Rund 150 Besucherinnen und Besucher fanden am vergangenen Mittwoch den Weg zum diesjährigen Communication Summit der ZPRG und des ZPV, welcher wiederum im Auditorium Maximum der ETH Zürich stattfand. Das provokativ formulierte Thema "Alles Image, oder was" sprach -- auch darin gab es eine Parallele zum Summit-Thema Qualitätszeitungen vom letzten Jahr -- viele Medienschaffende an. Schliesslich war der Referent des Abends selbst Starjournalist gewesen, bevor er unter die Berater ging. Alexander Niemetz, der langjährige Moderator und Redaktionsleiter des Heute-Journals des ZDF, hat unter anderem Angela Merkel als Bundeskanzlerkanditatin in der Fernsehdebatte mit dem damaligen Medienkanzler Gerhard Schröder beraten.
Niemetz kam gleich zur Sache, als er die These formulierte, in der heutigen globalisierten Welt sei Politik derart komplex geworden, dass Politik und Politiker ohne Beratung nicht auskommen würden. Gleichwohl sei Beratung ein schwieriges Geschäft: "Oft sind Berater nur Hofnarren der Politik. Ihre Gutachten verschwinden in Schubladen, ihre Ratschläge werden in den Wind geschlagen." Dabei brauche es gute Strippenzieher, denn viele Politiker würden ohne Beraterführung versagen. Wie weit der Einfluss von guten Beratern reicht, veranschaulichte Niemetz am Beispiel des Bush-Beraters Karl Grove oder des Beraters von Tony Blair, Peter Mandelson. Berater vom Format Groves oder Mandelsons würden von den Mächtigen nie fallen gelassen, "weil sie zu viel wissen". Wer sich allerdings als Berater wichtiger nimmt als seinen Auftraggeber, der lebt nach Ansicht des Referenten gefährlich, "denn Berater sind in der Regel Aussenseiter ohne Lobby". Gute Berater bleiben deshalb im Hintergrund.
Von Wegelagerern zu Königsmachern
Wie sehr sich das Verhältnis zwischen Politik und Medien in den letzten 50 Jahren verändert hat, veranschaulichte Niemetz anhand der deutschen Bundeskanzler seit Konrad Adenauer. Adenauer, der sich vom ehemaligen NZZ-Chefredaktor Fred Luchsinger beraten liess, hielt ansonsten bewusst Distanz zu den Medien. Bundeskanzler Helmut Schmidt sprach von den Medien gar als "Wegelagerern". Helmut Kohl gab in den 16 Jahren seiner Zeit im Bundeskanzleramt dem Magazin Spiegel kein einziges Interview. Man stelle sich das heute vor, warf Niemetz in die Runde. Bis zum "Medienkanzler" Gerhard Schröder sei es ein weiter Weg gewesen. Ihm wird der Satz zugeschrieben: "Mit Bild und Glotze kann man Deutschland regieren." Und in der Tat seien die Medien für Schröder die Königsmacher gewesen.
Der zu Beginn als Favorit für das Bundeskanzleramt gesetzte Oskar Lafontaine habe es mit den Medien gründlich verdorben, als er als saarländischer Ministerpräsident versuchte ihnen einen Maulkorb anzulegen. "Schröder hingegen wurde als einer der erfolglosesten Kanzler aller Zeiten von den Medien lange gestützt, weil er ein Künstler in Sachen Imagebildung war."Gerhard Schröders wie etwa auch Ronald Reagans Kunst sei es gewesen, die Medien "so zu beschäftigen", dass sie nicht dazu kamen, kritische Fragen zu stellen. Als die schlechten Wirtschaftszahlen nicht mehr überspielt werden konnten, habe sich Schröder Peter Hartz als Berater genommen und versucht mit dessen Reformvorschlägen seine Politik zu retten. Die Botschaft von Hartz IV wurde allerdings so schlecht kommuniziert, dass sie die Herzen der Menschen nicht erreicht hat. Selbst seinen Abgang wusste Schröder noch mediengerecht zu inszenieren, nur hatte er zu diesem Zeitpunkt die Loyalität der Medien verloren.
Keine politische Karriere ohne Hilfestellung
Zur Frage, was man mit Kommunikationsberatung bewirken kann (oder vielmehr könnte), bemühte der Referent aus Deutschland mit Schweizer Wurzeln einmal mehr den Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bank, Josef Ackermann. Dass man nicht im gleichen Zug zusammenhanglos ein Rekordergebnis und einen massiven Stellenabbau kommunizieren darf -- das hätte ein guter Berater Ackermann sagen können. Was sonst noch? Dass eine gute Botschaft immer eine kurze Botschaft ist. Wer in einem mündlichen Interview mehr als 40 Sekunden für eine Antwort braucht, redet sich um Kopf und Kragen, wusste Niemetz als langjähriger Befrager der deutschen Politprominenz. Und wer vor laufender Kamera auf seine Uhr schaue, vorwurfsvoll die Augen rolle oder die Mundwinkel herabziehe, sei weg vom Fenster.
Diese Fehler nicht zu begehen sei aber trainierbar, betonte Niemetz und verwies auf sein Medientraining mit Angela Merkel. Mit ihr übte er vor der Kamera Mimik, Gestik und Rhetorik, bis ihr Auftreten überzeugt habe. Alles in allem, befand Niemetz am Schluss seiner Ausführungen, sei eine politische Karriere ohne Hilfestellung des Fernsehens auch in der Schweiz nicht mehr denkbar -- ausgenommen für ein paar wenige Naturtalente.
Im folgenden Podiumsdiskussion sprach Moderator Reto Lipp mit der Zürcher Regierungsrätin Verena Diener, dem frisch von seinem Chefredaktorposten beim SonntagsBlick abgesetzten Christoph Grenacher, Kommunikationsberater Jörg Neef, Le Matin-Chefredaktor Peter Rothenbühler und Niemetz über den Einfluss der Presse und PRs auf das Image der Polit- und Wirtschaftselite.

Eine Bildergalerie zum Communication Summit finden Sie unter
https://www.persoenlich.com/galerie/i_galerie.cfm

