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Wie die Schweiz ihre Radiolandschaft zerstört

Die schockierenden Fakten liegen nun vor – und werden von den UKW-Zerstörern weiterhin bewusst ignoriert. Zum Beispiel, dass die seit Jahren veröffentlichten Zahlen über die Nutzung der einzelnen Verbreitungsarten die Wirklichkeit nicht korrekt wiedergeben. Dies vor allem, weil sie noch nie neutral erhoben wurden, sondern allein von DigiMig, der PR-Organisation von DAB+. Diese wurde gegründet, um zu beweisen, dass DAB super ist und UKW kaum mehr genutzt wird.

Und dann verliert die SRG nach dem Ausknipsen ihrer 2000 UKW-Sender auf einen Schlag einen Viertel ihrer Hörer. Diese beispiellose Publikumsvernichtung entspreche den eigenen Erwartungen, kommentierte die SRG das selbst verursachte Desaster, was beweist, dass im Katastrophenfall die Kommunikationsabteilung im Hause Wille völlig überfordert ist.

Radio SRF 1 – minus eine Viertelmillion Hörer pro Tag, ähnliche Verluste bei anderen Sendern, am heftigsten bei Couleur 3 in der Westschweiz mit einem Minus von 45 Prozent. Und was verkündet DigiMig in ihrer aktuellen Studie? Die gesamte UKW-Nutzung sei von 17 Prozent auf mickrige 13 Prozent zurückgegangen. Wie passt dies zu den gigantomanischen Verlusten der SRG-Sender und den beachtenswerten Gewinnen der Privaten?

Weit mehr als eine halbe Million rausgekübelte SRG-UKW-Hörer mussten sich neue Sender suchen. Die meisten wechselten zu den Privatradios, viele andere flüchteten zu ausländischen Stationen, und eine Grosszahl verabschiedete sich ganz vom Medium Radio.

Fazit 1: UKW ist viel stärker genutzt, als uns DigiMig weismachen will.

Fazit 2: Die SRG muss nun wegen der arg gestutzten Reichweiten ihre Sponsoringtarife herunterfahren. Mit der UKW-Abschaltung wollte man Kosten sparen, erklärte die SRG. Dass auch die Einnahmen zurückgehen würden, wurde wohl übersehen.

Fazit 3: Wenn Private wegen des drohenden UKW-Verbots ihre Sender Ende 2026 stilllegen müssen, werden sie wohl gegen die Hälfte ihrer bisherigen Hörer verlieren. Der Gewinn von 20 Prozent nach dem SRG-Aus wird wegfallen, hinzu kommen die von der SRG ausgewiesenen Rückgänge von 25 Prozent – also praktisch eine Halbierung gegenüber der heutigen Situation. Da die meisten Privaten – anders als die SRG – allein von Werbung leben, werden sie wohl gezwungen sein, ihre Tarife massiv zu reduzieren, was für viele Sender existenzbedrohend wird.

Das fatale Hornberger Schiessen mit dem logisch nicht begründbaren totalen UKW-Verbot – als einzigem Land in Mitteleuropa übrigens – wird also zur Zerstörung der seit Jahrzehnten gewachsenen Radiolandschaft führen und den Auslandssendern Tür und Tor öffnen. Es wäre ein Fiasko der Schweizer Medienpolitik. Dies muss verhindert werden, und dazu ist es noch nicht zu spät. In der Herbstsession ist der Nationalrat am Zug, der sich mit zwei entsprechenden Motionen befassen muss. Alles andere als eine Verlängerung des UKW-Verbots in die frühen 30er-Jahre – wie in unseren Nachbarländern – wäre nicht nachvollziehbar.


Roger Schawinski ist Medienunternehmer. 1979 gründete er Radio 24. Heute betreibt er Radio 1 in Zürich.

Unsere Kolumnistinnen und Kolumnisten vertreten ihre eigene Meinung. Sie deckt sich nicht in jedem Fall mit derjenigen der Redaktion.

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