TV-Kritik

Magazin nur für Autofans mit viel Zaster

Egal, ob man auf Autos steht oder nicht: Faszinierend und aufregend sind sie alleweil, die Luxuskarossen und Supersportwagen. Ich sehe sie gern. Autofans dürfen nun wöchentlich mit dem neuen Magazin «Garage 21» träumen (sonntags, 19.30 Uhr, SRF 2). Produziert wird dieses von der Autoredaktion des Stuttgarter Medienhauses Motor Presse. Das Format ersetzt im Schweizer Fernsehen – für ein kleines Publikum – die Autosendung «Tacho». Diese wurde nicht wegen mangelnder Qualität eingestellt. Das von der Berner Firma V12media-productions produzierte Magazin war dem Sparpaket der SRG zum Opfer gefallen (persoenlich.com berichtete). Die Deutschen können es halt günstiger machen.

Es wurde rasch klar: Wer bei «Garage 21» die Erprobung von Kleinwagen oder Kindersitzli erwartet, sitzt im falschen Film. In der ersten Folge zogen die Stuttgarter den Schweizer Autoliebhabern reichlich Speck durch den Mund. Es wurden ausschliesslich Luxusschlitten vorgeführt und getestet, die sich nur Leute mit Höchsteinkommen oder Millionenvermögen leisten können. Für Besitzer ebensolcher startete das Magazin «bescheiden»: Auf den Strassen der Arabischen Emirate wurde der erste vollelektrische SUV von Audi erprobt. Kostenpunkt: ab 90’000 Franken. Der Tester (in Begleitung eines Audi-Experten...) fand nur lobende Worte: «Der Wagen ist leiser als eine Nähmaschine!» Ein Super-Werbespot für den Autohersteller aus dem bayerischen Ingolstadt.

Viel teurer wurde die Präsentation des Mercedes «AMG GT R». Der deutsche Autorennfahrer Christian Menzel testete den Sportwagen auf der Rennstrecke und fuhr schneller, als sein Schutzengel fliegen kann. Kein kritisches Wort, nur helle Begeisterung: «Ein Wahnsinn, wie schnell dieses Auto ist!» Der Luxusflitzer braucht beim Sprint auf 100 Stundenkilometer nur 3,5 Sekunden. Er ist ab rund 220’000 Franken zu haben. Ein Fall für Männer wie Jürg Marquard oder Hausi Leutenegger. Für die zweite «Garage 21»-Ausgabe wurden Tests von weiteren, für Normalbegüterte unerschwingliche Prunkautos angekündigt.

Ja, einen Newsblock gibt es bei «Garage 21» auch: Darin wurde unter anderem vermeldet, dass der Mercedes AMG One nicht wie vorgesehen dieses Jahr, sondern frühestens 2020 ausgeliefert werden kann. Hürde: Der Einhalt der Dieselvorschriften. Preis: 3,3 Millionen Franken.

Einziges Filmli mit Schweizer Bezug in der neuen Sendung: Ein Oldtimersammler auf der Fahrt mit seinem britischen Sportwagen «Marcos GT». Der Ostschweizer: «Dieser gehört zur Familie wie Frau und Kinder.» Zu wenig Schweiz. Solche Einzelbeiträge werden auf die Dauer nicht genügen.


René Hildbrand
René Hildbrand ist Journalist, langjähriger Fernsehkritiker und Buchautor. Während 27 Jahren war er für «Blick» tätig, danach Chefredaktor von «TV-Star».

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Kommentare

  • Rudolf Penzinger, 19.08.2019 07:56 Uhr
    "Der Tester (in Begleitung eines Audi-Experten...) fand nur lobende Worte." - Hat jemand von einem so genannten "Motorjournalisten" je etwas anderes gehört als lobende Worte über die diversen Benzinkisten? Der Auto-Journalismus gilt nicht umsonst als die korrupteste Abteilung des Mediengeschäfts.
  • Victor Brunner, 19.08.2019 09:11 Uhr
    Mobilität mit Auto ist heute das grosse Thema und da bringt SRF 2 zu einer guten Sendezeit "Garage21". Sendung ohne wirklichen Informationswert, einen Autotest in VAE, Bedingungen nicht mit Schweiz vergleichbar und den johlenden Journalisten. Einmal mehr erfüllt SRF bei einem wichtigen Thema sachgerecht zu informieren nicht und speist mit Junkfood ab! Da war Sahle mit seiner einfachen Autofreude noch besser!
  • Arthur Meyer, 19.08.2019 10:40 Uhr
    Zeitungen sind auf Inserate angewiesen. Das merkt man am besten auf ihren Autoseiten. Es soll auch in der Schweiz schon vorgekommen sein, dass allzu auto-kritische Blätter vom Autohandel mit einem Inseratenboykott belegt wurden. Das gebührenfinanzierte Fernsehen könnte sich mehr Unabhängigkeit leisten als die Printmedien und durchaus kritisch über den Automarkt berichten - wenn es nur wollte! Wieder eine verpasste Chance von SRF!
  • Beat Fux, 20.08.2019 09:23 Uhr
    @Rudolf Penzinger: Im TV habe ich selten kritische Autojournalisten gesehen. Hier spielt die Musik bei YouTube: "Autogefühl" bringt lange und ausgewogene Berichte, "Ausfahrt TV" ebenso. Ein besonderer Leckerbissen ist der Pole "Marek Drives", der kein Blatt vor den Mund nimmt, einen feinen Humor hat, und sehr transparent und fair berichtet. So sagt er in einem Beitrag, dass er keine Testwagen von Mercedes mehr erhält, seit er einmal nicht (nur) positiv über einen Mercedes berichtet hat. Autojournalismus gehört wohl nichts ans TV. Da bin ich mit Ihnen einig.
Zum Seitenanfang20190920