29.06.2011

"Wir wollen über unsere Arbeit wirken, nicht über unsere prominenten Namen."

Alt-Bundesrätin Ruth Metzler-Arnold meldet sich zurück. Das Time-out nach Novartis ist beendet. Zusammen mit den ehemaligen Weggefährten im Bundeshaus - Mediensprecher Hans Klaus und Daniel Eckmann - berät sie seit diesem Frühling wichtige Entscheidungsträger. Zum ersten Mal und exklusiv gibt Ruth Metzler-Arnold in Begleitung ihrer Partner Einblick in die neue Arbeit bei Klaus-Metzler-Eckmann. Zum Interview:
"Wir wollen über unsere Arbeit wirken, nicht über unsere prominenten Namen."

Ruth Metzler, seit diesem April sind Sie Partnerin einer Beratungsfirma für Strategie, Führung und Kommunikation. Ihre Partner sind Hans Klaus und Daniel Eckmann. Wie läuft es?

Ruth Metzler: Wir sind prima gestartet und sehr zufrieden. In den zwei Monaten haben wir einzeln und gemeinsam anspruchsvolle Mandate erhalten. Die Kontakte zu den Klienten bauten Hans und ich zum Teil schon früher auf. Wir waren bereits vorher als selbständige Berater tätig, Daniel war bis Ende März noch bei der SRG im Wort.

Hans Klaus: Der Start unserer Beratungsgemeinschaft hat enorm viele gute und sympathische Reaktionen ausgelöst. Wir wurden effektiv etwas überrannt von der Zahl und den vielen konkreten Anfragen.

Haben Sie nicht mit diesem Ansturm gerechnet?

Daniel Eckmann: Wir sind natürlich nicht mit geschlossenen Augen in einen Teich gesprungen. Im Gegenteil. Durch unseren beruflichen Background konnten wir schon im Voraus abschätzen, wie und wo wir uns im Markt positionieren. Wir beraten in Bereichen, in denen wir selber in der Führungsverantwortung gestanden haben. Damit bringen wir einen wertvollen Erfahrungshintergrund ein und kennen auch die Einsamkeit von Chefs vor schwierigen Entscheiden.

Wer zählt zu Ihren Kunden?

Ruth Metzler: Unternehmen, Organisationen und Personen aus der Privatwirtschaft sind unsere Klienten. Namen wollen wir ganz bewusst keine nennen. Diskretion ist zentraler Teil unseres Credos.

Noch sind Ihre Kunden nicht die Politik. Würden Sie aber auch einen Politiker unterstützen?

Ruth Metzler: Ich habe nach dem Ausscheiden aus dem Bundesrat ganz bewusst in die Privatwirtschaft gewechselt. Aber selbstverständlich wäre es für uns auch spannend, eine Regierung oder Verwaltungseinheiten zum Beispiel in strategischen, politischen oder strukturellen Fragen zu beraten, oder sogar einen Regierungsratskandidaten in seinem Wahlkampf zu coachen.

Sie geben normalerweise keine Interviews zu Ihrer Firma. Warum verhalten Sie sich so defensiv?

Ruth Metzler: Nein, defensiv sind wir nicht, sondern einfach diskret. Wir wollen unsere Arbeit machen und darüber wirken, nicht über unsere prominenten Namen. Es ist nicht unser Ziel, so viele Klienten wie möglich zu gewinnen, sondern jene die zu uns kommen ganz persönlich und mit hoher Qualität zu beraten und zu begleiten. Unsere Organisation ist klein und effizient.

Daniel Eckmann: Im Vordergrund stehen die Kunden, die Berater gehören in den Hintergrund. Es geht um sie und nicht um uns.

Sie sind sich gewohnt, im Mittelpunkt oder an der Front zu stehen. Fällt Ihnen diese Zurückhaltung schwer?

Alle: Nein, überhaupt nicht.

Die Nachfrage ist gross, sagen Sie. Ist es da nicht verlockend, die Firma zu vergrössern?

