Die Berner PR-Agentur Furrerhugi hat möglicherweise versucht, die Berichterstattung zugunsten von CVP-Bundesratskandidatin Viola Amherd zu beeinflussen, wie der «Tages-Anzeiger» am Freitag schreibt. Daher komme es zu einem Verfahren bei der Schweizerischen Public Affairs Gesellschaft (Spag), der Aufsichtsinstanz des Lobbyistenverbands.
Dies bestätigt Hans-Peter Thür, Präsident der Standeskommission, gegenüber dem Tagi. Geprüft werde, ob Furrerhugi gegen die Standesregeln verstossen habe. Es wird untersucht, ob die PR-Agentur tatsächlich lobbyiert hat, ohne dies offenzulegen.
Strengere Lobbying-Regeln seit 2017
Denn per Januar 2017 sind die Richtlinien der Spag bezüglich Transparenz beim Lobbyieren verschärft worden: So gilt heute auch Medienarbeit, die zum Ziel hat, Parlamentarier zu beeinflussen, als Lobbying (persoenlich.com berichtete).
Der Verdacht gegen Furrerhugi wurde durch einen Zeitungsartikel in den CH-Media-Medien vom 16. Oktober hervorgerufen: Die PR-Agentur habe Journalisten «auf oberster Ebene» kontaktiert, «um die zivilrechtliche Verurteilung von Amherd wegen überzogenerer Miete herunterzuspielen», hiess es im Artikel. Die CVP-Bundesratskandidatin hielt gegenüber dem «Tages-Anzeiger» aber fest, dass sie im Rahmen ihrer Kandidatur kein Auftragsverhältnis mit der Berner Agentur habe.
Furrerhugi weist Anschuldigungen von sich
Lorenz Furrer, Managing Partner der Agentur, dementiert die Vorwürfe. Er habe kein Lobbying für Amherd betrieben, da er weder mandatiert noch befugt gewesen sei. Die besagte Meldung von CH Media habe sich auf ein Telefongespräch mit «Blick»-Chefredaktor Christian Dorer bezogen, das er anlässlich des Digitaltags geführt habe, sagt Furrer gegenüber persoenlich.com. «By the way habe ich Dorer gesagt, dass unsere Kollegin Claudine Esseiva (Beraterin bei Furrerhugi, Anm. d. Red.) bei der Aktion ‹Helvetia ruft!› sehr aktiv ist und die zu diesem Zeitpunkt durch ‹Blick› propagierte Zwei-Frauen-Kandidatur wohl stark stützen würden», so der PR-Berater.
«Christian Dorer hat dann in Kreisen der AZ-Medien einen Spruch gemacht, dass der Furrer wohl auch wieder am Mitmischen sei, was von einem seiner Kollegen dann wohl überinterpretiert wurde.» Der «Blick»-Chefredaktor habe sich bei Furrer entschuldigt, so sei für ihn die Sache erledigt.
«Jenseits von Gut und Böse»
Furrer kenne und schätze Viola Amherd, habe aber in keiner Art und Weise ein Mandat von ihr oder Dritten in Zusammenhang mit ihrer Bundesratswahl, fügt er an. «Dass aber genau dies anonym postuliert werden kann, der schreibende Tagi-Journalist noch vor dem Kommissionspräsidenten Bescheid weiss und eine wohl unumgängliche Bestätigung der Meldung durch den Präsidenten genügt, um mich und eine Bundesratskandidatin zu denunzieren, ist jenseits von Gut und Böse», so der Managing Partner von Furrerhugi.
Wer Interesse daran haben könnte, den PR-Fachmann und die Bundesratskandidatin in ein negatives Licht zu rücken, wisse er nicht. Für Furrer steht hingegen fest: «Der Hintergrund dieser konzertierten Medienaktion im ‹Tages-Anzeiger› ist klar ein parteipolitischer und kein standespolitischer.» (as)

