Herr Hartmeier, Sie sind seit Sommer 2010 Leiter Unternehmenskommunikation UBS Schweiz. Was haben Sie erreicht?
Ich alleine habe nichts erreicht. Aber ich habe gelernt, wie die weltweite UBS-Unternehmenskommunikation mit den verschiedenen Business- und Kommunikationsbereichen zusammenspielt: Kommunikationserfolge werden immer gemeinsam erzielt. Darin involviert sind unser Chief Communication Officer, Michael Willi, wie auch der CEO UBS Schweiz, Lukas Gähwiler, und verschiedene, für spezielle Kommunikationsaufgaben zuständige Teams. Wenn ich auf meine Arbeit blicke, kann ich sagen: Dank meinen Beziehungen zu Medien, Politik, Wirtschaft und Kultur habe ich vielleicht die eine oder andere Türe öffnen können. Zudem ist meine Liebe zur geschriebenen und gesprochenen Sprache sicher hilfreich.
Welche Türen konnten Sie öffnen?
Es gibt immer wieder Ausnahmesituationen, wie etwa der Rücktritt von Oswald Grübel im September 2011 als Sergio Ermotti neu an die Konzernspitze kam. In solchen Momenten ist es wichtig, mit Verlegern, Chefredaktoren und berichterstattenden Journalisten Hintergrundgespräche zu führen wie auch mit Exponenten der Wirtschaft und der Politik, die einem ansprechen. Selbstverständlich bin ich nun aufgrund meiner Funktion Interessensvertreter der UBS. Aber gerade diese klare Positionierung wird von den Gesprächspartnern geschätzt. Aufgrund persönlicher Beziehung besteht ein Vertrauensverhältnis gerade auch dann, wenn man unterschiedliche Auffassungen hat.
Hintergrundgespräche und persönliche Beziehung: Das tönt nach Manipulation.
Nein, dahinter steht klar keine manipulative Absicht schon deshalb nicht, weil man Menschen nie unterschätzen darf. Es geht darum, den Journalisten, die über einen Sachverhalt berichten, Argumente zu liefern, damit sie erklären können, warum die UBS ihre Entschiede so und nicht anders fällt. Wichtig sind persönliche Beziehung zu den Journalisten aber auch zu allen anderen Exponenten aus Politik und Wirtschaft: So entsteht eine Atmosphäre, in der man ruhig erklären und argumentieren kann. Selbstverständlich ziehen die Journalisten dann ihre eigenen Schlüsse, manchmal auch gegen die UBS
Sind Sie manchmal überrascht von Ihren Ex-Journalisten-Kollegen?
Ja sicher! (lacht)
Warum?
Ich will es so sagen: Ich hoffe, dass es in Zukunft auch im Journalismus genügend Persönlichkeiten mit Fachkompetenz gibt; nur dann haben kritische Urteile Bestand über den Tag hinaus. Wir brauchen auch in Zukunft in der Schweiz hervorragend ausgebildete Journalisten, die Zeit zum Recherchieren haben. Als politischer Bürger und als Mitarbeiter einer global tätigen Bank liegt mir der Journalismus am Herzen: Wir brauchen kritische Medien in einer freien Gesellschaft. Und wir brauchen Medien, welche die Globalisierung und die Stellung der Schweiz in der Welt kennen.
Qualitätsjournalismus liegt Ihnen am Herzen, sagen Sie. Was tun Sie dafür?
Ich versuche ein guter Kommunikationschef zu sein und damit ein fairer Partnern für alle Medienschaffenden. Zudem versuche ich Verständnis für die Medien innerhalb der Bank zu schaffen. Doch das ist alles.
Sie zahlen wenigstens für ein Zeitungsabo, nehme ich an.
(lacht). Ja logisch, das tue ich!

Peter Hartmeier erklärt der "Tagesschau" die Entscheidungen der UBS.
Sie waren als Chefredaktor beim "Tages-Anzeiger", dann als Verleger und Chefredaktor bei der "Thurgauer Zeitung" sehr autonom. Nun müssen Sie rapportieren und Zeit erfassen, denn Sie sind einem Chef untergeordnet.
Ja genau, das stimmt. Zudem bin ich nicht nur einem einzigen, sondern sogar mehreren Chefs untergeordnet (lacht)! Man muss sich unterordnen und zurücknehmen können, wenn man diese Funktion ausübt. Man ist immer nur ein Teil der gesamten Hierarchie.
Wenn Sie auf Ihre Karriere zurückblicken: Wo hatten Sie am meisten Einfluss?