Ruth Metzler: Nein. Wir haben kürzlich einem ausländischen Mandanten erklärt: "The three of us, we are the company". Das soll auch so bleiben.

Dann haben Sie auch kein Sekretariat?

Ruth Metzler: Wir sind uns gewohnt, selber Texte zu verfassen. Meine Agenda organisiere ich zudem am liebsten selber.

Hans Klaus: Auch die "Espresso-Tassli" waschen wir selber ab, wobei sich hier der Spass in Grenzen hält. (Lacht).

Daniel Eckmann: Unsere Köpfe machen uns aus und das widerspiegelt sich auch im Firmennamen. Es ist uns wichtig, dass der Klient weiss, dass wenn er einen, zwei oder auch alle drei von uns als Berater hat, dann beraten wir ihn oder sie persönlich, und zwar von A bis Z. Beratung ist an beiden Enden individuell, daran halten wir uns.

Sie sprechen den Namen an. Er folgt keiner alphabetischen Logik und ist auch nicht originell oder spritzig. Wie kamen Sie auf Klaus-Metzler-Eckmann?

Ruth Metzler: Hans Klaus ist unser leitender Partner, deshalb steht sein Name am Anfang. Eckmann fanden wir vom Klang her schön am Schluss. Wir überlegten, ob wir den Namen auf KME abkürzen sollten. Aber da unsere Namen auch Programm sind, haben wir die Idee wieder verworfen.

Gibt es potentielle Kunden, die Sie nicht betreuen würden?

Hans Klaus: Es gibt keinen Wirtschaftszweig oder keine Personengruppe, die wir per se ablehnen würden. Trotzdem prüfen wir die Projekte vorgängig sehr genau, diskutieren darüber und lehnen auch mal ab, wenn wir das Gefühl haben, dass jemand nicht zu uns passt zum Beispiel aus ethischen Gründen.

Würden Sie sich auch einsetzen für Personen mit politisch brisanten Anliegen wie beispielsweise solchen aus der Atomthematik?

Daniel Eckmann: Das muss man von Fall zu Fall neu entscheiden. Wir besprechen alle Mandate vorher miteinander und klären ab, ob es einen Interessenskonflikt gibt und ob wir uns für diesen oder jenen Kunden einsetzen wollen. Ein Thema als Thema schliessen wir aber nicht a priori aus, es sei denn, es geht in einen illegalen Bereich oder ist gegen unsere ethischen Prinzipien. Energiefragen gehören zu den wesentlichen Themen unserer Zeit und müssen selbstverständlich ein Thema sein können. Die Frage stellt sich beim "was genau und für wen".

Ruth Metzler: Interessenskonflikte sind zudem ein wichtiges Thema für uns. Nicht nur in Bezug auf verschiedene Beratungsmandate, sondern auch Verwaltungsratsmandate und Beratungsmandate. Als es konkret darum ging, ob ich das Präsidium des Osec-Verwaltungsrates übernehmen sollte, habe ich mich mit Bundesrat Johann Schneider-Ammann und mit dem Seco besprochen, inwiefern wir durch mein VR-Mandat bei der Osec bei allfälligen Mandaten in der Bundesverwaltung ausgeschlossen wären. Das ist mit Ausnahme des Seco grundsätzlich kein Problem.

In welchen Bereichen beraten Sie Ihre Kunden?

Daniel Eckmann: Wir machen Strategie, Führung und Kommunikation. Das sind drei Dimensionen, die zusammen gehören. Wenn man dies als Ganzes sieht, dann kommt man weg vom Schema, dass Kommunikation das ist, was übrig bleibt, wenn jemand gehandelt hat. Führung ist nicht ein isolierter Akt und eine Strategie kann man nicht hors sol entwickeln. Probleme kann man eben nicht in Silos abfüllen und dann je einen Spezialisten holen. Probleme sind oft ein System, weshalb auch die Lösung umfassend gedacht werden muss.

Ruth Metzler, als alt-Bundesrätin sind Sie die Prominenteste im Team. Kommen die meisten Kunden dank Ihnen?

