06.11.2008

Trend

Firmen bloggen Kündigungen

Entlassungen werden in Weblogs kommuniziert.

Unternehmen entdecken Blogs, um ihre Mitarbeiter nicht persönlich, sondern per Blog-Postings über interne Veränderungen zu informieren. Während Stellenkürzungen früher eine weitgehend private Angelegenheit darstellten, verkünden viele Firmen heute mittels Online-Eintrag, dass Mitarbeiter entlassen werden. Wie die New York Times berichtet, sind unpräzise Pro-forma-Pressemitteilungen inzwischen Schnee von gestern. Vor allem bei den IT-Unternehmen im Silicon Valley wird die Kündigung über Blogs langsam salonfähig. Die unliebsamen Neuigkeiten gehen mitunter auch online, bevor die Angestellten auch nur ein Wort davon erfahren.

Der kalifornische Elektroauto-Hersteller Tesla Motors hat beispielsweise am 15. Oktober in einem Weblog bekanntgegeben, dass Stellen abgebaut werden, ohne alle Mitarbeiter vorher zu informieren. Er habe keine andere Wahl gehabt, als die Nachricht zu bloggen, verteidigt sich Firmenchef Elon Musk. Zuvor hatte ein Klatschblog in Silicon Valley die Neuigkeit verbreitet. Technik-Plattformen verbreiten an der US-Westküste schnell und gerne semi-öffentliche Unternehmensinformationen. Nicht selten tragen auch Mitarbeiter dazu bei, die sich selbst in Blogs zu internen Geschehnissen äußern. Offenbar sehen sich daher auch immer mehr Chefetagen dazu gezwungen, ihre Firmenpolitik und Öffentlichkeitsarbeit in Weblogs zu verlagern. Damit wollen sie Negativ-Nachrichten vorbeugen und die Informationen besser unter Kontrolle halten.

Manche Unternehmensinhaber fürchten laut New York Times allerdings jetzt schon, dass die Mitarbeiter die Blogs und Web-2.0-Technologien auch gegen die Chefetage nutzen könnten. Denn eine Mitteilung im Unternehmensblog kann die Verantwortlichen nicht vor negativer PR auf anderen Plattformen schützen, wenn schlechte Nachrichten bekanntgegeben wurden. Grundsätzlich scheinen jene Firmen, die Stellenkürzungen per Blog verlauten lassen, bisher aber auf recht positive Reaktionen zu stoßen. So berichten einzelne Chefs davon, dass sie auf ihre Ankündigungen hin durchaus auch unterstützende Kommentare erhalten hätten und nicht die ganze Öffentlichkeit schlagartig gegen sich hatten. (pte)


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