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Armin Walpen, ich lebe noch

Roger Schawinski

Lieber Armin Walpen, Mein Verfalldatum ist abgelaufen. Es ist aus und vorbei mit mir. Zumindest hast Du dies verbreitet. "Herr Schawinski ist jenseits der biologischen Grenze", hast Du in einem Interview in der "Berner Zeitung" vor kurzem erklärt.  Und dann hast Du noch nachgedoppelt: "Auch wenn er es selber noch nicht gemerkt hat." Nun, diese Zeilen schreibe ich Dir trotz meines SRG-Status als "Dead Man Walking". Besorgte Anfragen über mein Ableben konnte ich als relativ stark übertrieben zurückweisen. Noch hat mich die Altersschwäche nicht hingerafft, die gemeinhin als biologische Grenze bezeichnet wird. Aber ich weiss natürlich, was Du wirklich gemeint hast. Für einen lebenslangen Apparatschik ist die drohende Pensionierung mehr als nur der Beginn der Bedeutungslosigkeit. Es ist eine Form des Auslöschens. Tschüss, und aus. Keine Limousine mit Chauffeur mehr, keine automatische Gratis-Logentickets bei allen wichtigen Veranstaltungen, keine launige Treffen mit Bundesräten. Alles, was das Leben bisher lebenswert gemacht hat, ist mit einem Schlag weg. Vom Olymp saust man direkt in die ewigen Jagdgründe, wenn man erstmals realisiert, dass man nicht als Person, sondern nur als Funktion Bedeutung hatte. Und dies droht Dir nun. Denn das ist die Regel in der SRG, der Du zurzeit noch vorstehst. Dort wird man mit 62 zwangspensioniert. Und das ist bei Dir nächstes Jahr der Fall. Du stehst also knapp vor dem Cheftod, Deiner biologischen Grenze. Ich hingegen – zu Deiner Information – erfreue mich als 63 Jähriger an einer meiner schönsten Schaffens- und Lebensphasen. Denn kreative Leute werden nie pensioniert. Roger Schawinski
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