07.03.2018

Schilling-Report

Weniger Frauen in den Führungsetagen

Ernüchternde Entwicklung: Der Frauenanteil in den Geschäftsleitungen der grössten Schweizer Arbeitgeber ist gesunken. Stabil sind Kommunikationsfirmen wie SRG, Tamedia, Ringier und APG: Jedoch sind nur 3 von 27 GL-Mitgliedern weiblich. Am besten steht Ringier da.
Schilling-Report: Weniger Frauen in den Führungsetagen
Von 27 Geschäftsleitungsmitgliedern in vier Unternehmen der Kommunikationsbranche sind nur drei Frauen (v.l.): Xiaoqun Clever (Ringier), Annabella Bassler (Ringier) und Ladina Heimgartner (SRG). (Collage: persoenlich.com)
von Christian Beck

Die Gleichstellungsziele sind wieder weiter in die Ferne gerückt. Der Frauenanteil in den Geschäftsleitungen bei den 118 grössten Arbeitgebern in der Schweiz – darunter SRG, Tamedia und Ringier – ist letztes Jahr auf 7 Prozent gesunken. Dies geht aus dem am Mittwoch vorgestellten «Schilling-Report» hervor. «Letztes Jahr war ich noch hoffnungsvoll, dass wir den Durchbruch schaffen werden», sagte Guido Schilling, Chef der gleichnamigen Kadervermittlungsfirma, an einer Medienkonferenz in Zürich.

Frauen auch bei Kommunikationsfirmen selten

Ähnlich sind die Zahlen bei der sogenannten Gender-Diversity-Pipeline des «Schilling-Reports». Diese Erhebung geht tiefer und umfasst auch Prozentzahlen des Topmanagements und mittleren Kaders. Dafür stellten 113 der 250 wichtigsten Schweizer Unternehmen ihre Daten zur Verfügung. Nebst SRG, Tamedia und Ringier ist hier auch die APG erfasst.

Aktuell sind bei diesen vier Firmen im Schnitt nur gerade 11 Prozent Frauen in den Geschäftsleitungen vertreten, dies gegenüber 14 Prozent im Vorjahr. Grund für den tieferen Wert ist aber nicht etwa, weil es zahlenmässig weniger Frauen wären, sondern weil die Geschäftsleitung der SRG von sieben auf acht Personen aufgestockt wurde. Damit veränderte sich auch die Prozentzahl negativ.

Immerhin: Der Anteil Frauen ist bei den vier Kommunikationsunternehmen höher als im Schnitt aller Unternehmen, die sich an der Umfrage beteiligt haben. In absoluten Zahlen sieht es aber bescheiden aus: Unter den insgesamt 27 GL-Mitgliedern sind nur gerade drei Frauen. Ringier ist am vorbildlichsten, wie folgende Aufstellung zeigt:


Interessant sind die Zahlen auch beim Topmanagement (rapportiert direkt an die GL) und beim mittleren Kader (Abteilungsleiter, die noch Gruppenleiter unter sich haben). «Hier beschäftigen Kommunikationsunternehmen deutlich mehr Frauen als der Durchschnitt», sagte Schilling gegenüber persoenlich.com. Diese Zahlen seien während den letzten beiden Jahren stabil geblieben.

Erfreulich ist die Entwicklung in den Verwaltungsräten, wenn auch nur in sehr kleinen Schritten. Gesamthaft ist hier der Anteil Frauen gegenüber dem Vorjahr von 17 auf 19 Prozent gewachsen. Bei den vier teilnehmenden Kommunikationsfirmen stieg der Anteil von 14 auf 16 Prozent (siehe Tabelle unten). Trotzdem: Hier würden die Bemühungen noch nicht reichen. «In den kommenden Jahren muss die Wirtschaft den Frauenanteil im Verwaltungsrat um jährlich um mindestens drei Prozentpunkte erhöhen, um die Forderung der Politik nach 30 Prozent bis 2022 zu erfüllen», so Schilling an der Medienkonferenz.

