22.06.2020

Röthlisberger & Röthlisberger

«Gian und Giachen würden wir gerne coachen»

Peter Röthlisberger, Ex-Chefredaktor vom früheren Blick am Abend, spannt für das Angebot Medientraining2 mit einem PR-Berater zusammen – seinem Bruder Jörg. Was machen Interviewte denn immer wieder falsch? Ein Gespräch über Blickkontakt, Botschaften und Bündner-Clans.
von Edith Hollenstein

Herr Röthlisberger, für Medientraining2 spannen Sie mit Ihrem Bruder zusammen. Warum hat es mit Ihrer Firma «Chefredaktion» nicht geklappt?
Die Chefredaktion GmbH blüht und gedeiht nach Corona wie nie zuvor. Unsere fünf Portale für die Generation 50plus haben wie die meisten Medientitel während der Corona-Krise bei der Leserschaft stark zugelegt. Im Netzwerk Chefredaktion arbeiten die Besten ihres Fach. Über die Expertise für diese spezifische Aufgabe verfügen mein Bruder mit seiner Firma und ich.

Was verbindet Sie mit Ihrem Bruder?
Beruflich hatten wir uns in den letzten Jahren immer wieder gut ergänzt oder auch mal gestritten. Er war quasi auf der anderen Seite, hat diejenigen beraten, die für mich journalistisch interessant waren. Jetzt bringen wir das Beste aus beiden Welten zusammen. Privat haben wir viele gemeinsame Interessen. Wir sind ein grosser Clan mit vielen Familienmitgliedern.

Sie beide sind also sozusagen «Gian und Giachen für Medientrainings»?
Wir haben den gleichen Dialekt. Wir vermitteln den Unterländern unser Wissen und hoffen, dass sich ihre Zeit mit uns gelohnt haben wird. Mit uns zu arbeiten ist wie Ferien in Graubünden. Nur anstrengender. 

Sie wollen unter anderem Interviewtraining vor der Kamera anbieten. Welches sind hierbei die Hauptpunkte, die Interviewte Ihrer Meinung nach immer wieder falsch machen?
Kein Blickkontakt mit dem Interviewer. Zu lange Sätze. Zu komplizierte Botschaften.

Was hat sich in puncto Interviewtechnik verändert in den letzten zwei Jahren – mit Aufkommen von Webvideos und Social-Media-Filmen?
Heute ist jeder Publisher, jeder hat mit Facebook, Insta, Twitter oder TikTok mindestens einen eigenen Kanal. Jeder hat mit dem Handy eine gute Kamera, mit der er Führungskräfte interviewen kann. Ohne vorherige Absprache, ohne journalistische Regeln. Darauf wollen wir unsere Kundinnen und Kunden vorbereiten.

Zudem bieten Sie Ihren Kunden an, Unternehmensstorys in den klassischen Medien zu platzieren. Ist das im Zuge der Medienkonzentration schwieriger oder einfacher geworden?
Schwieriger. Die Story muss gut sein, die Beziehungen zu den Redaktionen sowieso. Die Journalisten wehren sich zurecht gegen Vereinnahmung. Wer keine gute Geschichte bringt, soll ein Advertorial kaufen oder ein Inserat.

Welche Medien sind Ihrer Meinung nach einfach lesbar diesbezüglich, welche schwieriger?
Das hängt immer davon ab, wer grad CEO eines Unternehmens ist. Wie hoch er die Chinese Wall zwischen Geist und Geld errichtet haben will.

Was genau lernen Ihre Kunden beim «360-Grad-Medientraining»?
Sie lernen, wie sie gute Interviews geben können, sie lernen ihre Kameratauglichkeit kennen. Aus PR- und aus Journalisten-Sicht. Sie lernen, das Optimum für sich und ihr Unternehmen herauszuholen.

Und wen, welchen Akteur der Schweizer Polit-, Wirtschafts- oder Kommunikationsszene, würden Sie persönlich besonders gerne coachen?
Gian und Giachen. 

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Peter Röthlisberger ist Mitbesitzer der Chefredaktion GmbH und der 50PLUS-Medien GmbH, Journalist und Historiker. Er gründete Blick am Abend und Blickamabend.ch und war neun Jahre Chefredaktor im Blick-Newsroom, das letzte Jahr davon als Co-Chefredaktor aller Blick-Kanäle. Davor war er Inlandchef der Weltwoche und Programmleiter von TeleZüri. Er doziert an der Hochschule für Wirtschaft in Zürich und moderiert Talks und Diskussionen. 

2017 gründete Jörg Röthlisberger die GLT Communications AG, ein Unternehmen für Reputationsmanagement, Krisenkommunikation und PR. Seine Mandanten sind CEOs namhafter Unternehmen. Zuvor war er 17 Jahre teilhabender Partner einer grossen PR-Agentur.

Die beiden Brüder bieten ihre Dienstleistung via ihre Firmen chefredaktion.ch und glt-communications.ch an. 

Das Interview wurde schriftlich geführt.



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