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Peter Birrer: Eine Postkarte von der Euro

Ich besuche als Berichterstatter die mittlerweile neunte Fussballendrunde und weiss inzwischen, dass ich mit allerhand rechnen muss. Vor der Euro in Frankreich dominiert wegen der Terroranschläge im November 2015 das Thema Sicherheit. So ist es denn auch in den Tagen vor der EM-Eröffnung, gerade in Paris. Ich begreife nicht alles, einige Massnahmen kommen mir als Demonstration des Sicherheitsapparats vor. Aber ich habe gleichzeitig Verständnis. In Paris vermischen sich die Gefühle ein erstes Mal.

Kaum bin ich nach dem Eröffnungsspiel im TGV von Paris nach Marseille gereist und direkt zum Stadion Vélodrome gelangt, hört man vor dem Spiel England-Russland erste Gerüchte von Krawallen am Vieux Port. Ich denke mir noch nicht viel dabei und verfolge in einem Restaurant beim Stadion vor einem Bildschirm die letzten 20 Minuten von Schweiz-Albanien. Alles ruhig, friedlich.

In Tat und Wahrheit prügeln sich zu der Zeit Fussball-Anhänger am Vieux Port. Nachher werden die Behörden von russischen Hooligans sprechen, die Engländer angegriffen hätten. Ein Hooligan-Experte ortet «paramilitärische Aktionen».

Vor dem Spiel England-Russland ist die Informationslage zunächst diffus. Doch es wird immer deutlicher, wie schwerwiegend die Vorfälle sind. Nach dem Spiel kommt es auch im Stadion zu Übergriffen und Fluchtbewegungen, doch das beruhigt sich relativ schnell. Vor dem Stadion merke ich danach, wie sich Gefühlslagen vermischen – und wie sie einen überfordern: Sicherheitsmassnahmen wegen Terrorgefahr, dazu Kampf gegen Hooligans, Alarmsirenen, ein Korso von Polizeiwagen, verwirrtes Publikum. Marseille ist gespenstisch an jenem Samstag. Fussball?

Peter Birrer arbeitet seit 2002 in der Sportredaktion der «NZZ am Sonntag». Während der Fussball-Europameisterschaft berichtet er für die Zeitung aus Frankreich.


Die Euro 2016 auf persoenlich.com

In der Blog-Serie «Postkarte von der Euro» erzählen verschiedene Korrespondenten von Schweizer Zeitungen in loser Folge Anekdoten von ihrer Arbeit in Frankreich. Der erste Blog-Post von letzter Woche stammt von «Tages-Anzeiger»-Videoreporter Sebastian Rieder. (red)

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