31.05.2016

Dreiplus

«Es wurde über 200 Tonnen Material für die Signaletik verbaut»

Mit dem Gotthard eröffnet die Schweiz den längsten Eisenbahntunnel der Welt. Am Wochenende wird dies in Erstfeld, Rynächt, Pollegio und Biasca gefeiert. Die Werbearchitekten von Dreiplus verantworten die Signaletik auf den Festgeländen. Im Interview spricht Projektleiter Michi Egger über die Herausforderungen des Mammutprojekts.
Dreiplus: «Es wurde über 200 Tonnen Material für die Signaletik verbaut»
von Lucienne Vaudan

Herr Egger, bei Signaletik denkt man schnell an Leuchtschilder für Notausgänge und Toiletten. Was bedeutet der Begriff?
Signaletik ist nicht nur eine Notfallbeleuchtung. Signaletik ist die Kunst, eine gewisse Anzahl Menschen in einem bestimmten Gebiet zu lenken und ihnen eine saubere Orientierung zu geben – das Ganze optisch ansprechend und auf die Gegebenheiten angepasst.

Wie genau sieht der Auftrag aus, den Ihnen die SBB erteilt haben?
Unsere Aufgabe war es, mit Vorgaben wie zum Beispiel einer guten Fernsicht oder der Mehrsprachigkeit, ein System zu entwickeln und aufzubauen, welches die Leute auf den vier individuellen Festgeländen zu leiten und zu führen vermag. Das Konzept sieht vor, dass wir die wichtigsten Punkte mit sprachneutralen Pictos kennzeichnen. Alles was als Text gekennzeichnet ist, musste in einem Übersichtsplan zusammengefasst, werden – so haben wir verschiedene Informationsebenen und jeder Besucher kann sich so schnell und einfach informieren. Damit möglichst viele Leute ihre gewünschte Information bekommen, haben wir die Stelen, welche das Herzstück der Gottardo-Signaletik ausmachen, vierseitig gestaltet.

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Woran haben Sie sich beim Design der Signaletik orientiert?
Für das farbliche Konzept haben wir uns vom Eisenbahntunnel inspirieren lassen, der Sichtbeton der Tunnelwand gibt die Hülle der Stelen, der Stein und die rostigen Schienen bilden den Sockel.

Neben der Konzepterarbeitung waren Sie auch für die Produktion und den Aufbau vor Ort verantwortlich. Können Sie uns sagen, wie viele Leuchtröhren oder Signalschilder Sie insgesamt auf das Gelände transportieren?
Leuchtröhren wurden leider gar keine verbaut, die Events finden immer tagsüber statt, aber es gibt dennoch einige spannende Kennzahlen: Es wurde über 200 Tonnen Material allein für unsere Signaletik verbaut. Total waren für den Transport des Materials auf das Gelände über zehn LKWs und Sattelschlepper nötig. 50 Stelen von drei bis acht Meter Höhe wurden geplant und aufgebaut. Wir haben zirka 2000 Quadratmeter Flies und Blache bedruckt, konfektioniert und montiert. Gut 20 Leute haben über zwei Wochen hinweg alles aufgebaut und montiert, dies bei einer Produktionszeit von nur rund einer Woche.

Was beinhaltet die Planung eines solchen Grossprojekts?
In erster Linie ein tolles und motiviertes Team, denn mit 0815 hat das nichts mehr zu tun. Nach der Konzeptphase mussten die zu kommunizierenden Inhalte für die Stelen sauber zusammengetragen werden, danach wurden die Layouts und «Gut zum Druck»-Files gezeichnet und vom Kunden abgesegnet. Parallel dazu wurden die Stelen an sich geplant und die statischen Berechnungen gemacht. Nach dem OK zu den Stelenlayouts haben wir das Material zusammengestellt und die Betonsockel gegossen. Während die Produktion für die Stelen am Laufen war, wurde die Montagephase geplant, das Personal rekrutiert und vier Teams zusammengestellt. Momentan laufen die letzten Produktionen, welche kurzfristig noch geordert wurden. Ende Woche schliessen wir die Montage ab. Hier gilt es noch speziell zu erwähnen, dass in dieser Woche zwei der vier Standorte für spezielle Events umgestaltet werden mussten.

Wie viel Vorlaufzeit brauchten Sie dafür?
Schwierig zu sagen, für das Konzept hatten wir zirka einen Monat Zeit, für die finale Ausarbeitung und Vorbereitung auch nochmals einen Monat. Leider stand für die Produktion und Montage nicht mehr so viel Zeit zur Verfügung. Da blieben noch knapp drei Wochen, was wirklich sehr, sehr eng war.

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Ihr Team besteht aus Werbearchitekten. Was muss man sich unter dieser Berufsbezeichnung vorstellen?
Die Bezeichnung wurde vom klassischen «Architekten», den man vom Bau her kennt, abgeleitet. Wir sehen uns als Architekten in der Werbung, oder besser der Werbetechnik. Wie ein klassischer Architekt nehmen wir die Wünsche und Bedürfnisse unserer Kunden entgegen, spinnen Ideen weiter, planen und nehmen schliesslich die richtigen Partner und Spezialisten hinzu, um das Projekt gemäss Kundenwunsch auszuführen. Planung, Organisation und Koordination von A-Z übernehmen wir. Eine spezielle Ausbildung als Werbearchitekt gibt es nicht, sicher ist es von Vorteil, wenn man aus dem nahen oder weiteren Umfeld der Werbetechnik und Beschriftung kommt und nicht nur theoretisches Wissen mitbringt, sondern selber mal bei Regen und Wind auf der Leiter gestanden ist.

Bilder: zVg.



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