05.12.2005

CVP

Sprecherin stellt ihr Amt zur Verfügung

Monika Spring bedauert ihre Aussagen.

CVP-Sprecherin Monika Spring tritt nach ihrer heftigen Kritik am Papst und an der katholischen Kirche per sofort zurück. Die CVP entschuldigte sich am Montag: Spring habe nicht die Meinung der Partei wiedergegeben.

Laut Berichten der Sonntagspresse soll Spring am Rande der Wintersession gegenüber Journalisten gesagt haben, sie überlege sich einen Austritt aus der katholischen Kirche. Als Begründung führte sie an, der Papst sei ein "Depp".

Insbesondere stosse sie sich an der Haltung des Papstes gegenüber Homosexuellen. Auch die Sexuallehre der katholischen Kirche kritisierte Spring aufs heftigste. Laut Sonntagspresse hatte Spring den Journalisten gesagt, diese dürften dies ruhig so schreiben.

CVP: Privates, unautorisiertes Gespräch

"Monika Spring hat diese Aussagen gegenüber der Parteileitung nie bestritten", sagte CVP-Generalsekretär Reto Nause auf Anfrage. Die Sprecherin sei aber davon ausgegangen, dass es sich um ein privates Gespräch handle. Sie habe angenommen, dass ihre Äusserung, die Journalisten dürften sie so zitieren, ironisch verstanden worden sei.

Die in der Sonntagspresse erschienenen Zitate seien von Spring nicht autorisiert worden, hält die CVP fest. Die Sprecherin habe beteuert, die von ihr gemachten Aussagen seien aus dem Zusammenhang gegriffen und in einen fremden Kontext gestellt worden.

So habe sich Spring auf ein "Spiegel"-Interview mit dem deutschen Jesuiten Hermann Kügler vom 25. November berufen. Kügler hatte gegenüber dem "Spiegel" gesagt, es sei sicher, dass die "katholische Kirche die grösste transnationale Schwulenorganisation ist".

Nicht die Parteimeinung

Die CVP entschuldigte sich für die Aussagen Springs. Es handle sich um einen gravierenden Ausrutscher. Die Äusserungen verhinderten eine konstruktive interne Auseinandersetzung und versperrten den Dialog mit den Landeskirchen. "Monika Spring hat nicht die Meinung der Partei wiedergegeben", sagte Nause.

Er hoffe, dass der Schaden für die Partei nicht allzu gross werde. Zwar habe es in letzter Zeit politische Meinungsverschiedenheiten mit der katholischen Kirche gegeben, doch bemühe sich die CVP bereits seit längerer Zeit um einen sachlichen Dialog.

Opfer der eigenen Unerfahrenheit

Die Sprecherin habe niemanden verletzen wollen und entschuldige sich für ihre Äusserungen, schreibt die CVP weiter. Spring, die erst seit März CVP-Sprecherin ist, stellte ihr Amt per sofort zur Verfügung. Nach Ablauf der Kündigungsfrist werden die Partei und die Sprecherin sich im gegenseitigen Einvernehmen trennen.

Generalsekretär Nause übernimmt interimistisch die Aufgaben Springs. Als Kommunikationschefin habe Spring bis anhin mit grossem persönlichem Einsatz tadellose Arbeit geleistet. Umso mehr bedauere man, dass sie durch eine Fehleinschätzung der Situation Opfer der eigenen Unerfahrenheit geworden sei.


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