Facebook hat die PR-Agenur Burson-Marsteller engagiert, um Google in den Medien und in Weblogs anzuschwärzen. Wie die Internetfachwelt schreibt, sei dies eine der grössten Blamagen in der Geschichte der Onlinebranche. Der Fall ist sehr interessant, weil er zum einen zeigt, mit welch schmutzigen Tricks ein Unternehmen seinen Konkurrenten "besiegen" will. Bemerkenswert ist aber auch, dass sich Blogger und die Presse nicht vor den Karren spannen liessen. "persoenlich.com" wollte von PR-Chefs wissen, was sie vom Debakel halten:
Marcel Bernet, Bernet PR
Das ist ein klarer Fall von Konkurrenzkampf via Kommunikation. Facebook will die eigene Position verteidigen und ausbauen, verdeckte Angriffe gehören zum Instrumentarium im Kampf um Macht. Wie das Beispiel zeigt, tragen solche Undercover-Aktionen sehr hohe Risiken. Ein wichtiger Hinweis an dieser Stelle: Bernet PR handelt im Interesse von Google Schweiz. Verdeckte Aktionen zählen nicht zu unserem Instrumentarium, das ist Teil unserer Grundhaltung. Ich bin überzeugt davon, dass man im Kampf mit offenem Visier weiter kommt. Im Zeitalter von Social Media haben Lügen noch kürzere Beine. Und trotzdem sind gekaufte Leserbriefe, verdeckte Kommentare, anonyme Angriffe Realität im Kampf um Marktanteile und Reputation.
Von derartig verdeckten Aktionen lässt man besser die Finger. Das ganze geht ja nur dann auf, wenn die Journalistinnen und Journalisten mitmachen; also keine Rückfragen stellen, Interessen nicht abklären, sondern Argumente auch mit unklarem Hintergrund einfach übernehmen. Ich freue mich, dass da ein paar Medienschaffende hartnäckig dran geblieben sind.
Christian König, CEO Farner Consulting
Als Berater und Dienstleister handelt man im Sinne des Auftrags, wenn man ihn einmal akzeptiert hat. Man kann Aufträge auch ablehnen. Das heisst aber nicht, dass man sich instrumentalisieren lässt und gegen seine eigenen Werte verstösst. Die Losung "Der Zweck heiligt die Mittel" stammt aus dem Mittelalter. Das dürften wir allmählich überwunden haben.
Facebook wie Google verwalten höchstpersönliche Daten ihrer User. Sie sind zwar nicht gerade vergleichbar mit dem medizinischen System oder mit der Kirche, aber trotzdem haben sie erhöhten Vertrauensanforderungen zu genügen. Diese Affäre schadet wahrscheinlich beiden Parteien, und zwar nicht nur in Anführungszeichen: wer so miteinander umgeht, bringt die ganze Branche in Verruf.
Roger Huber, Präsident Verband für Krisenkommunikation
Wir müssen ehrlich sein, solche Dinge passieren heute täglich. Wenn es aber mit sauberen Argumenten ins Medien-Guerillia geht, dann ist das legitim. Wenn man aber so agiert und dann damit, nicht überraschend , auffliegt, dann sieht man alt aus. Da Facebook auch nicht zu den Hütern der Privatspähre gehört, ist die Angelegenheit doppelt peinlich.
Als Agentur muss ich meinen Kunden sauber beraten. Wenn man dann handwerklich schwache Arbeit abliefert, dann hat man ein Problem. Man kann für oder gegen solche Kampagnen sein, was man aber nicht kann ist, zu negieren, dass dies heute Alltag ist. Die Frage ist auch, wie man seine Mitarbeiter motivieren kann, dreckige Hände zu bekommen.
Wo wurden die gröbsten Fehler begangen? Man hat die Intelligenz der Blogger und Medien unterschätzt. Die Qualität in den Medien ist in den letzten Jahren sicher nicht gestiegen. Die Medien aber für so dumm zu halten ist, ja, DUMM! Der Halbzeitwert solcher Geschichten ist wenige Wochen. Für Burson-Marsteller sehe ich Probleme, weil sie mit dieser Kampagne so viel Staub aufgewirbelt hat. Ich denke, Burson-Marsteller wird an dieser Geschichte noch länger knabbern. Kunden sind von solchen Geschichten angewidert.
Christian Ruppanner, Managing Partner Freicom
Der Markt wird zeigen, ob sie ein solches Verhalten mit Wohlwollen oder Abneigung bewertet wird. Für die Branche gibt es fest formulierte Verhaltenskodexe, z.B. den "Code of Lissabon". Was darin nicht geregelt wird, muss von jeder Kommunikationsagentur für sich selber beantwortet werden. Wo wurden die gröbsten Fehler begangen? Die Strategie war grundsätzlich schon falsch. Damit war der gröbste Fehler, die Strategie überhaupt anzuwenden und dabei die Macht des Netzes zu unterschätzen.
Anmerkung der Redaktion: "persoenlich.com" hat insgesamt 20 Führungspersönlichkeiten aus der Schweizer PR-Branche kontaktiert. Auf die Umfrage reagierten die meisten Angeschriebenen mit Schweigen. Über die Gründe kann nur gerätselt werden.
Umfrage: Christian Lüscher

