25.02.2016

SBB

«Gefühle vorzuschieben klingt nach fauler Ausrede»

Die SBB stoppten eine Politwerbung wegen «verletzter Kundengefühle». Jetzt haben die Bundesbahnen einen Shitstorm am Hals und stecken den Kopf in den Sand. Eine schlechte Kommunikationsstrategie, findet Beatrice Tschanz.
SBB: «Gefühle vorzuschieben klingt nach fauler Ausrede»

Am Montag, als das mittlerweile als Hakenkreuz-Plakat bekannt gewordene Sujet gegen die Durchsetzungsinitiative auf den eBoards des Zürcher Hauptbahnhofs zu sehen war, gab sich die Kommunikationsabteilung der SBB noch souverän. Auf das heikle Symbol angesprochen, verwies man auf die bundesgerichtlich verankerte Pflicht, Politwerbung zu schalten (persoenlich.com berichtete).

Am Dienstag ging die Pressestelle bereits in die Defensive und am Mittwoch wurde die Werbeschaltung an weiteren Bahnhöfen aufgrund von Reklamationen annulliert. Kommuniziert wurde dies in einer knappen Medienmitteilung, in der die «verletzten Gefühle von Kunden» als Grund genannt wurden. Man gehe davon aus, dass das Hakenkreuz-Sujet «die Grenzen des erwähnten Bundesgerichtsentscheids überschritten habe», heisst es in der Medienmitteilung.

Rechtlich bewegen sich die SBB mit dieser Argumentation auf dünnem Eis. Reto Ingling, Dozent für Kommunikations- und Marketingrecht sprach in einem Interview mit persoenlich.com von «staatlicher Zensur».

SVP-Plakate kommen unter Beschuss

Das schürte die Emotionen auf den Social-Media-Kanälen erst recht und die SBB kommen nun von allen Seiten unter Beschuss: Die einen sind wütend, weil das Plakat überhaupt gezeigt wurde, die anderen, weil die SBB einen Rückzieher gemacht haben.

Unter  werfen SBB-Kunden dem Unternehmen vor, bei einzelnen SVP-Sujets auch keine Rücksicht auf die Kundengefühle zu nehmen, eine Online-Petition fordert die Verbannung von Plakaten der rechtskonservativen Partei aus den Schweizer Bahnhöfen.

Bei der SBB hüllt man sich in Schweigen. Konkrete Angaben über die Beschwerden wollen die SBB nicht machen, bei Fragen verweisen sie auf die magere Medienmitteilung. Dabei gäbe es da einiges zu klären: Waren die heftigen Reaktionen nicht vorhersehbar? War der Verweis auf den Bundesgerichtsbeschluss von 2012, bei dem es um aussenpolitische Inhalte ging stichhaltig genug? Werden künftig alle Werbeschaltungen annulliert, die die Gefühle von Bahnhofspassanten verletzen? Die Pressestelle der SBB verweist lediglich auf zwei Tweets von CEO Andreas Meyer.

Kommunikationsexpertin rät zu Offenheit

Im Hinblick auf das Vorgehen der SBB schüttelt die Kommunikationsexpertin Beatrice Tschanz den Kopf: «Ich bin sehr erstaunt darüber, dass dort gerade jetzt so gemauert wird. Üblicherweise verfolgen die SBB eine gute Kommunikationsstrategie. Aber aus lauter Unsicherheit hat man wohl die Haltung eingenommen, sich der Öffentlichkeit zu verweigern», sagt die Krisenkommunikationsexpertin Beatrice Tschanz gegenüber persoenlich.com.

Das sei eine ganz schlechte Strategie: «Schweigen muss man sich leisten können, ‹wir sagen nichts mehr› kann man erst dann sagen, wenn schon alle Informationen offengelegt wurden.»

Auf die Frage, ob ein Verweis auf Emotionen als Begründung reiche, antwortet Tschanz: «Gefühle von Menschen vorzuschieben klingt nach einer faulen Ausrede.» Zum einen distanzierten sich die SBB damit nicht genügend von dem Hakenkreuz-Sujet und zum anderen sei die Begründung nicht differenziert genug. Und sie fügt an: «Gefühle sind doch individuell, was heisst denn das? Da kann ja jeder kommen und sagen, meine Gefühle wurden verletzt.»

Tschanz rät den SBB zu einem Fehlereingeständnis: «Es ist doch keine Kunst dazu zu stehen, einen Bock geschossen zu haben.»

Bild: lcv

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


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