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Köppel und Ahmadinedschad

Roger Schawinski

Die beiden Herren sind sich einig: Die Souveränität des eigenen Staates ist das höchste aller Güter, das es unter allen Umständen zu schützen gilt. Diesen identischen Kampfschrei verkünden sie lautstark über ihre jeweiligen Lautsprecher. Eingriffe von aussen ­ etwa von solch fragwürdigen Gebilden wie der internationalen Staatengemeinschaft - sind deshalb aus grundsätzlichen Gründen abzulehnen, erklären sie. In beiden Fällen geht es um explosive Themen. In Iran ist es das Anrecht auf die eigene Atombombe, in der Schweiz das Festhalten am Bankgeheimnis gemäss dem tradierten und weltweit erfolgreichen schweizerischen Steuerhinterzieher-Modell. Beide Vordenker propagieren ein identisches Vorgehen: Man soll die Krise aussitzen und alle Angriffe abprallen lassen. Auf keinen Fall dürfe dem äusseren Druck nachgegeben werden. Der Furor, mit dem sie ihr Anliegen vertreten, ist beinahe deckungsgleich. Natürlich gibt es gewisse klitzekleine Unterschiede. So ist der Machtbereich von Mahmud Ahmadinedschad etwas grösser als derjenige von Roger Köppel. Auch die demokratischen Prozesse sind in beiden Ländern nicht ganz vergleichbar. Und Ahmadinedschad hat seine Mullah etwas besser unter Kontrolle als Köppel den Bundesrat (zumindest seit der Abwahl seines politischen Idols und wichtigstem Werbekunden). Und ausserdem hat er etwas mehr Power, um seine Anliegen durchzusetzen. Daher stehen die Erfolgschancen für den Herrn in Teheran wohl leicht besser als für seinen Geistesbruder von der Förrlibuckstrasse 70 in Zürich. Aber der wird es sicherlich verschmerzen und sich bald auf ein neues Thema schmeissen. Auch diese Krise n existe pas.
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