Was ist geplant?
Aus den zehn Regionalgenossenschaften und dem MGB soll eine schweizweite Gruppengenossenschaft entstehen. Sie bildet künftig das Dach über sieben eigenständig operierende Geschäftseinheiten, darunter Denner, Digitec Galaxus und die Migros Bank. Das Supermarktgeschäft soll schweizweit aus einer Hand geführt werden. Die Migros will damit Doppelspurigkeiten abbauen, schneller entscheiden und gezielter investieren. «Für die Herausforderungen der Zukunft sind sie zu komplex geworden», sagte Migros-Chef Mario Irminger über die bisherigen Strukturen am Montag vor den Medien in Bern.
Was sagen die Genossenschaften dazu?
Die zehn regionalen Migros-Verwaltungen unterstützen die Fusion wegen der erhofften Effizienzgewinne und höheren Schlagkraft im Wettbewerb. Bei den Beschlüssen in allen elf Verwaltungen gab es laut Migros insgesamt nur eine Gegenstimme und vier Enthaltungen. «Der Wettbewerb ist hart», sagte der Basler Migros-Präsident Miguel Serrano mit Blick auf den Einkaufstourismus nach Deutschland und Frankreich. Ein schweizweit einheitlich geführtes Supermarktgeschäft mache die Migros zukunftsfähiger.
Verlieren die Regionen ihren Einfluss?
Die Regionalgenossenschaften verlieren ihre bisherige Eigenständigkeit. Ihre Interessen sollen künftig sechs Regionalräte vertreten, die auch die Delegierten für die nationale Delegiertenversammlung wählen. Die genauen Kompetenzen sind noch offen. Migros-Präsidentin Ursula Nold verspricht aber, dass die regionale Mitsprache erhalten bleibt. «Regionalität entsteht nicht durch Strukturen», sagte sie allerdings auch. Entscheidend sei vielmehr die Nähe zu Kunden, Produzenten und Mitarbeitenden.
Warum gehen die Chefs?
Migros-Chef Mario Irminger und Peter Diethelm, Chef der Migros Supermarkt AG, treten nach der Urabstimmung Mitte 2027 zurück. Beide werden dann 62 Jahre alt sein. Der Aufbau der neuen Organisation werde mehrere Jahre dauern und solle von neuen Führungskräften begleitet werden, hiess es von der Migros. «Peter und ich werden uns bis zur Urabstimmung mit unserer ganzen Überzeugungskraft dafür einsetzen», versprach Irminger. Die Suche nach Nachfolgern läuft. Die Migros will sie Anfang 2027 präsentieren. Diethelm soll den Umbau bis Ende 2028 noch in unterstützender Funktion begleiten.
Wie geht es jetzt weiter?
In den kommenden Monaten werden die Einzelheiten der neuen Organisation ausgearbeitet. Arbeitsgruppen sollen den Umbau vorbereiten und die Mitarbeitenden einbeziehen. Die zuständigen Genossenschaftsorgane werden gemäss Statuten eingebunden. Gleichzeitig wollen die Verantwortlichen die Mitglieder von den Vorteilen der Fusion überzeugen. Die Urabstimmung ist für Mitte 2027 vorgesehen. Erst danach soll die mehrjährige Umsetzung beginnen. Einen genauen Abschlusszeitpunkt nennt die Migros noch nicht.
Wie laufen die Abstimmungen?
In jeder der zehn Regionalgenossenschaften braucht es eine Zweidrittelmehrheit der Genossenschafter. Zudem müssen sich jeweils mindestens 25 Prozent der Stimmberechtigten beteiligen. Eine gesamtschweizerische Mehrheit allein reicht also nicht. Auch die Delegiertenversammlung des MGB muss dem Vorhaben zustimmen. Zuvor befassen sich die regionalen Genossenschaftsräte damit. Die Migros-Führung muss damit zehn regionale Mehrheiten für ihre Pläne gewinnen.
Was passiert bei einem Nein einer Genossenschaft?
Scheitert die Fusion in einer Region an der erforderlichen Beteiligung oder Zweidrittelmehrheit, will die Migros die Abstimmung dort innerhalb nützlicher Frist wiederholen. Bleibt es bei einem Nein, müsse die neue Ausgangslage analysiert und nach Lösungen gesucht werden, sagte Nold an der Medienkonferenz. Einen konkreten Plan B legte die Führung nicht vor. Klar ist: Ohne die notwendigen Zustimmungen lässt sich die Fusion sämtlicher Genossenschaften nicht wie vorgesehen umsetzen.
Was bedeutet das für das Personal?
Die Migros war 2025 mit knapp 91'700 Mitarbeitenden die grösste private Arbeitgeberin der Schweiz. Vom Reformprojekt betroffen sind vor allem Verwaltung und Management der Regionalgenossenschaften sowie des MGB. Dort sollen Doppelspurigkeiten über mehrere Jahre abgebaut werden. Wie viele Stellen dadurch wegfallen könnten, sagten die Verantwortlichen vorerst nicht. Die SonntagsZeitung berichtete von einem geschätzten Einsparpotenzial von jährlich 300 bis 400 Millionen Franken. Damit könnten rund 3000 Stellen wegfallen. «Das Ziel dieser Gruppengenossenschaft ist nicht, Stellen abzubauen», betonte Nold. Die Migros will möglichst interne Lösungen finden und die natürliche Fluktuation nutzen. Bis mindestens Mitte 2028 garantiert sie in den Regionalgenossenschaften den Verzicht auf organisationsbedingte Entlassungen. Filialpersonal und Tochterunternehmen seien vom Umbau nicht betroffen.
Was ändert sich für die Kunden?
In den Läden soll zunächst alles beim Alten bleiben: Filialen, Personal und Sortiment bleiben erhalten. Auch regionale Produkte und das Label «Aus der Region. Für die Region» sollen bestehen bleiben. Langfristig verspricht die Migros günstigere und bessere Angebote, schnellere Innovationen sowie die raschere Eröffnung neuer Filialen. Wie stark die Preise dank der Fusion sinken könnten, ist allerdings noch offen. Konkrete Einsparungen oder Preisvorteile nennt die Führung bisher nicht.
Von Thomas Oswald und Leah Süss, AWP

