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Manches Mal kommt Grosses vor dem Grossen

Manfred Klemann

Ich staune. Ich stehe am Worldwebforum 2020 (WWF) in einer der grossen, umgebauten Industriehallen in Oerlikon, und all die Topshots der mobilen und digitalen Branche der Welt sind versammelt. Fabian Hediger, der das Forum begründet hat, steht gut gelaunt an einem der stylishen Stehtische und macht Meet-and-greet. Nach einem kauzigen Vortrag verlässt eben Joschka Fischer das Podium, um sich eine Stunde unter die Gründer und Erfinder zu mischen. Brittany Kaiser von Cambridge Analytica – der Firma, die mit Facebook-Daten im US-Wahlkampf geholfen hat, Donald Trump an die Macht zu bringen – gibt ein offenherziges Interview mit persoenlich.com.

Roger Hallam, der Gründer der aufsässigen Extinction Rebellion, fordert die digitalen Exekutiven zum Mitmachen auf, wenn es um die Revolution für eine ökologisch-ökonomische Wende geht. Und Inspiration von den (oft gar nicht mehr so jungen) Rebellen der digitalen Welt holen sich auch klassische CEOs wie der Ricola-Chef Thomas Meier, Martin Waeber von Immoscout24 (eines der ersten digitalen Grossportale in Europa, das schon im letzten Jahrtausend gegründet wurde) oder selbst Sepp Blatter, zwar nicht Gründer der Fifa, aber deren Erwecker, um daraus einen Milliardenkonzern zu basteln.

Ein Milliardenkonzern wird bei den Start-ups «Einhorn» genannt. Und jemand wie die Schweizerin Sunnie Groeneveld könnte dies mit ihrem Start-up Inspire 925 durchaus schaffen; wenn man sie auf dem Parkett des WWF 2020 sieht, erkennt man ihre totale Kompetenz und die wichtigste Fähigkeit für Leader 2020: sich zu vernetzen. Und Dinge auf den Punkt zu bringen.

Am WWF tummeln sich die digitalen Topshots der Schweizer Post, von Siemens München, der innovativen Banken, von Lyft aus San Francisco oder vom Schweizer Fernsehen (gesehen: Reto Brennwald). Natürlich ist auch mein «persönlich»-Verleger Matthias Ackeret in eifrige Gespräche mit Macherinnen und Machern der digitalen Welt vertieft. Nichts scheint ihm wichtiger, als die Berichterstattung über die digitale Schweiz auszubauen und auf den Punkt zu bringen.

Ich gebe zu, ich habe ein Faible für Ideen und Menschen, die Treffpunkte wie diesen schaffen. Hier war die Idee einfach (nur, man muss sie dann eben durchziehen): Da die klassischen Mächtigen aus Wirtschaft und Politik sich in der dritten Januarwoche in Davos treffen, machen wir ein Meeting der neuen Wirtschaft am Donnerstag und Freitag vor dem WEF. So können die jungen Wilden, längst selbst millionenschwer oder auf dem Weg dorthin, sich zwei Tage aufladen mit Ideen und Gedanken, dann vielleicht entspannen an einem Skiwochenende in den genialen Schweizer Alpen und sich schliesslich am altehrwürdigen WEF mit dem alten Geld und den Altmeistern aus Politik und Wirtschaft treffen.

Diese Tage in Zürich-Oerlikon sind voller Inspiration und Begegnung. Schön zu sehen, dass gerade hier die Handygeneration ihre Handys auch mal weglegt und den Rednern an den verschiedenen Meetings zuhört. Denn das Beste wird immer noch «face-to-face» vermittelt. Sprechen wir miteinander. Tauschen wir uns aus. Und machen wir gemeinsame Sache, um den Planeten Erde liebevoller und schöner werden zu lassen. Oder um ihn einfach nur zu retten. Dank also an die beiden Gründer, und vor allem an Fabian Hediger, dass sie diesen Event Jahr für Jahr erfolgreicher auf die Beine stellen.



Manfred Klemann ist Serial Entrepreneur und einer der Pioniere des europäischen Internets (wetter.com). Er ist mit 20 Prozent an C-Films beteiligt, welches den «Zwingli»-Film produziert hat. Zudem ist er Miteigentümer des «persönlich»-Verlags.

Unsere Kolumnisten vertreten ihre eigene Meinung. Sie deckt sich nicht in jedem Fall mit derjenigen der Redaktion.

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