Ich habe mir dies noch nie überlegt. Doch ich weiss: Dieser Job bei der UBS ist ein Privileg. Ich habe gelernt, wie ein global tätiges Unternehmen funktioniert und durch UBS habe ich ganz neue Erfahrungen und Erkenntnisse gewonnen. Ersetzt man das Wort "Einfluss" mit dem Begriff "Beachtung" ist klar, dass ich beim "Tages-Anzeiger" weit mehr in der Öffentlichkeit stand. Jetzt bin ich mehr im Hintergrund tätig zugunsten einer Organisation.
Könnten Sie sich den Wechsel zurück in den Journalismus vorstellen?
Selbstverständlich kann ich mir vorstellen, wiederum im Journalismus zu arbeiten. Ehrlicherweise muss ich aber sagen, dass mir die Aufgabe bei UBS neue Perspektiven eröffnet hat. Durch die UBS ist meine Welt sehr gross geworden. Ich habe eigentlich erst in den letzten zwei Jahren wirklich begriffen, was Globalisierung für die Schweiz wirklich bedeutet. Dank UBS und den vielen inspirierenden Kollegen und Kolleginnen stehen viele Möglichkeiten offen.
Neben der Medienarbeit sind Sie für die Interne Kommunikation von UBS Schweiz verantwortlich. Welches Projekt beschäftigt Sie momentan besonders?
Wie entscheidend interne Kommunikation ist, habe ich mir vor zwei Jahren gar nicht vorstellen können. UBS gewichtet aber die Interne Kommunikation richtigerweise sehr stark. In den letzten Monaten waren das Konzept und die erste Ausgabe des neuen Mitarbeitermagazins "We." ein grosses Thema. Unser Mitarbeitermagazin wurde 2008 aufgrund der Sparmassnahmen abgestellt, nun erscheint es wieder (persoenlich.com berichtete).
UBS wird Stellen abbauen. Inwiefern ist hier die Interne Kommunikation speziell gefordert?
Aus den bekannten Gründen ist das Geschäft in der Finanzindustrie härter geworden. Es ist auch bekannt, dass daher Sparmassnahmen getroffen werden müssen. Was die Mitarbeiter aber noch viel stärker verunsicherte, sind die dauernden Angriffe auf die Finanzbranche an sich und die UBS im Besonderen. Deshalb freuen wir uns natürlich, dass wir als UBS selbst in diesem schwierigen Umfeld Schritt für Schritt die Reputation wieder zurück gewinnen konnten. In der Schweiz weiss man wieder, wofür die UBS steht: Die UBS ist eine der weltweit am besten kapitalisierten Banken. Und gleichzeitig ist sie mit 300 frisch renovierten Geschäftsstellen mitten in der Schweiz für ihre Privat- und Geschäftskunden da. Für UBS ist der Heimmarkt enorm wichtig, und sie ist eine weltweit tätige Bank also typisch für unser Land. Und die Leute wissen: Die UBS wird dieses Jahr ihr 150-Jahre-Jubiläum feiern
So rosig ist das Bild nicht. Momentan dominieren Negativ-Schlagzeilen: umstrittene Datenlieferungen von Ex-UBS-Kunden, Libor-Absprachen, Verluste im Investmentbanking, überrissene Löhne oder inhaftierte Bankangestellte in den USA.
Klar, als UBS-Mitarbeiter arbeitet man in einer umstrittenen Branche, die Risiken beinhaltet und die argumentieren muss, warum es sie überhaupt gibt. Dies ist aber auch spannend. Gerade diese Herausforderung reizt mich. Es ist extrem spannend, bei einer Bank zu arbeiten, die eine so grosse Bedeutung hat für die gesamte Volkswirtschaft der Schweiz.
Sind Sie bedingungslos überzeugt vom Geschäftsmodell der UBS?
Bereits als Journalist war ich überzeugt: Erfolgreiche Banken, die sich an die Gesetze halten, sind für die Konkurrenzfähigkeit und den Wohlstand unseres Landes von entscheidender Bedeutung. Das habe ich immer wieder geschrieben. Das ist für niemanden etwas Neues. Was immer die UBS früher gemacht hat viel wichtiger ist heute, dass unsere Volkswirtschaft auch vom Finanzplatz abhängig ist. Deshalb müssen wir ihn zugunsten der nachwachsenden Generation erhalten, anpassen und weiterentwickeln, auch in dieser schwierigen Phase. Dabei mitzuhelfen, dass die Akzeptanz des Finanzplatzes in meinem eigenen Land weiterhin besteht, das scheint mir eine extrem sinnvolle Aufgabe zu sein. Gerade auch darum, weil dies eine umstrittene Aufgabe ist. Mich freuen auch Episoden wie folgende: Früher wurde ich im Tram und S-Bahn auf meine Auftritte im "SonnTalk" oder einen Kommentar im Tagi angesprochen heute auf einen Entscheid der UBS.
Interview: Edith Hollenstein

