Schon seit einigen Tagen brodelte die Gerüchteküche bezüglich um einen möglichen Rücktritt des UBS-Chefs Sergio Ermotti. Nun ist es draussen: Ermotti geht per Ende Oktober. Sein Nachfolger wird ab 1. September Ralph Hamers, der zurzeit die niederländische Bank ING führt. Viele Medien sind trotz der Vorzeichen überrascht, dass Ermotti bald zurücktritt und stellen sich die Frage, ob Hamers als CEO der grössten Schweizer Bank der Richtige ist.
Als «Paukenschlag bei der UBS» bezeichnen die Tamedia-Publikationen online den Weggang von Sergio Ermotti. Die Berufung seines Nachfolgers Ralph Hamers sei «eine Überraschung». Aus der UBS werde bereits Kritik an der Benennung des Niederländers laut, weil die ING eine Retailbank sei und kein Vermögensverwalter wie die UBS sei, schreibt das Blatt. Allerdings sei die ING dafür bekannt, in Sachen digitales Banking ein Vorreiter zu sein. Der Rückgriff auf einen externen Kandidaten könne letztlich auch als Ausdruck des Scheiterns gesehen werden, so Tamedia. Denn Ermotti habe die Bank seit 2011 geführt und in dieser Zeit sei es der Führung offenbar nicht gelungen, einen Nachfolger intern aufzubauen.
Die Wahl von Hamers als Nachfolger von Ermotti sei «keine schlechte» Wahl, heisst es in der Ersteinschätzung von Finanz und Wirtschaft online zum Wechsel an der UBS-Spitze. Wie die UBS sei die ING international unterwegs und habe sich unter dem 54-jährigen Niederländer erfolgreich entwickelt. Punkto Effizienz und Rentabilität gelte die ING im europäischen Vergleich als vorbildlich. Und dies seien Dinge, die bei der UBS verbessert werden müssten. «Kostenbewusstsein fängt in Holland aber auch bereits ganz oben an»: So habe Hamers zuletzt zwei Millionen Euro verdient, Ermotti das Siebenfache. Der Kommentator zweifelt allerdings daran, dass durch den Wechsel auf der Teppichetage der UBS Bescheidenheit einkehren werde.
Auch Blick online bezeichnet den Weggang von Ermotti als «Paukenschlag». Bislang sei man davon ausgegangen, dass Ermotti die Grossbank bis 2021 führen werde. Damit hätte er die zehn Jahre als UBS-Chef vollgemacht. Doch auch mit neun Amtsjahren auf dem Buckel könne Ermotti feiern, denn so lange wie er sei bisher noch kein Grossbankenchef aktiv am Ruder gewesen.
Dass die Zeit von Sergio Ermotti bei der UBS ablaufe, sei bekannt gewesen, heisst es in der Sendung «HeuteMorgen» von Radio SRF. Dass der Chefwechsel nun aber so schnell komme, sei überraschend. Nachfolger Hamers sei schon seit fast 30 Jahren für ING tätig und habe sie in eine stark digitalisierte Bank umgewandelt. Diese Strategie strebe UBS-Präsident Axel Weber auch für die UBS an, was er bisher nicht wirklich geschafft habe. Hamers trete im September in die UBS ein und werde dann noch zwei Monate lang von Ermotti eingeführt. Mit Hamers als CEO und Weber als Präsidenten, würden die Geschicke der UBS erstmals in ihrer Geschichte von zwei Ausländern gesteuert.
«Hamers für UBS, Hammer für Ermotti» titelt das Onlineportal Inside Paradeplatz. Für die UBS sei Hamers eine Überraschung, der Holländer sei ein Retail-Banker und ein Digital-Techniker, «von Private Banking hat er keine Ahnung». Und genau dort «dümpelt die UBS seit Jahren vor sich hin». Der Grund sei, dass Ermotti ihr Potenzial nie ausgeschöpft habe, «dafür aber zum 100-fachen Millionär wurde». Doch auch Hamers wolle Millionen, so habe er vor zwei Jahren sein Salär von zwei auf drei Millionen Euro erhöhen wollen, was zu einem Aufschrei in der niederländischen Öffentlichkeit geführt habe. Die Regierung habe eingegriffen und bestimmt, dass der Bonus maximal einen Fünftel des Fixgehaltes ausmachen dürfe. Hamers habe dies laut kritisiert. Er wolle also auch Millionen, doch «noch ist er nicht verdorben vom vielen Geld, so wie die Spitzen von UBS und CS». (awp/sda/cbe)

