Elisabeth Meyerhans Sarasin macht sich im Bereich Kommunikations- und Wirtschaftsberatung selbstständig und gründet dazu die Firma Meyerhans & Partner. Die frühere Kommunikationschefin und spätere Leiterin des Generalsekretariats von Ex-Bundesrat Hans-Rudolf Merz will strategische Beratung im Bereich Public Affairs anbieten. Elisabeth Meyerhans geht eine Bürogemeinschaft mit Peter Schürmann ein. Schürmann hat sich nach langjähriger Führungstätigkeit bei Wirz 1990 selbstständig gemacht. Die beiden haben ihre Arbeitsplätze an der Zürcher Bahnhofstrasse.

Wie genau hat Meyerhans mit Hans-Rudolf Merz beraten und wodurch will sie ihre künftigen Kunden überzeugen? Persoenlich.com hat nachgefragt:
Frau Meyerhans Sarasin, Sie machen sich selbstständig. Was macht Sie so zuversichtlich, dass Sie genügend Aufträge bekommen werden?
Nach meinem Abschied aus dem EFD wurden mir immer wieder Fragen und Bitten für Unterstützung zugetragen. So durfte ich in den vergangenen Monaten einige Mandate übernehmen und abschliessen. Dieser offensichtliche Bedarf nach meiner spezifischen Expertise und eine saubere Marktanalyse gaben mir die Sicherheit, den Sprung in die Selbständigkeit wagen zu können. Im Übrigen bin ich in ein Netzwerk von Profis aus verschiedenen Disziplinen eingebunden. Besonders eng ist dabei die Zusammenarbeit mit Peter Schürmann, der seit vielen Jahren erfolgreich als Kommunikationsberater tätig ist. Hier spielen wir uns die Bälle gegenseitig zu.
Kommunikations- und Wirtschaftsberatung bieten auch andere an. Kürzlich haben z.B. Ruth Metzler, Hans Klaus und Daniel Eckmann ein Unternehmen gegründet (persoenlich.com berichtete). Was hebt Sie von anderen ab?
Die Nachfrage nach Kommunikationsdienstleistungen ist gerade in wirtschaftlich anspruchsvollen Zeiten hoch. Der Markt bietet zahlreiche Nischen für unterschiedliche Profile und Dienstleistungen. Mein USP ist sicherlich die breite Erfahrung, die ich im Journalismus, in der Unternehmenskommunikation, in der politischen Kommunikation und im Management gesammelt habe. Dazu kommt, dass ich sowohl in der Politik als auch in der Unternehmenswelt an vorderster Front bei der Bewältigung von zahlreichen Krisen und ausserordentlichen Lagen involviert war. Aus diesem Know-how kann ich schöpfen.
Als ehemalige NZZ-Journalistin hätten Sie auch wieder in den Journalismus zurückkehren können. Warum kam dies nicht in Frage?
Bei der NZZ durfte ich das journalistische Handwerk in der legendären Wirtschaftsredaktion und in einer ausserordentlich spannenden Zeit erlernen und umsetzen. Während der Zeit der sogenannten Dotcom-Blase war Hochkonjunktur für die Wirtschafts- und Börsenberichterstattung. Seither haben sich sowohl der Journalismus wie auch ich aber weiter entwickelt.
Sie haben lange für das EFD gearbeitet. Hans-Rudolf Merz hatte Sie als Kommunikationschefin eingestellt. Wie kamen Sie zu dieser Stelle?
Die Stelle war öffentlich ausgeschrieben. Ich habe mich ordentlich darum beworben und die Stelle bekommen.
Von Journalisten hört man, dass Herr Merz in Interviews teilweise sehr offen redete und später Aussagen wieder korrigieren wollte. Wie stark liess er sich in persönlicher Kommunikation beraten?
Interviews sind eine spezifische Form von Kommunikation, bei der Politiker aber auch Verantwortungsträger aus den Unternehmen oft andere Erwartungen hegen als die Interviewer. Insofern ist Ihre Bemerkung wohl Ausdruck einer generellen Malaise im Journalismus. Bundesrat Merz hat mit Blick auf seine persönliche Kommunikation aber auch in Bezug auf seine Entscheide als Bundesrat jeweils die Meinung seiner zuständigen Fachpersonen angehört, wenn nötig kontroverse Diskussionen geführt, dann entschieden und für seine Entscheide die Verantwortung übernommen. Ich habe diese offene und gradlinige Zusammenarbeit geschätzt.
