21.11.2012

Harbour Club

Symposium über die Verantwortung von Unternehmen

130 Teilnehmer bei Helsana in Dübendorf.

Am 20. November fand bei Helsana in Zürich Dübendorf das HarbourClub-Symposium 2012 statt. "Organisationen sind inhumane Gebilde und bekämpfen störende Veränderungen“ und "der Mensch ist schwach und agiert opportun" - mit diesen beiden Aussagen irritiert und provoziert zu Beginn des Tages Guy Kirsch, Professor für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, die 130 Teilnehmerinnen und Teilnehmer des dreizehnten HarbourClub-Symposiums. Heisst das nun, unser Umgang mit unternehmerischer Verantwortung und Nachhaltigkeit ist gescheitert? Nein, wenn wir die Spielregeln und Limiten im Spannungsfeld zwischen Werteversprechen und Wirtschaftlichkeit erkennen. Nachhaltigkeitsbemühungen als Selbstzweck hingegen haben sicher wenig Chancen auf Erfolg, so Kirsch.

Edgar Oehler, Verwaltungsrat und Mehrheitsaktionär der AFG, untermauert dies mit seinem Postulat, dass Top-Entscheider wie Verwaltungsräte vier zentrale Eigenschaften aufweisen müssen: Sozialkompetenz, Erfahrung in Unternehmensführung, Risikobereitschaft und damit auch den Willen, die Konsequenzen ihrer Entscheidungen zu spüren.

Der aktive und transparente allgemeine Dialog, der dank den neuen Medien zu einem guten Teil offen geführt wird, stellt zentrale Fragen der Verantwortung von Organisationen in ein grösseres öffentliches Zentrum. Darauf gelte es als Unternehmen zu reagieren. Auch hier rät Professor Kirsch jedoch zu Skepsis: Die Organisationen steuern die Fragestellungen, auf die sie reagieren wollen und bauen ihre Rhetorik darauf auf. Dies zeigen auch die Referate von Daniel Schmutz, CEO der Helsana, und Thomas Kern, Chef des Flughafen Zürichs.

Die Break-out Sessions am Nachmittag sind wie jedes Jahr das Kernstück des Symposiums. Die Vertreter von Nagra, Ruag, Geberit und Holcim zeigen, was denn Verantwortung tragen konkret heisst und welche Rolle dabei die Unternehmenskommunikation spielt.

Auch Abschlussredner Peter Schneider macht es den Zuhörern nicht leicht, da er das naive Bild von den vermeintlich "unverantwortlichen" Entscheidern an der Spitze des Wirtschaftssystems in Frage stellt. Doch so wenig Wirtschaftskrisen von einigen wenigen gemacht seien, so wenig seien wir ihnen hilflos ausgeliefert, denn den Verantwortlichen in Wirtschaft und Politik stehen durchaus die Mittel zur Verfügung, einzugreifen, sagt er.

Matthias Graf, Vorstandsmitglied des HarbourClubs formuliert in prägnanten Worten ein Fazit des Symposiums: "Werteorientierte Kommunikation kann nicht gelingen, wenn sie rein altruistisch motiviert ist. Dann wirkt sie sogar eher unglaubwürdig.“

Alle Bilder des Anlasses sind unter www.harbourclub.ch ersichtlich. Das nächste HarbourClub-Symposium findet am 21. November 2013 in Basel statt. (pd)


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