14.02.2011

Hofer Kommunikation

In neuer Frische

"Wir brauchen kein Millionen-Budget."

Kirschenduft liegt in der Luft. Bei der traditionsreichen Berner Kommunikationsagentur Hofer weht ein frischer Wind. Die 1950 gegründete Agentur wird seit September von Daniel Scheuzger (37) und Reto Steiner (40) geführt. Die beiden neuen Geschäftsführer stiegen inspiriert vom Pioniergeist des Gründers Max R. Hofer voller Energie in ihre neue Aufgabe. Daneben wollen sie aber auch den historisch gewachsenen Wurzeln der Agentur gebührenden Respekt zollen. Nun sind seit der Übernahme fünf Monate vergangen. Im Interview mit "persoenlich.com" erklärt Daniel Scheuzger, einer der Inhaber und Creative Director, nicht nur das "Kirschen"-Prinzip, sondern auch, welche Crossmedia-Kampagne seiner Agentur besonders gut gelungen ist.

Herr Scheuzger, Hofer Kommunikation arbeitet nach dem "Kirschen-Prinzip", dies schreiben Sie in Ihrem Flyer. Was bedeutet "Kirschen"?

Einerseits steht die Kirsche für das ultimativ Frische, Geschmackvolle, Natürliche und Formvollendete. So soll auch unsere Arbeit sein. Anderseits ist die Kirsche die perfekte Analogie zu unserer Arbeitsmethodik. Erst wenn wir den Kern, die harten Fakten, kennen, umhüllen wir diesen mit der Frucht, der knackigen Idee.

Daniel Scheuzger und Reto Steiner

Kreativitätstechniken zu beschreiben ist nicht einfach. Was genau macht Ihre Arbeitsmethodik aus?

Wir haben festgestellt, dass jede Idee, jede strategische Lösung nur so gut ist, wie das Wissen über das Kernbedürfnis des Kunden. Konkret heisst das, dass wir gemeinsam mit dem Kunden immer zuerst diesen Kern herausschälen, bevor wir mit der Ideenfindung beginnen. Das bedeutet Knochenarbeit. Dem Selbstbild stellen wir das Fremdbild gegenüber. Wir halten dem Kunden den Lautsprecher mit der Stimme der Zielgruppe ans Ohr. Schonungslos. Nur so finden wir gemeinsam heraus, wo wir den Hebel ansetzen müssen, nur so können wir zielsicher arbeiten und kreativ sein.

Ihre Agentur befindet sich in Bern. "The Place to be" in Sachen PR und Werbung ist aber Zürich. Wie schaffen Sie es, trotzdem am Ball zu bleiben?

Bern ist nicht Zürich, das ist klar. Bern hat zum Beispiel mehr Verwaltung. Aber wir brauchen kein Millionen-Budget, um kreative und für unsere Kunden gewinnbringende Lösungen zu finden. Aufgaben wie die crossmediale Kampagne "Pflegestar" für die Stadt Bern stellen oft höhere Anforderungen an die Kreativität, weil der Handlungsspielraum extrem eingeschränkt ist. Generell bin ich der Meinung, dass erfolgreiche Werbung nicht an einen Ort gebunden ist. Und: Dass Bern auch in Sachen Werbung einiges zu bieten hat, zeigt die Wahl der diesjährigen Werberin des Jahres.

Für welche Kunden arbeiten Sie?

Für Mirgos hat Hofer die neue Marke VOI (voi-migrospartner.ch) entwickelt: Von Null an, von der Namensfindung bis zum gesamten Branding der neuen Shops. Die beiden Pilotläden haben sehr gut funktioniert. Heute gibt es acht, Tendenz steigend. Dann sind da die Kampagnen für den Ausbildungsverbund login (login.org), dessen Bekanntheitsgrad seit Jahren kontinuierlich steigt: eine Erfolgsstory, auch für uns. Oder unser langjährigster Kunde, der Erdenhersteller Ricoter (ricoter.ch). Hier konnten wir die 25 Jahre Zusammenarbeit im letzten Jahr mit dem Medien Award der grünen Branche für herausragende Kommunikation krönen.

Wie positioniert sich Ihre Agentur im Bereich Social Media, respektive konkret bei Facebook?

Grundsätzlich bin ich der Ansicht, dass ob dem aktuellen Hype oft vergessen wird, dass es bei Facebook immer noch vor allem um das individuelle Sehen- und Gesehenwerden in einem neuen öffentlichen Medium geht. Klar haben heute globalisierte Brands Hunderttausende Fans. Doch oft ist ein Fan ein Klick, mehr nicht. Unbestritten ist: Social Media eröffnet unseren Kunden und uns neue Möglichkeiten. Das ist auch die Quintessenz aus einem Social-Media-Pilotprojekt, das wir für Interlaken Tourismus durchgeführt haben (www.facebook.com).

Wo wird Hofer Kommunikation am Ende des Jahres 2011 stehen?

Auf dem Weg, die Agenturgeschichte mit frischen Ideen erfolgreich weiterzuschreiben. Vor der Übergabe beschäftigten wir vierzehn Mitarbeitende. Heute sind es zehn. 2013 werden es zehn bis fünfzehn Mitarbeitende sein.

Hier ein weiterer Text zum Thema im "Berner Bund".

Interview: eh


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