Inwiefern waren Sie in seine Libyenbesuche involviert?
Im Nachgang zur Verhaftung von Hannibal Gaddafi im Sommer 2008 in Genf nahm das libysche Terror-Regime zwei Schweizer Geschäftsmännern als Geiseln und benutzte sie fast zwei Jahre äusserst zynisch als Druckmittel gegen unser Land. Für die betroffenen Familien und die Schweizer Regierung war dies eine ausserordentliche Herausforderung, die mit grossen Unsicherheiten, starken Emotionen und vielen schwierigen Entscheidungen verbunden war. Als Stabschefin des EFD war ich im Präsidialjahr von Bundesrat Merz Mitglied in der vom Bundesrat eingesetzten Task Force Libyen-Schweiz. Der damalige Bundespräsident Merz, Bundesrätin Calmy-Rey und die Task Force haben sich über viele Monate sehr intensiv für die Freilassung der Geiseln eingesetzt. Ich bin froh, dass die verschiedenen Anstrengungen schliesslich von Erfolg gekrönt waren und die beiden Geiseln im Sommer 2010 physisch unversehrt nach Hause kommen konnten.
Der legendäre Bünderfleisch-Lachanfall vor versammeltem Parlament wurde rasch von der Werbewirtschaft aufgegriffen (z.B. Denner- oder Graubünden-Spot) und verbreitete sich auf der ganzen Welt. Versuchten Sie dies zu verhindern?
Bundesrat Merz ist eine öffentliche Person und die Verhandlungen des Schweizer Parlaments sind öffentlich. Das EFD hat damals im Einklang mit den allgemeinen Regeln der Bundeskanzlei nicht gegen eine Weiterverbreitung der Bilder interveniert. Diese sehen vor, dass die Verwendung von Bildern von Bundesräten nur bei klar ehrverletzenden, rassistischen oder sonst herabsetzenden Tatbeständen unterbunden wird.
War es die richtige Entscheidung nach seinem Herz-Kreislauf-Stillstand in den Bundesrat zurückzukehren?
Die Entscheidung traf Bundesrat Merz persönlich und es ist nicht an mir, dies zu beurteilen. Sicher ist jedoch, dass sich unser Land zu diesem Zeitpunkt in einer sehr schwierigen Phase befand. Die Finanzkrise war auf ihrem Höhepunkt und das internationale Finanzsystem in seinen Grundfesten erschüttert. Die UBS musste staatlich gestützt werden und der Druck der ausländischen Staaten auf den Finanzplatz und das Bankgeheimnis war immens. Mit seiner langen Erfahrung in der Wirtschaft und seiner Routine als Mitglied der Landesregierung hat Bundesrat Merz damals sehr viel zur Stabilisierung dieser ausserordentlichen Lage beigetragen.
Über Ihre momentanen Kunden wollen Sie wohl lieber schweigen. Oder können Sie genaueres zum Kundenportfolio sagen?
Meine Stärke liegt in der Betreuung von Unternehmern und Führungspersönlichkeiten aus Unternehmen. Gesellschaftliche und wirtschaftliche Fragestellungen sind heute vielfach mit politischen Entscheiden verflochten. Auch die internationale Dimension gewinnt an Bedeutung. Schnell steht man als Verantwortungsträger dabei im Fokus von Medien oder Pressure Groups. Hier kann ich mit meinen Kunden effektive Lösungen erarbeiten und umsetzen helfen.
Gibt es Unternehmen oder Führungskräfte, die Sie aus persönlichen oder ethischen Gründen nicht betreuen würden?
Für mich zählt Nachhaltigkeit zu den Schlüsselwerten. Wo auf Kosten von personellen oder natürlichen Ressourcen kurzfristige Profite im Zentrum stehen, bin ich als Dienstleister fehl am Platz.
Wo möchten Sie Ende 2012 stehen?
Dort wo ich heute stehe, aber noch mit einem etwas breiteren Kundenportfolio. (eh)

