Das Interesse an einer Ausbildung und anschliessender Karriere im PR-Bereich ist gross. Das Schweizerische Public Relations Institut (SPRI) bildet jährlich 120 angehende PR-Fachleute (ehemals PR-Assistenten) aus. Die Zürcher Hochschule Winterthur verzeichnet für den Vollzeit-Studiengang am Institut für Angewandte Medienwissenschaften (IAM) jährlich 800 bis 900 Interessenten.
Davon werden 200 bis 300 zu einem Assessment eingeladen und 100 bis 150 Studenten werden schliesslich zugelassen. 80 davon schaffen dann den Abschluss des Studiums. Prof. Dr. Daniel Perrin, Leiter des IAM, hebt im Gespräch mit "persönlich.com" hervor, dass laut internem Absolventen-Tracking rund 96 Prozent der Diplomanden eine Stelle in ihrem Berufsfeld finden würden.
Laut Schweizerischer Public Relations Gesellschaft (SPRG) legen jedes Jahr ca.150 Personen die Prüfung zur PR-Fachfrau bzw. PR-Fachmann mit eidgenössischem Fachausweis ab, 80 Prozent davon schaffen den Abschluss. Bei den PR-Beratern werden im Durchschnitt 30 Diplome pro Jahr vergeben.
"PR-Leute mit eidgenössischem Fachausweis sind sehr gut in der Praxis einsetzbar", so Mireille E. Saucy, Präsidentin des SPRG. Wer einen Abschluss als eidg. PR-Fachfrau/Fachmann erwerben möchte, müsse mindestens zwei Jahre Berufserfahrung in der Kommunikation oder einem verwandten Berufsfeld vorweisen können. Für die Zulassung zur Prüfung zum PR-Berater müssen gar vier Jahre Anstellung auf Mandatsleitungsbasis vorgewiesen werden.
Erfahrung und Ansprüche stimmen nicht immer überein
Anders verhalte es sich mit den Fachhochschul-Absolventen. Laut Saucy würden diese zwar über ein sehr gutes theoretisches Wissen verfügen, doch fehle es ihnen an der notwendigen Praxis und sie wüssten meist schlicht nicht, "wie ein Büro funktioniert". Gleichzeitig bestünde eine Diskrepanz zwischen mangelnder Erfahrung einerseits und hohen Ansprüchen andererseits.
So streben gemäss Saucy viele Absolventen direkt eine Anstellung als Junior-Berater an. Allerdings machen Ihnen oft die Agenturchefs einen Strich durch die Rechnung: sie erwarten von einem Berater-Aspiranten meist einige Jahre Erfahrung in der Assistenz.
Daniel Perrin hält dagegen. Zwar gibt er zu, dass die Absolventen der Fachhochschule über weniger Praxis-Erfahrung als die PR-Fachleute mit eidg. Fachausweis verfügen würden. Trotzdem betont er gegenüber "persönlich.com": "Wir geben den Studenten das geistige Rüstzeug mit, um sich die Abläufe in der Praxis innerhalb kürzester Zeit aneignen zu können.
Es fehlt an Generalisten
Über mangelnde Bewerber können sich die PR- Agenturen denn auch nicht beklagen. Doch bekanntlich macht es nicht die Masse aus. "Einerseits zieht unsere Agentur mit Mandaten aus den Bereichen Lifestyle, Fashion, Beauty und Design viele Bewerberinnen und Bewerber an. Anderseits ist es schwierig, Leute zu finden, die sich neben konzeptionellem Arbeiten auch durch Kreativität in der Umsetzung von PR-Massnahmen und durch gute Schreibe auszeichnen" so Maja Amrein, Managing Partner und HR-Verantwortliche der Zürcher Agentur Flowcube Communications.
Madeleine Koller, Personal-Verantwortliche von Burson Marsteller, zur Frage, ob es schwierig sei, geeignetes Personal für die Agentur zu finden: "Es kommt auf die Stufe und das Stellenprofil an. Sehr spezifische Jobprofile (z.B. im Healthcare-Bereich) sind schwierig zu finden. Man merkt auch, dass der Arbeitsmarkt wieder 'angezogen' hat und auf Ausschreibungen generell weniger Bewerbungsdossiers eintreffen."
Zum Thema Ausbildung meint Koller weiter: "Das Aus- und Weiterbildungsangebot schätzen wir als gut ein, vor allem die Lehrgänge am SPRI (PR-Fachfrau und PR-Berater etc.) sind nach wie vor gut und anspruchsvoll. Personen, die diese Lehrgänge besuchen, müssen entsprechende Praxis ausweisen. Natürlich kommen mittlerweilen zahlreiche Bewerbungen vor allem für Praktika aus den Kommunikations-Hochschullehrgängen (z.B. Hochschule Winterthur), die aber eher für Einstiegspositionen geeignet sind.
Peter Knobel, Präsident des Bundes der Public Relations Agenturen der Schweiz (BPRA), ortet indes ein weiteres Problem. "Es fehlt der PR-Branche an Generalisten, so Knobel gegenüber "persönlich.com". Sehr früh würde eine Spezialisierung der PR-Schaffenden einsetzen, sei es nun im Bereich Finance, IT, Pharma oder anderer Branchen. Diese spezialisierten Arbeitnehmer seien aber widerum nur in grossen Agenturen mit entsprechenden Units einsetzbar.
In der Schweiz jedoch gäbe es sehr viele kleine PR-Agenturen, die meist Kunden aus sehr unterschiedlichen Branchen betreuen. Gerade Agenturen mit einem sehr heterogenen Kundenportfolio seien dringend auf Generalisten angewiesen. Laut BPRA-Präsident Knobel gibt es derer nicht genügend.
Es zeigt sich also, dass die Herausforderungen für die PR-Branche in Bezug auf die Arbeitsmarktsituation andere sind als in der Werbung. Trotzdem gilt es für beide Branchen, die Ausbildungssituation weiter zu optimieren und den Bedürfnissen der Agenturen anzupassen.

