13.08.2025

Gislerprotokoll

«Sprache kann den Kulturwandel auch anstossen»

Die Berner Kommunikationsexpertin Jrene Rolli ist das neueste Vorstandsmitglied des Gislerprotokolls, eine Initiative, die sich für Gleichstellung in der Kommunikation und Werbung einsetzt. Im Interview sagt sie, was sie vom Genderstern hält und welche Sprachfallen zu vermeiden sind.
Gislerprotokoll: «Sprache kann den Kulturwandel auch anstossen»
«Traut euch, einfach verständlich zu schreiben», gibt Jrene Rolli als Tipp für Kommunikationsabteilungen. (Bild: zVg/Mirjam Kluka)

Jrene Rolli, Sie sind neu im Vorstand des Gislerprotokolls. Was möchten Sie zur Initiative beitragen?
Mir ist es ein Anliegen, dass die Initiative noch mehr Wirkung erzielt. Nicht nur indem wir weitere Mitglieder gewinnen, sondern auch indem wir unsere Mitglieder weiter sensibilisieren und sie dabei unterstützen, das Thema im Alltag noch konsequenter umsetzen zu können. Sprache und Gesellschaft verändern sich laufend – uns wird die Arbeit also nicht ausgehen.

Haben Sie bereits konkrete Projekte?
Bereits als Mitglied war ich involviert bei der Lancierung der Beratungsangebote des Gislerprotokolls. Wie wir diese weiterentwickeln, ist ein Thema bei der nächsten Vorstandssitzung. Zudem beschäftigt uns als Vorstand laufend, wie wir unsere Mitglieder noch besser unterstützen, vernetzen und einbinden können.

Sie sagen, man solle die Sprache nutzen, um Brücken zu bauen statt Mauern. Können Sie Beispiele geben, in denen die Sprache Mauern baut?
Ein klassisches Beispiel sind Stellenanzeigen. Studien und Analysen zeigen, dass sich bei männlich geprägten Texten weniger Personen bewerben – auch Männer. Dabei geht es nicht nur um den Jobtitel, sondern um den vollständigen Text und die darin enthaltenen Formulierungen. Mittlerweile sind im Recruiting bereits viele dafür sensibilisiert und berücksichtigen es bei der Ausschreibung. In der internen Kommunikation und im Employer Branding sehen wir jedoch nach wie vor sprachliche Stolpersteine.

«Die Lesbarkeit von Texten wird durch den Genderstern nicht negativ beeinflusst»

Gibt es noch andere Mauern?
Ein weiteres Beispiel sind komplizierte Texte. Wer nicht (richtig) versteht, worum es geht, ist im Alltag benachteiligt. Besonders wenn es um wichtige Themen geht wie Gesundheit, Finanzen, Job oder Behörden. Einfache verständliche Texte sorgen für weniger Missverständnisse und vereinfachen den Alltag für alle.

Wie sieht es mit dem Genderstern aus ? Brücke oder Mauer?
Der Genderstern dient der Inklusion und ist daher als Brücke im Einsatz. Einige Lesende empfinden Genderzeichen als ungewohnt, das verstehe ich. Jedoch wird die Lesbarkeit von Texten durch den Genderstern nicht negativ beeinflusst, das haben mittlerweile mehrere Studien gezeigt. Und: Der Genderstern ist nur eine Möglichkeit, inklusiver zu kommunizieren – aber längst nicht die einzige.

«Die Herausforderung liegt oft darin, in einer immer komplexeren Welt einfach verständlich zu kommunizieren und unnötige Fachbegriffe nach aussen hin wegzulassen»

Sie beraten Unternehmen wie Swisscom, die Post oder die Mobiliar. Was sind bei solchen Firmen die grössten Baustellen?
Gerade grössere Unternehmen, die eine breite Bevölkerung ansprechen, wissen um die Wirkung von Sprache. Die Herausforderung liegt oft darin, in einer immer komplexeren Welt einfach verständlich zu kommunizieren und unnötige Fachbegriffe nach aussen hin wegzulassen. «Don’t show your underpants», hat mal eine Expertin dazu gesagt. Mit anderen Worten: Verzichte auf das, was vielleicht intern wichtig, aber nach aussen hin nicht relevant ist.

Welchen Tipp geben Sie Kommunikationsabteilungen immer wieder?
Traut euch, einfach verständlich zu schreiben – es hilft allen. Je klarer die Botschaft, desto eher handeln Menschen danach – Mitarbeitende wie Kund*innen. Und: Bleibt authentisch. Inklusiv kommunizieren nützt nur, wenn es auch im Arbeitsalltag gelebt wird. Aber Sprache kann den Kulturwandel auch anstossen, unterstützen und begleiten. Wenn wir Sprache bewusst einsetzen, können wir dafür sorgen, dass sich mehr Menschen angesprochen und eingeladen fühlen.


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