Bild: Keystone, Karl-Heinz Raach
Diese Kampfansage bleibt nicht ohne Folgen; die Schweizer Agenturen wappnen sich. Verstärkung von Digital-Know-how, so beispielsweise ein Rezept von Advico Y&R und Jung von Matt/Limmat. Erste fusionierte zwecks Synergienutzung den Standort Zürich mit demjenigen in Genf, während JvM/Limmat mit Roman Hirsbrunner auf einen neuen CEO setzt, der durch den Aufbau der Digital-Agentur Maxomedia vertieftes Online-Know-how vorweisen kann.
Zwar geben die Werber – entsprechend ihrer Berufsmanier – nach aussen Optimismus vor, wie die am Freitag vom BSW leading swiss agencies präsentierten Prognosen fürs 2014 zeigen. Doch die Agenturen sehen sich zunehmend vor Grenzen gestellt. BSW-Präsidentin Nadine Borter machte anlässlich der Präsentation in Zürich keinen Hehl daraus, dass Tempo, Preisdruck und Fachkräftemangel den führenden Schweizer Werbe- und Mediaagenturen zu schaffen machen. Klar erwähnte sie, dass auch die Auftraggeber erkannt hätten, dass die zunehmende Komplexität aufwändigere Lösungen erfordert (vgl. Interview persoenlich.com). Schwierig aber wird es, wenn Marketing-Entscheider in immer kürzeren Fristen Erfolge ausweisen müssen. Dass solche Zwänge den Agenturen immer kleineren Raum für Kreativität und die Ausarbeitung wirklich effektiver Werbung lassen, sehen viele Auftraggeber ein, trotzdem sind ihnen durch interne (Finanz-) Zielvorgaben die Hände gebunden.
Wie es abgesehen von der Wirtschaftlichkeit um die Qualität in der Branche steht, weist sich Ende Januar, wenn der Art Directors Club wiederum die kreativsten Arbeiten mit Metall-Würfeln veredeln wird. Wird sich der zunehmende ökonomische Druck auch auf die Kreativität der Werbung auswirken? Fest steht: Tatsächlich neue, herausragende Kampagnen fehlten 2013. Und dass die in den letzten vier Jahren meist ausgezeichnete Agentur Ruf Lanz in ihrem Jubiläumsjahr auf eine Teilnahme an der ADC-Jurierung verzichtet – aus welchen Gründen auch immer –, ist für den Wettbewerb sicher auch nicht förderlich.
Bei allen diesen Nöten muss der Blick fürs Ganze gewahrt bleiben. Die Kommunikationsbranche ist und bleibt ein bedeutender volkswirtschaftlicher Faktor. Sie beschäftigt rund 22'000 Personen und trägt mit einem Umsatz von rund 7,3 Milliarden Franken pro Jahr gut 1,34 Prozent zum Bruttoinlandprodukt bei, wie eine im November veröffentlichte Studie vom Verband Schweizer Werbung gezeigt hat. Ausserdem zeichnet sich ein Hoffnungsschimmer ab: Economiesuisse rechnet laut "Tages-Anzeiger" für 2014 mit einem Wachstum des Bruttoinlandproduktes um 2,2 Prozent, der Binnenmarkt sei weiterhin auf einem stabilen Wachstumspfad. Dies gelte für die Baubranche ebenso wie für den Detailhandel oder das Gesundheitswesen, so der Unternehmer-Dachverband. Die Gewässer werden also nicht unbedingt ruhiger, könnten aber zunehmend wieder mehr Wasser führen.
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