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Abgang eines Staatsmanns

Matthias Ackeret

Als am Sonntag die Abwahl von CVP-Ständerat Filippo Lombardi bekannt wurde, zeichnete sich dieser durch eines aus: Gelassenheit. Doch nach einer ersten Schockstarre, so ein Vertrauter, habe er realisiert, was dieses Resultat wirklich bedeute: der Abschied von Macht und Bundesbern. Lombardi kann sich wenigsten auf die Fahne schreiben, dass seine Nichtwahl als eines der prägendsten Ereignisse des Wahljahres in Erinnerung bleibt.

45 Stimmen – was einer mittleren Werbeagentur entspricht – haben die Kommunikationsbranche, die einen weitaus grösseren Umsatz als die Landwirtschaft generiert, ins Elend gestürzt. Künftig wird im Parlament niemand mehr deren Interesse wahren. Oder zumindest so gewichtig. Als Präsident des Fachverbandes Kommunikation Schweiz kämpfte der 63-Jährige unentwegt gegen «unsinnige» Werbeverbote. Es ist zu befürchten, dass nach den Werbeverboten beim Tabak in den nächsten vier Jahren auch das Auto, die Reise- oder Nahrungsmittelbranche im Visier linksgrüner Ideologie stehen. Lombardi hätte dies nicht verhindert, doch mit seiner Prä- senz, seinem taktischen Geschick und vor allem seiner Erfahrung als Fernsehunternehmer hätte er zumindest Gegensteuer geben können. Aber der Konjunktiv existiert in der grossen Politik nicht, da sind 45 Stimmen gewichtiger.

Mit Filippo verbindet mich einiges. Mit ihm hatte ich meinen ersten Businesstreff als selbstständiger Verleger. Strategisch geschickt trafen wir uns kurz nach 22 Uhr im Hotel Schweizerhof beim Zürcher Hauptbahnhof. Weltmann Lombardi kam direkt von einem Treffen mit Weltmann Gorbatschow aus Oerlikon. Nicht ohne Stolz zeigte er das gemeinsame Selfie. Und jetzt – genau fünf Jahre später – kann Lombardi wie Gorbi für sich in Anspruch nehmen, dass er nie populärer war als bei seinem Abgang. Manchmal ist Dialektik tröstlich. Alles Gute, grosser Staatsmann!



Matthias Ackeret ist Verleger und Chefredaktor von «persönlich».

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Kommentare

  • Victor Brunner, 25.11.2019 09:14 Uhr
    Artikel: "beim Tabak in den nächsten vier Jahren auch das Auto, die Reise- oder Nahrungsmittelbranche im Visier linksgrüner Ideologie stehen". Geehrter Ackeret, verstehe dass die Abwahl von ihrem Freund Lombardi wehtut. Er war und ist ein hervorragender Strippenzieher und hat für die Kommunikationsbranche wie für sich, pflegliche Behandlung durch die Justiz, viel erreicht. Nun warnen sie vor den "links-grünen Ideologen" und prügeln den Überbringer der schlechten Botschaften: Tabak, Tote zuhauf, Kosten Milliarden von der Allgemeinheit getragen. E-Zigaretten: bereits die ersten Unfälle und Toten. Auto: Softwaremanipulation, unrealistische Verbrauchswerte, PS Protzerei. Nahrungsmittel: Landwirtschaft: Pestizide, Antibiotika, zuviel Zucker. Das Problem sind doch nicht die "Ideologen" sondern Unternehmen die fragwürdige Produkte herstellen und ihrer Verantwortung nicht gerecht oder ungenügend gerecht werden. Die Kommunikationsbranche erarbeitet Kampagnen für solche Produkte, ist sie deswegen rechts/schwarz und ideologisch? Nein, genau so wenig wie Leute die sich für gute Produkte und Gesundheit einsetzen per se links/grüne Ideologen sind! Als Mann der Kommunikationbranche erwarte ich von ihnen eine differenzierte Betrachtung! Betrachten sie die Abwahl von Lombardi als Chance für die Branche. Ein neues, fähiges Gesicht suchen, in Bern wimmelt es von Leuten die noch ein Mandätli suchen! Wünsche Ihnen eine schönen Tag und der Branche Erfolg bei der Suche nach einem neuen Gsicht! Victor Brunner Noch ein Hinweis, Lombardi hat sich die Abwahl selber zuzuschreiben, er war zuwenig vor Ort und der Wiederwahl zu sicher, eine Form von "Kommunikationspanne!".

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