Die Goldbach Group stellte am Donnerstag an ihrer Bilanzmedienkonferenz am Zürcher Rennweg das Geschäftsjahr 2013 vor. Im Rahmen der Veranstaltung hat persoenlich.com mit dem neuen CEO Michi Frank gesprochen. Im Interview schaut er auf seine ersten zwei Monate im Amt zurück und erklärt, warum er "Bachelor" Vujo "einfach authentisch" findet. Seine Konzentration gilt dem Kerngeschäft und dem heimischen Markt. Eine Expansion schliesst Frank dennoch nicht aus.
Herr Frank, wie sind Sie persönlich ins Jahr gestartet?
Mit viel Dynamik. Seit dem 1. Januar habe ich die Verantwortung und versuche nun, das Team zusammenzustellen. Gemeinsam wollen wir die richtigen Entscheidungen fällen und Step by Step unsere Ziele erreichen.
Wie sehen diese Ziele aus?
Wir versuchen, uns wirklich auf den Punkt weiterzuentwickeln, den nächsten Schritt zu machen. Wir konzentrieren uns auf das, was wir können. Der Fokus gilt dem Digital Sales House und dem digitalen Geschäft im Agenturbereich. Wir wollen primär in all unseren Märkten ein ähnliches Konstrukt aufbauen wie wir es in unserer DACH-Region (Schweiz, Österreich, Deutschland) bereits haben.
Was konnten Sie in den bisherigen zwei Monaten als CEO bereits erreichen?
Der Übergang war ein langfristiger Prozess und begann für mich ja nicht erst am 1. Januar. Ich bin nun seit 13 Jahren bei Goldbach tätig und hatte bereits Digital-Prozesse geleitet. Ich bin zwar für das Jahr 2014 verantwortlich, hatte aber zuvor schon begonnen, einige Entscheide zu fällen, vor allem in Bezug auf die Zusammensetzung der Geschäftsleitung. Wir haben im Finanzbereich mit Lukas Leuenberger einen neuen CFO, der aber bereits seit sechs Jahren im Unternehmen ist. Diesen Montag ist Klaus Nadler als neuer CMO zum Team gestossen und Roland Wittmann ist ab 1. Juni 2014 als CSO in Charge. Ich hatte also bereits meinen strategischen Einfluss. Zudem war ich sehr viel unterwegs und bereiste die Länder unserer Auslandmärkte. Ich will auch dort die Leute abholen, denn für mich ist es wichtig, die einzelnen Märkte, auf denen wir vertreten sind, zu verstehen. Nur so verdienen wir in diesen Märkten Geld. Rentabilität hat oberste Priorität.
Auf welche Baustellen sind Sie getroffen?
Auf ein paar wenige, aber die meisten haben wir gelöst. Das war in der Region East vor allem Polen, wo wir das unrentable Interactive-Geschäft restrukturiert haben. Natürlich gehört hier auch Tschechien dazu, wo wir uns bereits im letzten Jahr zurückgezogen haben. Auch die Sache mit der Wilmaa-Box war eine Baustelle: Im Rahmen einer Fokussierung auf unsere Kernkompetenzen haben wir uns hier entschieden, aus der technologieorientierten Entwicklung auszusteigen und die Mehrheitsbeteiligung an der Wilmaa Digital World abzugeben. Wir wollen die Kerngeschäfte vorantreiben, das heisst in diesem Fall die Wilmaa-Box vermarkten, aber nicht mehr in deren technologische Entwicklung investieren.
Das heisst, Sie werden primär nicht weitere Märkte expandieren?
Wir wollen uns primär dort, wo wir uns bereits befinden, so aufstellen, dass wir eine schlagkräftige Truppe haben. Es ist uns wichtig, zunächst in den bestehenden Märkten Erfolg zu haben, bevor wir uns nach Neuen umsehen. Wir müssen zuerst einfach mal unseren Job machen. Einen Teil haben wir bereits vollzogen, wir haben abgebaut und uns fokussiert, uns strategisch weiterentwickelt und das sind letztlich die wichtigen Punkte. In Rumänien versuchen wir in das nationale Geschäft einzusteigen und Russland wird einer genauen Analyse unterzogen, dann sehen wir weiter. Aber immer Step by Step. Ich schliesse weder eine Expansion noch einen Rückzug aus bestehenden Märkten aus.
Inwiefern werden Sie bei Ihrer Arbeit noch von Ihrem Vorgänger Klaus Kappeler unterstützt?
Ich arbeite seit 13 Jahren mit Klaus Kappeler zusammen. Er arbeitet für den Verwaltungsratspräsidenten und für mich im 40-Prozent-Mandat als Berater. Eine gute Geschichte, ebenfalls ein Step-by-Step-Flow. Er unterstützt uns sehr stark.
Im letzten Jahr war die 3+-Fernsehsendung «Der Bachelor» in aller Munde. Wie liess sich die Werbung für diese Staffel vermarkten?
Meinen Sie jetzt Vujo oder «Der Bachelor»?
Mir geht es eigentlich um die Sendung. Merkten Sie im Laufe der Staffel einen markanten Anstieg im Bereich Werbevermarktung?
Das Format ist top. 3+ hat es geschafft, nach einer super ersten Staffel mit unserem heutigen Verkaufschef Lorenzo Leutenegger, auch für die zweite Staffel einen guten und ganz unterschiedlichen Typ Mann zu finden. Natürlich haben wir genau beobachtet, wie sich die Sendung weiterentwickelt. Mit Vujo hat man meines Erachtens einen Lucky Punch gelandet. Sie müssen sich nur die Sendung «Schawinski» mit Vujo als Gast ansehen, dieser Typ ist einfach authentisch. Und wie 3+-Senderchef Dominik Kaiser in diversen Interviews so schön sagte, «heute ist es Investment». Es ist zwar eine teure Sendung, aber auch Marketing für den Sender und das ganze Produkt.
Wie sieht die in der Bilanzmedienkonferenz angesprochene Partnerschaft mit dem Internetportal Watson aus?
Sie sind bei uns im Video-Netzwerk integriert. Watson ist eines von diesen Puzzle-Teilchen, welches nun auch dazu gekommen ist. Watson vermarktet sich allerdings selber. Wir sind Vermittler im ganzen Videobereich. Dies ist für die Zukunft sicherlich eine gute Sache, genauso wie die Zeitung 20 Minuten, welche ebenfalls dazu gestossen ist. Genau diese Thematik, dass wir als Aggregator eine Rolle spielen, ist uns wichtig.
Wo steht die Goldbach Group in drei Jahren?
Ich will wirklich jedem Markt, in welchem wir präsent sind, eine Plattform geben können. Ich glaube nicht daran, nur linear zu fahren. Man muss als Aggregator über andere Sachen wirken können. Und das alles Step by Step. Einfach unseren Job machen und die angesprochenen Dinge verkaufen. Dazu immer so viel Spirit wie möglich reinbringen. Ich werde dieses Jahr 47 und habe mir geschworen: Ich will Spass haben. Zwar will ich meine Ziele erreichen und meine Arbeit erledigen, aber auch der Spass soll nicht zu kurz kommen.
Interview: Marco Lüthi, Bild: zVg.

