Das Jahr 2006 hat sich für die im BPRA vertretenen Agenturen erneut als Wachstumsjahr erwiesen. Das zeigt die am Freitag veröffentlichte Marktstatistik des Verbands. Die 19 erfassten Agenturen verzeichnen einen Zuwachs des Nettohonorarvolumens um 8.6 Prozent auf 61.7 Mio. Franken, die von 275 Mitarbeitern erwirtschaftet wurden. Auch der Pro-Kopf-Ertrag und damit die Produktivität konnte um 6 Prozent auf knapp 225'000 Franken gesteigert werden. Die fünf grössten Agenturen tragen 65 Prozent zum gesamten Honorarvolumen des BPRA bei.
Durchzogene Bilanz
Farner Consulting liegt mit 12.7 Mio. weiterhin an der Spitze und konnte 2006 um 13.4 Prozent zulegen. Den zweit- und drittplazierten Burson-Marsteller und Trimedia war es aufgrund der Sarbanes-Oxley Act untersagt, ihre Honorarerträge öffentlich zu machen. Sie meldeten ihre attestierten Daten vertraulich der Revisionsstelle des BPRA. An vierter Stelle rangiert die St. Galler freicom mit 5.1 Mio vor cR Kommunikation mit 4.3 Mio. Letztere steigerte ihren Nettohonorarertrag um 20 Prozent.
Zwar konnten die 19 Agenturen insgesamt um über 8 Prozent wachsen. Dennoch konnte längst nicht jeder einen Aufschwung verzeichnen. Sechs der 19 Agenturen (die 20ste im Bunde, Peter Bütikofer & Company, meldete erst gar keine Zahlen), mussten Einbussen hinnehmen. Negativer Spitzenreiter ist die Berner Agentur Repubblica mit einem Minus von 10 Prozent, gefolgt von apr mit einem Verlust von 9.3 Prozent.
254 PR-Dienstleister in der Schweiz
Erstmals erhob der BPRA auch die Zahlen für den heimischen Gesamtmarkt. 235 Agenturen ausserhalb des Verbandes wurden gebeten, ihre Zahlen an die BPRA-Treuhandstelle zu melden. Jeder dritte Anbieter beteiligte sich an der Erhebung, was laut BPRA eine verlässliche Ermittlung der Gesamtvolumens ermöglichte: die insgesamt 254 PR-Dienstleister erzielen jährlich ein Nettohonorarvolumen von 200 Mio. Franken. Davon erarbeiteten Agenturen mit mindestens fünf Beschäftigten 91 Mio., was einem Anteil am Gesamtmarkt von 46 Prozent gleichkommt. Das bedeutet gleichzeitig, dass über die Hälfte des Gesamtumsatzes von Kleinstagenturen und Einzelmasken erwirtschaftet wird.
Agenturen stellen sich schnell auf Kundenbedürfnisse ein
BPRA Präsident Peter Knobel führt die positive Entwicklung der Branche "auf die Fähigkeit der Agenturen, sich rasch auf die sich verändernden Kundenbedürfnisse einzustellen zurück. Gefragt seien zunehmend Spezialwissen, strategische Kommunikationsberatung und Kompetenzen im Umgang mit Reputationsrisiken. Die meisten Agenturen würden laut Knobel eine zunehmende Nachfrage seitens der Life Sciences-Branche, der Energiewirtschaft, der Finanzdienstleister sowie der Konsumgüterindustrie und aus dem Immobiliensektor erfahren. Dabei stehe Marketingkommunikation, Imagepflege und Strategieberatung ganz oben auf den Wunschzetteln der Kunden.
Was der Branche weiterhin auf dem Magen liegt, ist die Personalsituation. So sei ein Überangebot an Fachhochschulabgänger zu verzeichnen, die das Geschäft in der Theorie zwar gut kennen würden, aber nicht sofort als Berater einsetzbar seien. Gleichzeitig bestehe ein Mangel an erfahrenen PR-Allroundern. BPRA Präsident Knobel ortet ein weiteres Problem. Seiner Erfahrung nach werde es immer schwieriger, Mitarbeiter mit hoher sozialer Kompetenz zu finden, welche für einen Berater unabdingbar sei.
BPRA setzt auf Qualitätsnachweis
Die im Verband zusammengeschlossenen Agenturen wollen sich vor allem beim Qualitätsnachweis von der Masse der hiesigen Agenturen absetzen. So ist das klare Ziel des BPRA, dass bis Ende 2007 alle 20 Mitglieder über ein CMS II Zertifikat verfügen sollen. CMS II (Consultancy Management Standard) gilt als der höchste internationale Qualitätsstandard in der PR-Branche. Bis dato haben 12 BPRA-Agenturen das Zertifikat erhalten.
Ob die Zertifizierung allen PR-Agenturen zum Vorteil gereicht, darf zumindest bezweifelt werden. Die Erbringung des Qualitätsnachweis ist gerade für kleinere Agenturen finanziell und zeitlich kaum zu bewältigen. Dort will der Verband ansetzen und so neue Mitglieder anwerben: Der BPRA unterstütze die Agenturen auf ihrem Weg zum Zertifikat und biete das entsprechende Know-How. Laut Präsident Knobel gäbe es am Schweizer Markt noch 9-12 Agenturen, die sich für den BPRA qualifizieren würden, aber noch nicht Mitglied sind.
Für 2007 rechnet der Verband mit einem weiteren Wachstum. Ob die anhaltend positive Entwicklung in den heimischen PR-Agentur auch für mehr Beschäftigung sorgt, ist fraglich. 2006 nahm die Zahl der Mitarbeiter um einen mageren Prozent zu.