Ruth Metzler: Das kann man so nicht sagen. Mein Name gab unserer Firma sicher eine gute Visibilität. Aber wir alle haben ein grosses Netzwerk und Leistungsausweise, die bekannt sind.

Aber von Ihnen stammte die Idee zusammen eine Firma zu gründen?

Ruth Metzler: Das stimmt. Aber erst, nachdem mich Hans zweimal anfragte, ihn bei einem Mandat zu unterstützen. Am Anfang war ich noch in meiner Auszeit nach Novartis und wollte nicht darauf einsteigen. Später fand ich daran gefallen. Aus unserer gemeinsamen Zeit im Bundeshaus und bei der Schweizer Sporthilfe blieb auch die Freundschaft zu Dani. Bei einer von ihm gekochten - und bereits legendären - Fischsuppe in Murten entschieden wir uns für die heute existierende Zusammenarbeit.

Wie unterscheiden Sie sich sonst noch von den Mitbewerbern?

Hans Klaus: Die Unterschiede liegen in der Komplementarität unserer Biografien. Wir sind es uns gewohnt in komplexen Problemstellungen für die verschiedensten Bereiche und Themen tätig zu sein; dies sowohl national wie auch im internationalen Umfeld. Zudem hilft uns unsere "kleine Grösse" absolut schnell auf heftige Ereignisse beim Klienten reagieren zu können.

Ruth Metzler: Wir verkaufen nicht primär Konzepte oder verfassen Strategiepapiere. Sondern wir tauschen uns mit unseren Mandanten aus und aus dem Gespräch ergeben sich Lösungen für ihn.

Daniel Eckmann: Häufig geht es um eine genau reflektierte Aussensicht. Und hier sind unsere Erfahrung und Unabhängigkeit von Vorteil. Es hilft uns und vor allem den Klienten, dass wir alle selbst schon in schwierigen Lagen geführt haben und sowohl die Schrammen als auch den Erfolg kennen. Da liegt viel Beratungspotenzial drin, denn die Innensicht baut zwar auf enorm viel Wissen, hat aber oft auch blinde Flecken, weil man in Routinen, Interessen und Rollen gefangen ist.

Sie haben drei verschiedene Standorte. Warum arbeiten Sie nicht auch räumlich zusammen?

Ruth Metzler: Die Standorte Murten, Appenzell und Zürich sind aufgrund unserer Lebensmittelpunkte entstanden. Selbstverständlich treffen wir uns regelmässig und tauschen uns intensiv aus. Das Modell ist vergleichbar mit jenem von Anwaltskanzleien. Unsere Standorte führen auch zu Vorteilen in der regionalen Verfügbarkeit.

Wo möchten Sie Ende Jahr stehen?

Ruth Metzler: Wir sind gut gestartet. Es soll so weiter gehen, nicht nur bis Ende Jahr, sondern längerfristig. Wir alle sind auch offen für allfällige Verwaltungsratsmandate, die durchaus ein Teil jeden einzelnen Portfolios sein können.

Daniel Eckmann: Unser Ziel ist es, eine sehr individuelle, auf den Fall bezogene, nicht recyclierte Beratung zu bieten und uns stark als Person einzubringen. Bisher wurde genau das geschätzt. Es wäre schön, wenn das nicht nur das Feedback der ersten Stunde ist, sondern bis zur letzten Stunde so bleibt.

Hans Klaus: Dass wir den heutigen hohen "Spassfaktor" und die Leidenschaft mit den unterschiedlichsten Menschen zu arbeiten, beibehalten können. Unsere positive Ausstrahlung wirkt sich auch auf die Klienten aus.

Das ganze Interview lesen Sie in der Juli-Ausgabe von "persoenlich"-Heft.

Bild: Hans Klaus (zuletzt FIFA Direktor für Kommunikation und Public Affairs), alt-Bundesrätin Ruth Metzler-Arnold, Daniel Eckmann (zuletzt Stv. Generaldirektor und Mitglied der Geschäftsleitung des Medienunternehmens SRG SSR).

Interview: Christine Schnyder


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