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Auch in den Verwaltungsräten von Schweizer Topunternehmen ausserhalb der Kommunikation gibt es Frauen mit Kommunikationshintergrund. So ist beispielsweise Emmi-Verwaltungsrätin Diana Strebel Managing Partner von Strebel-Birt, einem Beratungsunternehmen, das auf Marken-, Kommunikations- und Marketingstrategie spezialisiert ist. Zuvor war sie unter anderem COO von Interbrand Europe, CEO von Wunderman und Chefstrategin der Publicis-Gruppe. Oder Catherine Mühlemann, die im Verwaltungsrat von Swisscom sitzt. Die selbstständige Medienmanagerin hatte leitende Positionen beim Schweizer Fernsehen, TV3 und MTV.

Trotzdem sind sie die Ausnahme. «Frauen mit einem Medien- oder Agenturhintergrund gibt es in den Verwaltungsräten noch sehr wenig», sagte Schilling zu persoenlich.com. «Die Kommunikations- und Marketingkompetenz wird bisher noch selten für die Verwaltungsräte nachgefragt.»

Kaderfrauen häufig extern besetzt

Zurück zum eigentlichen «Schilling-Report», der die 118 grössten Arbeitgeber untersucht. Daraus geht hervor, dass 67 Prozent der neuen männlichen Geschäftsleiter intern aufgestiegen sind. Bei den Geschäftsleiterinnen sind es nur 22 Prozent. «Wenn es im mittleren Kader keine Frauen gibt, kann man auch keine befördern», so Schilling vor den rund 20 anwesenden Journalisten im Prime Tower. Frauen, die von extern in eine Firma kommen, hätten jedoch einen doppelt so hohen Aufwand, um sich einzuarbeiten. So müssten sie einerseits das Unternehmen kennenlernen, andererseits teils sogar die Branche.

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Schilling ist jedoch guten Mutes, dass der Frauenanteil zulegt. «Ich bin sicher, dass wir bereits in fünf Jahren erste messbare Effekte sehen werden.» Mittlerweile würden immer mehr Unternehmen in zukunftsfähige Programme investieren, welche die Vereinbarkeit von Familie und Karriere für beide Geschlechter ermöglichen würden. «Im Alltag erlebe ich immer häufiger, dass sich Männer und Frauen die Familienarbeit teilen möchten», so Schilling.

Frauenanteil bei KMUs höher

Etwas besser in Sachen Frauenteil sieht es bei den mittelständischen Unternehmen aus. Dies zeigt eine im Hinblick auf den Weltfrauentag vom Donnerstag veröffentlichte Umfrage des Beratungsunternehmens EY bei 700 Schweizer KMUs. Daraus geht hervor, dass durchschnittlich knapp ein Fünftel (19 Prozent) der Geschäftsleitungsmitglieder weiblich sind. Vor zwei Jahren waren es noch 17,5 Prozent.

Rückläufig ist gemäss der EY-Umfrage die Zahl rein männlicher Führungsebenen: Der Anteil ist von 38 Prozent vor zwei Jahren auf heute 33 Prozent gesunken. Interessant sind auch die regionalen Unterschiede: In der Romandie ist jede vierte Führungskraft bei KMUs weiblich, in Zürich nur jede siebte. Dabei seien gemischte Teams sehr wichtig. «Unsere Erfahrungen in der Beratung zeigen klar, dass Unternehmen mit mehr Frauen in Führungspositionen Vorteile auf dem Markt haben», wird Robin Errico, Chief Risk Officer und Leiterin für Diversity & Inclusiveness bei EY in der Schweiz, in der Mitteilung zitiert. «Ihre Mitarbeitenden sind engagierter, ihre Unternehmenskultur wird offener, und die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit steigt», so Errico weiter.

Tatsächlich beschäftigen Unternehmen, die ihre Geschäftslage als «gut» bewerten und mit einer weiteren Verbesserung der eigenen Geschäftslage rechnen, 21 Prozent Frauen in der Führungsetage. Bei Unternehmen, die ihre Geschäftslage als «eher schlecht» oder «schlecht» bewerten und nicht mit einer Verbesserung rechnen, sind es nur 11 Prozent Frauen.



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