30.09.2015

Hellmuth Karasek

Der einflussreiche Literaturkritiker ist tot

Er beteiligte sich kürzlich an einem Werbespot für Ikea.
Hellmuth Karasek: Der einflussreiche Literaturkritiker ist tot

Als letztes "Buch" hatte er im Auftrag der Werbeagentur Wirz einen Katalog für Ikea rezensiert (persoenlich.com berichtete): Der Literaturkritiker und Schriftsteller ist tot. Er starb am Dienstag im Alter von 81 Jahren, wie seine Familie in Hamburg bestätigte.

Einfluss auf Theater und Film

Zwölf Jahre lang hatte Karasek neben Marcel Reich-Ranicki (1920-2013) die ZDF-Sendung "Das literarische Quartett" geprägt und war so einer breiten Öffentlichkeit bekanntgeworden. Über zwei Jahrzehnte hatte er beim Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" Einfluss auf das Bild von der Literatur sowie vom Theater und von der Filmkunst in Deutschland genommen.
 
Geboren wurde Hellmuth Karasek 1934 als eines von fünf Kindern im mährischen Brünn. Ende des Zweiten Weltkrieges floh die Familie vor der Roten Armee nach Bernburg/Saale in Sachsen-Anhalt.
 
Nach der Matura übersiedelte Karasek 1952 aus der damaligen DDR in die Bundesrepublik und studierte in Tübingen Germanistik, Geschichte und Anglistik: "Ich habe in zwei Diktaturen gelebt. Die erste habe ich gemocht und erst später gemerkt, dass das ein Schweineregime war. Die zweite habe ich von Anfang an gehasst", sagte er einmal.
 
Titelgeschichte über Marlene Dietrich
 
Karasek begann seine journalistische Karriere 1960 bei der "Stuttgarter Zeitung" als Redaktor und avancierte wenig später zum Feuilleton-Chef. Nach einigen Unterbrechungen wechselte er 1968 als Theaterkritiker und Feuilleton-Redakteur zur Wochenzeitung "Die Zeit" (bis 1974).
 
Danach begann seine "Spiegel"-Zeit: von 1974 bis 1991 leitete er das Kulturressort, 1996 kam es zum vorläufigen Bruch mit dem Magazin. Nach vierjähriger Pause schrieb Karasek im Jahr 2000 wieder ein Titelgeschichte für das Heft - über Filmdiva Marlene Dietrich.
 
Sein Romandebüt gab Karasek 1998 mit "Das Magazin" - über das intrigante Innenleben eines Hamburger Nachrichtenmagazins, was ihm viele übel nahmen. Bis 2004 war er Mitherausgeber des Berliner "Tagesspiegel". Neben zahlreichen Büchern ("Süsser Vogel Jugend", "Soll das ein Witz sein?") schrieb Karasek für Zeitungen wie "Die Welt" und das "Hamburger Abendblatt" - wo auch regelmässig seine Glossen erschienen.
 
Mit Grass verwechselt
 
Daneben arbeitete er als Dramaturg, Moderator, Biograf etwa des Filmemachers Billy Wilder oder unter dem Pseudonym Daniel Doppler als satirischer Theaterautor ("Die Wachtel"). "Das Fernsehen hat mein Leben am meisten verändert", sagte er über seine Zeit beim "Literarischen Quartett" einmal. Seitdem kannten die Menschen sein Gesicht, auch wenn sie ihn manchmal mit Literaturnobelpreisträger Günter Grass verwechselten, wie er berichtete. An diesem Freitag (2. Oktober) will das ZDF eine Neuauflage der Sendung starten.
 
Karasek selbst ging bis ins hohe Alter auf Lesereise und schrieb weiter. Erst 2013 waren wieder zwei Bücher ("Auf Reisen. Wie ich mir Deutschland erlesen habe", "Frauen sind auch nur Männer") von ihm erschienen. (sda/dpa)
 
 
Bild: Screenshot Ikea-Werbespot

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