zumindest in den letzten zwei Jahren. Trotzdem unterscheidet sich «bajour» sehr deutlich. So verzichtet das Medium auf Printausgaben und ist komplett werbefrei.

Wie will sich das Projekt finanzieren?
Wie bereits bekannt ist, erhalten wir von der Stiftung für Medienvielfalt eine Million Franken pro Jahr. Der Businessplan sieht vor, dass wir künftig mit weiteren Stiftungen kooperieren müssen, um breiter abgestützt zu sein. Im Weiteren sollen Gelder durch die Mitgliederbeiträge des Vereins Medienzukunft Basel ins Medium fliessen. Auf längere Sicht hoffen wir auch auf öffentliche Fördergelder. Ob irgendwann mit dem neuen Bundesgesetz über elektronische Medien oder doch bloss mittels RTVG-Revision: Einigen in der Branche scheint klar, dass künftig auch Onlinemedien direkt gefördert werden sollen. Bis dies soweit ist, dient die Stiftungsfinanzierung zur Überbrückung.

Wird man das Projekt im Internet unter bajour.ch finden?
Natürlich. Vorerst gibt es da aber nur eine Landingpage mit Verweis auf den Newsletter und Facebook. Die eigentliche Website kommt im Herbst.

Was werden die Leserinnen und Leser dort zu lesen erhalten?
«
bajour» ist in erster Linie ein regionales Medium. Entsprechend wird die Berichterstattung über Basel und die Region im Vordergrund stehen. Hier wollen wir Eigenleistungen liefern, setzen aber auch auf Partnerschaften wie beispielsweise mit «rotblau». Bei überregionalen Themen wird es vermehrt Kooperationen geben, etwa mit dem Wissenschaftsmagazin Higgs.ch.

Wie sehen diese Kooperationen genau aus?
Basis ist das Projekt «wepublish». Das ist ein technisches Framework, das es den angeschlossenen Medien ermöglicht, auf einfache Art und Weise Inhalte auszutauschen und zum gegenseitigen Nutzen zu kuratieren. Dabei gibt es keine Zentrale, sondern jeder Knoten entscheidet selbst für sich, was er gibt und was er übernehmen will – ganz wie im Internet.


Manuel Bertschi ist Präsident des Vereins Medienzukunft Basel und arbeitet als Anwalt bei der Kanzlei Kellerhals Carrard.



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Kommentare

  • Andy Lehmann, 06.08.2019 09:45 Uhr
    „komplett werbefrei“ ist doch super... dann ist auch die Lebensdauer schon absehbar. Dorme bien, Bajour!

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