Marco Krämer, was gibt es Ihnen, Menschen zu unterhalten?
Die Unterhaltung ist meine Leidenschaft. Seit Jahren. Ich liebe es, Inhalte zu erschaffen und Shows zu produzieren, die beim Publikum etwas auslösen und dafür sorgen, dass man für einen Abend all das vergessen kann, was einem im Alltag Sorgen bereitet.
Sie haben mit Nicole Simmen und Myriam von Necker die Showhow GmbH gegründet (persoenlich.com berichtete). Was genau bieten Sie an – und warum jetzt?
Vereinfacht gesagt: Wir wollen überall dort, wo es eine Bühne und Publikum gibt, für beste Unterhaltung sorgen. Egal, ob für TV-Sender oder für Unternehmen. Wir glauben, dass wir in der Eventbranche eine wertvolle Ergänzung darstellen können, weil wir drei gemeinsam über 50 Jahre Fernseherfahrung im Bereich Show mitbringen. Unser langjähriges «Show-how» bieten wir in einer Zeit an, in der das Live-Erlebnis immer wichtiger wird.
«Die Idee hatte ich schon länger»
Wie werden Sie sich aufteilen – sprich: Wer macht was?
Nicole ist unsere Königin der Worte. Sie schreibt Moderationsbücher, Reden oder coacht Unternehmen in Sachen Storytelling und Texten. Myriam sorgt für einen reibungslosen Ablauf bei den Proben und der Show, sie kümmert sich um die visuelle Umsetzung und um den Live-Schnitt. Ich halte als Executive Producer alle Fäden in der Hand, buche und begleite Acts und Hosts, verantworte Einspielfilme, Musikeinsätze oder LED-Inhalte und gestalte die komplette Dramaturgie.
Nach insgesamt 20 Jahren bei SRF verlassen Sie den Service public für die Selbstständigkeit. Was war der ausschlaggebende Moment für diesen Schritt?
Die Idee hatte ich schon länger – und die Lust dazu sowieso. Ich glaube, der Eurovision Song Contest (ESC) in Basel hat den Ausschlag gegeben. Weil ich dort als Show Producer gemerkt habe, wie viel Show-Leidenschaft noch in mir steckt. Bei SRF hatte ich eine super Zeit, aber ich wusste auch, dass das Feuer in mir zu erlöschen droht, wenn ich den Schritt jetzt nicht wage.
Der ESC 2025 in Basel gilt als Erfolg. Was genau haben Sie als Senior Show Producer zum inhaltlichen Ablauf beigetragen – und was lässt sich davon auf ein Firmenevent übertragen?
Niemand hat allein für etwas gesorgt. Nicole, Myriam und ich haben uns zusammen mit einem grossartigen Team um die Dramaturgie der drei Sendungen, die Einspielfilme, das Voting und um die Moderationsinhalte von Hazel Brugger, Sandra Studer und Michelle Hunziker gekümmert. Als Learning für Firmenevents nehmen wir unter anderem mit, dass es sich am Ende immer lohnt, mutig zu sein und etwas zu wagen. Anders zu sein als andere Events und sich immer wieder selbst zu challengen. Sein Publikum zu überraschen, es zum Lachen zu bringen und im Herzen zu berühren. Wir nehmen aber auch die Erfahrung mit, dass Proben zeitlich und inhaltlich sehr präzise vorbereitet sein müssen: Von den Moderationstexten bis zu den Aktionen in der Halle. Wir konnten beim ESC nichts dem Zufall überlassen. Das gelingt nur, wenn alle Gewerke Hand in Hand arbeiten, man sich stetig austauscht und alle konsequent auf dem neuesten Stand sind. Der ESC in Basel war perfektes Teamwork und auch darum so erfolgreich.
Sie haben jahrelang ein Millionenpublikum vor dem Fernseher unterhalten. Jetzt wollen Sie 200 Gäste an einer Firmenfeier begeistern. Ist das ein Abstieg oder die grössere Herausforderung?
Glauben Sie mir: Am Ende ist das egal. Ich habe auch beim ESC irgendwann nicht mehr daran gedacht, wie viele Menschen zuschauen werden. Du musst jede Person einzeln erreichen und bewegen. Vor dem TV-Gerät oder in einer Event-Location. Für meine Motivation macht es keinen Unterschied, ob 200 oder 200 Millionen zuschauen.
