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Laufzeit der medialen Erregung

Matthias Ackeret

Die «Weltwoche» forderte vergangene Woche, dass die Geschichte der Pandemie neu geschrieben werden muss. Der Grund: Hersteller und Behörden gäben zu, dass der Covid-Impfstoff nicht gegen Ansteckung und Übertragung schütze. Obwohl sie dies wirklich nicht vollständig tun, verfängt das Thema (noch) nicht so richtig: Corona ist bei Medien, Politik und Leserschaft aus dem kollektiven Erregungsmuster gefallen.

Und jede Erregung – so lehrte bereits «die liebe Marta» – hat eine Ablaufzeit und ist unteilbar, dasselbe gilt auch bei der medialen. Konkret: Der Ukrainekrieg hat die Pandemie abgelöst, Treichler werden wieder als eine Folkloregruppe wahrgenommen. Da mag selbst das Horrorszenario einer «Impflüge» keinen Schrecken mehr erzeugen. Diejenigen, die wegen Corona zwei Jahre im Bunker harrten, sind immer noch dort: Diesmal aus Angst vor dem Atomschlag. Doch – so zeigt die Erfahrung – auch dieses Thema dauert nicht ewig. 

Gleiches könnte mit der Klimaerwärmung passieren, die bereits zur Apokalypse hochgeschrieben wurde. Die aktuelle SRG-Wahlprognose zeigte dieser Tage, dass die Grünen als deren Heilsbringer massiv in der Wählergunst verloren haben, da nützen selbst angeklebte Demonstranten und verschmierte van Goghs nichts. Was bedeutet, dass sich das Publikumsinteresse langsam anderen Themen wie Jobsicherheit, Rezession oder Inflation zuwendet, allen meteorologischen Schreckensszenarien zum Trotz. Ein berühmter Werbeslogan lautete «Glatt für alli», Glättli hingegen gilt für immer weniger.


Matthias Ackeret ist Verleger und Chefredaktor von persönlich und persoenlich.com.

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Kommentare

  • Matthias Abderhalden, 31.10.2022 19:14 Uhr
    Lieber Herr Ackeret Ihre differenzierten Beiträge schätze ich sehr und glaube zu wissen, dass Sie inzwischen die jugendliche Unschuld und Naivität die uns auch nach der Vollendung unseres 18.Lebensjahres noch lange begleitet längst hinter sich gelassen haben. Somit dürfte ihnen klar sein, dass eine transparente und vor allem unabhängige(!) Aufarbeitung all dieser unseligen Covidmassnahmen von weiten Teilen der Politik, Pharmalobby sowie der Mainstreampresse aktiv behindert wurde und wird. Mir als ehemaligem überzeugten SP-Wähler kommt es grotesk vor, dass lediglich die SVP einen kritischen Blick auf die absurde und milliardenteure Coronapolitik wirft. Wo bleibt das Journalistenethos all dieser Journalisten, die Kritiker dieser Coronapolitik mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln mundtot gemacht haben? Die Menschen wie mich, die gerne bis heute auf diese sogenannten "Impfstoffe" verzichten zu hirnlosen Idioten oder Massenmördern hochstilisiert haben..? By the way: Sogar mein eigener Hausarzt hat auf diese RMNA-Impfstoffe verzichtet und nein, weder er noch ich sind per Se Impfgegner. Aber beide sind wir aufgrund einer gewissen Lebenserfahrung nicht mehr so pharma- und behördengläubig wie als junge Studenten. Bedenkt man, mit welchem Mut und unbedingter Unabhängigkeit Investigativjournalisten den Watergateskandal aufgedeckt haben, frage ich mich, was aus dem damaligen Journalistenethos geworden ist! Es wäre also m.E. jetzt auch Ihre Aufgabe, einen ebenso kritischen Blick auf die menschen- und demokratieverachtende Coronapolitik zu werfen wie die Weltwoche.. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen weiterhin die nötige Zivilcourage, die unabhängiger Journalismus heute noch nötiger hat als 1960. Mit freundlichem Gruss M. Abderhalden
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