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Sparen allein genügt nicht mehr

Pierre Rothschild

Sicher fiel es den Kader-Leuten von CH Media nicht einfach, einen merkbaren Stellenabbau zu beschliessen. Doch das ist eine Linderung des Problems, niemals die Heilung.

CH Media ist finanziell auch nach dem Zusammenschluss ohne die grossen liquiden Mittel, die man braucht. Ob die Familien um Dr. Supino und vor allem um Michael Ringier: Sie haben die Weichen schon vor einigen Jahren gestellt. Märkte, die immer kleiner werden und in alter Form nie wieder zurückkommen, kann man nur mit Zukäufen kompensieren. Wenn man als Medienunternehmen auch in 20 Jahren – und mehr kann man schon gar nicht planen – gut dastehen will, dann geht es nur mit einer vollen Brieftasche.

Weit über eine Milliarde Franken hat die Familie Ringier in die digitale Zukunft gesteckt. Damit ist das Haus mittelfristig gut aufgestellt. Bei Axel Springer, wo man den gleichen Weg ging, sprechen die aktuellen Zahlen eine klare Sprache: Der Konzern profitierte erneut vom Digital-Geschäft. Dessen Beitrag zum Gewinn stieg auf 81,2 Prozent. Diese Aktivitäten steuerten zudem gut 69 Prozent des Konzernumsatzes bei sowie mehr als 85 Prozent der Werbeerlöse.

CH Media kann noch so viel sparen – die Lösung kann es nicht sein. Auch nicht Fernseh- und Radiosender wie TV 24 oder Virgin Radio, die wenig beachtet werden.

Die schnellen Manager wie Dr. Pietro Supino und Marc Walder haben die Filetstücke gekauft. Aber noch immer gibt es digitale Möglichkeiten, im Inland allein müssen sie nicht sein. Aber da muss CH Media vorerst passen, es sei denn, man stellt das Gemeinschaftsunternehmen auf eine ganz andere finanzielle Basis.

In der Schweiz wollte man in der Vergangenheit oft den Meister, ohne das Lehrgeld zu bezahlen. Diese Zeiten sind für immer vorbei.


 Pierre Rothschild ist freier Medienunternehmer in Zürich in den Bereichen Filmproduktion und Presse.

Unsere Kolumnisten vertreten ihre eigene Meinung. Sie deckt sich nicht in jedem Fall mit derjenigen der Redaktion.

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Kommentare

  • Sebastian Renold, 24.11.2018 16:09 Uhr
    Wie hiess doch im alten Österreich das Stossgebet, wenn es einem an den nötigen Geldmitteln fehlte?: "Der Rothschild sollte man sein!"

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