Herr Nünlist, am Tag der Freiheit in Olten kritisierten Sie, dass die FDP das Image einer Banken- und Wirtschaftspartei habe und wieder Volkspartei werden müsse. Jetzt wechseln ausgerechnet Sie von der SBB zur UBS. Verlieren Sie da nicht Ihre Glaubwürdigkeit?
Die beiden Aspekte schliessen sich nicht gegenseitig aus. Die FDP muss eine Volkspartei werden und darf nicht "nur" als Banken- und Wirtschaftspartei wahrgenommen werden. Die Finanzindustrie ist ein sehr wichtiger Teil unserer Volkswirtschaft. Mitarbeiter von Banken gehören ebenso in die FDP wie Bäuerinnen, Gewerbler, Lehrer oder Hausärzte.

Jetzt sind Sie typischer Repräsentant der FDP, führen nicht die Partei auf neue Geleise, sondern passen sich dem Image der Partei an, das Sie nicht mögen.
Ich habe als Diplomat gearbeitet und arbeite nun seit vielen Jahren in der Wirtschaft. Daneben habe ich mich immer noch Zeit genommen, mich für andere Anliegen einzusetzen und diesen Raum zu geben. Mich interessieren die Anliegen der Polizei, der Kultur, Fasnacht und die Oltner Stadtentwicklung. Von daher fühlte und fühle ich mich in einer Volksbewegung wie der FDP sehr wohl.
Im Manifest von Freiheit24.ch heisst es: Blutgeld und Schwarzgeld gehören nicht in die freie, demokratische Schweiz. Erfüllt Ihr neuer Arbeitgeber diese Forderung?
Ich beginne im November bei der UBS zu arbeiten. Ich nehme die UBS als professionell geführte Bank wahr, die sich bemüht, den sich verändernden rechtlichen Rahmenbedingungen und Kundenbedürfnissen anzupassen. Ich habe vor den Leistungen der UBS - Mitarbeitenden und des Managements sehr grossen Respekt.
Wieso dieser Wechsel?
Bei der SBB durfte ich in den letzten zweieinhalb Jahren sehr viel gestalten und neu aufbauen. Ich hätte von daher noch sehr gerne ein paar weitere Jahre für Andreas Meyer und die SBB weitergearbeitet. Aber als die Chance UBS kam, musste ich mich entscheiden. Ich war fünfzehn Jahre lang im Bereich Kommunikation und Public Affairs von eher staatsnahen Service-Public-Unternehmen tätig. Diese Aufgabe nun in der UBS in einer für mich neuen Branche im heutigen Umfeld wahrzunehmen, finde ich spannend und herausfordernd. Zudem freue ich mich darauf, nach langer Zeit in Bern einmal in Zürich arbeiten zu dürfen.
Worin bestehen genau Ihre Aufgaben bei der UBS?
Ich verantworte bei der UBS die interne und externe Kommunikation in der Schweiz und werde dazu in den Leitungsteams UBS Schweiz und Konzernweite Kommunikation und Branding Einsitz nehmen. Meine wichtigste Ambition ist es, das Verständnis für das Bankgeschäft und das Vertrauen in die UBS und ihre Mitarbeitenden wieder zu erneuern und zu stärken.
Wie frei werden Sie bei der UBS sein?
In einem grossen Unternehmen ist immer Teamgeist gefragt. Das war bei Swisscom und bei der SBB so, und wird auch bei UBS so sein.
Was sagt Ihr Umfeld aus der Initiative freiheit24.ch zu Ihrem Seitenwechsel?
Der Wechsel von der SBB zur UBS ist ja kein Seitenwechsel, ich bleibe in der Unternehmenskommunikation. UBS und SBB sind wie Swisscom auch starke, in der Schweiz verwurzelte Unternehmen mit Tausenden von engagierten Mitarbeitenden, die sich tagtäglich mit Top-Leistungen um ihre Kundinnen und Kunden bemühen. Am 15. September steht in Rheinfelden unser nächster Anlass an und zwar gehts um liberale Aussenpolitik und unser Verhältnis zu Deutschland. Dieses Thema interessiert mich als Freisinniger und Bürger, aber auch als Ex-"Bähnler" und künftiger "Banker".
Interview: Benedict Neff

