Herr Merki*, im Mai haben Sie einen Newsroom, respektive das «Contentboard» eingeführt. Wie hat es sich bewährt?
Die Basis ist gelegt, wir stehen im Betrieb, die Tools funktionieren. Das Contentboard enthält alle kommunikativen Aktivitäten. Die Unternehmens- wie auch Marketingkommunikation, die interne wie auch die externe Kommunikation, vom Branding bis zum Direct Mailing – und dies crossmedial in allen Instrumenten. Der Nutzen zeigte sich rasch: die agile Abstimmung der Themen und die aktuelle Übersicht aller Aktivitäten.
Welchen Arbeitsschritt hat das Tool für Sie als Leiter Marktkommunikation verändert?
Am meisten haben sich Entscheidungswege und Prozesse vereinfacht. Alle arbeiten mit einer einzigen Planung. Alle wissen von allem. Thematische Entscheide der Unternehmens- und Marktkommunikation fallen in zweiwöchentlichen Contentboard-Meetings mit den wichtigsten internen Themen-Ownern.
Können Sie mir ein Beispiel nennen?
Konkret gibt es zum Beispiel für alle Publishings keine Redaktionssitzungen mehr. Oder mein Infoaustausch mit dem Leiter Unternehmenskommunikation: Er dauert jetzt einen Espresso lang.
Womit machen Sie positive und womit negative Erfahrungen?
Unser Contentboard wird von etwa 40 Leuten gefüttert: aus der Unternehmens- und Marketingkommunikation, den Marketingabteilungen und dem HR. Entsprechend entfallen viele separate, eigenentwickelte Planungen, Listen und Gremien.
Das bringt wahrscheinlich nicht nur Freude.
Da mussten wir zu Beginn hier wie dort lieb gewonnene Gärtchen aufbrechen, damit alle auf das Gleiche einzahlen. Ein Change, der nie konfliktlos läuft. Als das Contentboard aber bei ganz PostFinance sichtbar wurde, gaben immer mehr Beteiligte ihre Listen preis und planen nun ausschliesslich damit.
Was sind die Vorteile für die PostFinance-Kunden?
Wir können vor allem unserem Anspruch nach Einfachheit für Kunden besser gerecht werden. Sie bekommen so möglichst nur die für sie relevanten Themen kommuniziert. Oder finden diese gar selbstständig. Sie erleben keine Überraschungen bezüglich unserer Haltung und unserem Angebot. Und sie bekommen weniger, oder möglichst keine, für sie nicht relevanten Infos.
Warum wurde kein eigentlicher Newsroom eingerichtet, wie zum Beispiel bei Axa Winterthur?
Einen «room» haben wir auch. Er sieht sogar ziemlich ähnlich aus: Drei Screens, ein Tisch, Barhocker – aber offen gestaltet. Ein weiterer Unterschied ist, dass wir von Anfang an den Anspruch hatten, alle Themen, Kanäle und Botschaften der Unternehmens- wie auch Marketingkommunikation darüber zu steuern. Und immer auch eine topaktuelle Outside-in-Perspektive zu haben. Deshalb heissen bei uns sowohl der physische Ort als auch die Tools eben «Contentboard» statt «Newsroom».
Wie nutzen Sie das Tool von Sentifi für Influence Marketing?
PostFinance ist eine der digitalsten Schweizer Banken. Sentifi hat uns darum auf dem rechten Screen des Contentboards einige Widgets programmiert. Sie zeigen übersichtlich und topaktuell die Resonanz des Outputs unserer Planung (linker Screen oben) auf allen digitalen Channels. Damit lernen wir agil, können reagieren, Themen fokussieren oder bewusst trennen. Und Ideen der Influencer, aber auch von ganz normal chattenden Kunden, Bloggern, Twitterern, Postern auf- und laufend mitnehmen.
Welche Themen hat PostFinance für das Content Marketing bestimmt?
Wenn ich grad aufs Contentboard schaue, sehe ich oben unsere Schlüsselthemen aus der Strategie: Digitales Banking, das Anlagegeschäft, klassischer und mobiler Zahlungsverkehr sowie die Wertschöpfung bei Geschäftskunden. Zudem unterhalb die rund 20 weiteren Themen, bei denen es in spezifischere Themen geht, die für bestimmte Zielgruppen relevant sind.
*Silvan Merki (s. Bild oben) ist bei der PostFinance Leiter Marktkommunikation. Beim Content-Management-Projekt war er von Beginn an dabei. Er beantwortete die Fragen schriftlich.
Newsrooms für Kommunikationsunternehmen liegen im Trend. Eines der ersten Unternehmen in der Schweiz mit einem Corporate Newsroom war die Axa Winterthur (persoenlich.com berichtete). Nun setzt auch die PostFinance auf das Content-Management. Die Tochtergesellschaft der Schweizerischen Post nennt den physischen Ort sowie die Tools «Contentboard».
Nachtrag vom Dienstagnachmittag: Kaum war dieser persoenlich.com-Beitrag publiziert, erschien er auch schon auf dem Contentboard der PostFinance (s. rechts):