«Es darf nicht passieren, dass die Leute wegzappen»
Sie sprechen in einer Mitteilung von «Luft nach oben» bei Firmenevents. Welche konkreten Fehler beobachten Sie am häufigsten bei Corporate Events in der Schweiz?
Wenn man eine TV-Show produziert, hat man nur ein Ziel: Es darf nicht passieren, dass die Leute wegzappen. Wenn man das schafft, ist die Sendung erfolgreich. Bei Corporate Events kann man nicht umschalten beziehungsweise einfach rauslaufen. Dort spürt man stattdessen eine Unruhe im Saal. Handys werden ausgepackt oder man tuschelt leise. Der Grund: Es hat Lücken in der Dramaturgie, es gibt tote Momente, in denen nichts passiert, ein Act oder die Moderation ist falsch besetzt oder Talks und Reden dauern viel zu lang. Es braucht teilweise gar nicht viel, um das zu verbessern. Aber man muss wissen, an welchen Details man arbeiten muss.
Ihr Zielpublikum sind Unternehmen und Eventveranstalter. Haben Sie bereits erste Kunden – oder ist die Showhow GmbH noch auf Akquise-Tour?
Nicole und Myriam bringen ihren bestehenden Kundenstamm bereits ins Unternehmen mit, wir sind aber natürlich noch im Aufbau. Wir spüren ein grosses Interesse daran, die Expertise aus der Welt der TV-Shows auch in die Live-Kommunikation einzubringen. Dazu sind wir mit Eventagenturen und grösseren Unternehmen im Austausch.
Sie positionieren sich als Unterhalter für Corporate Events, haben aber auch TV- und Streaming-Shows im Portfolio. Was ist die Haupteinnahmequelle – wohin soll die Reise gehen?
Wir kommen aus der TV-Welt und realisieren seit vielen Jahren grosse Shows. Hier müssen wir niemandem mehr erklären, was wir können. Das wird also auch weiterhin unser Steckenpferd bleiben. Zudem bleiben Nicole als Produzentin der SRF-Show «Happy Day» und Myriam als Regisseurin in Teilzeit dem SRF treu. Aber das Feld der Corporate Events ist als Firma unsere Zukunft. Da wollen wir hin.
«Wir sehen uns als Ergänzung zu bestehenden Agenturen»
Hand aufs Herz: Ist der Markt für Event-Unterhaltung nicht bereits übersättigt? Was unterscheidet Sie von etablierten Eventagenturen?
Wir haben einen anderen Ansatz. Wir fokussieren uns nicht auf eine schöne Location, auf die Gästeliste oder darauf, wie das Catering schmeckt. Wir kümmern uns um die präsentierten Inhalte, transportieren die Botschaft der Marke im Rahmen der Show und kreieren den roten Faden, der sich durch den Event zieht. Wir sehen uns als Ergänzung zu bestehenden Agenturen und bieten unser «Show-how» auch beratend an.
Sie operieren in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Warum dieser DACH-Fokus? Ist die Schweiz zu kleinräumig?
Wir haben durch unsere Tätigkeiten in den vergangenen Jahren auch in Deutschland und Österreich ein gutes Netzwerk aufgebaut und uns einen Namen gemacht. Das möchten wir nutzen.
Wird die Showhow GmbH auch wieder für SRF arbeiten – oder haben Sie dem Sender definitiv den Rücken gekehrt?
Wir bleiben SRF sehr verbunden, weil man dort meinen Weggang versteht und Nicole und Myriam weiterhin in Teilzeit für SRF arbeiten. Daher stehen wir einer Zusammenarbeit mit SRF jederzeit offen gegenüber.
Mal ehrlich: Wie viel «Show» braucht ein Event wirklich – und wann wird es zu viel?
Show ist jeder Moment, mit dem man das Zielpublikum emotional erreichen und bewegen kann. Das kann ganz leise sein, unaufgeregt mit Worten oder mit einer Portion Grössenwahn, wie es beim ESC der Fall war. Am Ende zählt, dass man als Gast persönlich etwas erlebt, das in Erinnerung bleibt. Erlebnisse, die jene Nähe und Verbindung schaffen, die keine KI erstellen kann. Und davon kann es nie zu viel geben.


