14.09.2010

"Glaubwürdigkeit beginnt im Innern des Menschen"

Peter Hartmeier, seit Juni Leiter der Unternehmenskommunikation UBS Schweiz, hielt in Basel einen Vortrag über den "Unterschied zwischen Unternehmenskommunikation, Public Relations und Journalismus in der modernen Medienwelt". "Persoenlich.com" hörte mit und fasst hier das Referat zusammen. Der Bericht:
"Glaubwürdigkeit beginnt im Innern des Menschen"

"Was sollte ich ausgerechnet in jenem Unternehmen, das reputationsmässig abgeschlagen am Ende der Image-Rangliste stand und steht?" Das war eine der ersten Fragen, die sich Peter Hartmeier stellte, als er im Frühling dieses Jahres von der UBS angefragt wurde, deren Unternehmenskommunikation für die Schweiz zu leiten. Vor rund 300 Mitgliedern und Gästen der Statistisch-Volkswirtschaftlichen Gesellschaft Basel berichtete Hartmeier, dass schliesslich ein Gespräch mit UBS-CEO Oswald J. Grübel “die entscheidende Rolle in meiner Entscheidungsfindung” gespielt habe.

Hartmeier, der schon beim Verband Schweizer Presse und bei Tamedia für die Kommunikation zuständig war, berichtete, dass Grübel plötzlich von "Wahrheit und Wahrhaftigkeit" gesprochen habe. Die Tatsache aber, “dass der Chef eines derart gebeutelten Unternehmens im Anstellungsgespräch mit einem Kommunikationschef für die Schweiz diese beiden Begriffe in den Mittelpunkt stellte”, habe ihn zunächst sprachlos gemacht, erzählte er. Eines habe er dann aber verstanden: "Gerade hier beim Grosskapital muss um Erfolg und Glaubwürdigkeit gleichzeitig gerungen werden."

Glaubwürdigkeit müsse im Innern beginnen, sagte Hartmeier - "im Innern des Unternehmens und im Innern des Menschen". Zudem sei sie in ihrer Wirkung gegen aussen nur dann nachhaltig, wenn das Unternehmen auch "im Innern" die kritische Auseinandersetzung kultiviere und fördere. Seine Aufgabe als Unternehmenskommunikator sehe er deshalb darin, "im Innern… Missstände und Schwächen zu benennen sowie skeptische und unangenehme Fragen zu stellen."

Dies bedinge allerdings eine bestimmte Qualität von Vorgesetzten – eine Qualität, die Hartmeier offenbar bei Grübel zu erkennen glaubt. Und nicht nur bei ihm. Namentlich erwähnte er noch Chief Communication Officer Michael Willi sowie Lukas Gähwiler, CEO von UBS Schweiz. Dieses neue Management habe klare Regeln definiert, nach welchen jetzt bei der UBS beraten und gehandelt werden müsse. Hartmeier: "Dieser schwierige Neuanfang konnte und kann nur durchgesetzt werden, wenn die Menschen in der Bank selbst mitmachen, und wenn die Regeln von der Führung konsequent durchgesetzt werden. An dieser Arbeit befindet sich die UBS."

"Wirksame Unternehmenskommunikation bedeutet mit Sicherheit nicht, Konflikte zu verwedeln oder schönzufärben", sagte Hartmeier weiter. Ein Unternehmen wie die UBS baue sich vielmehr dadurch "eine nachhaltige Reputation" auf, dass es "den Mut aufbringt zu argumentieren – auch dann, wenn es weiss, dass es sich in einer Minderheitenposition befindet." Bisweilen gelte es zudem, auch unangenehme Wahrheiten vorzubringen. "Ein lügender oder ein das Gespräch verweigernder sich hinter Rechtsanwälten verbergender Manager, der mit nichtssagendem Wortgesäusel vorgegebene Statements abliest", zerstöre hingegen seine Glaubwürdigkeit und jene seines Unternehmens.

Der ehemalige Chefredaktor der Bilanz, des Tages-Anzeigers und der Thurgauer Zeitung kam dann auch auf die Rolle der Medien und Journalisten auf der einen und der "Unternehmenskommunikatoren" auf der andern Seite zu sprechen. Zuerst nannte er Gemeinsamkeiten: "Unternehmenskommunikation und Journalismus sind vom gleichen Gebot inspiriert: ‘Du sollst nicht lügen’", meinte er. Beide hätten zudem im Grunde dasselbe Ziel: Das Vermitteln von Botschaften – und zwar so, dass sie verstanden würden.

Der Unterschied bestehe aber darin, dass es sich bei der Unternehmenskommunikation klar um "interessengebundene Botschaften" handle. Doch gerade weil Unternehmenskommunikation eben "Parteinahme" sei, "brauchen wir auch in Zukunft unabhängige Medien mit erstklassig informierten Journalisten, welche “die von uns vorgelegten Ergebnisse überprüfen und sie in der Öffentlichkeit diskutieren." Und weiter: "Nur erstklassig ausgebildete Journalisten mit Bildung, Erfahrung und Zeit für Recherche können die Arbeit der Unternehmen wirklich hinterfragen."

(Text: Markus Knöpfli)


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