17.07.2025

SRG

Quotenminus lässt Sponsoring-Preise sinken

Die SRG-Radios haben nach der UKW-Abschaltung über 470’000 Hörerinnen und Hörer verloren. Das hat direkte Folgen fürs Sponsoring: 2026 dürften die Preise spürbar sinken – während Privatradios ihren Vorteil bei der Werbung ausspielen.
SRG: Quotenminus lässt Sponsoring-Preise sinken
Ein Blick ins SRF-Radiostudio in Basel: Nach dem UKW-Aus rücken Reichweite und Sponsoring noch stärker in den Fokus. (Bild: Keystone/Patrick Straub)

Die neuesten Mediapulse-Zahlen zeigen: Die Radiosender der SRG haben seit dem UKW-Aus schweizweit rund eine halbe Million Hörerinnen und Hörer eingebüsst (persoenlich.com berichtete). Der Rückgang trifft die SRG besonders im Sponsoring-Geschäft. Werbung ist im Radio laut Gesetz verboten – finanziert wird das Programm hauptsächlich durch die Medienabgabe, aber auch durch Programm-Sponsoring.

«Sinkende Reichweiten in einem rückläufigen Markt fordern die SRG im Sponsoring-Bereich kontinuierlich heraus», so SRG-Mediensprecherin Gianna Blum auf Anfrage von persoenlich.com. Die Preise würden jährlich überprüft.

Auf die Frage, ob der Abschlag 2026 höher ausfallen wird als in den Vorjahren, bleibt die Medienstelle vage. «Die Reichweitenentwicklung spielt bei der Preisgestaltung eine wesentliche Rolle. Sie wird bei der Festlegung der Sponsoring-Preise neben anderen Faktoren berücksichtigt. Dies wird auch für 2026 der Fall sein», so Blum.

Konkrete Zahlen nennt die SRG nicht. Faktisch deutet alles darauf hin, dass Sponsoring-Plätze bei SRF 1, SRF 3 & Co. im nächsten Jahr günstiger werden.

Privatradios profitieren – Kunden auch

Auch die Radiovermarktung spürt die Verschiebung. «Das UKW-Aus der SRG hat den Privatradios mehr Aufmerksamkeit gebracht, weil ein Teil des Publikums nun aktiv nach Alternativen sucht», so Hans Lackner, Director Operations und stellvertretender Managing Director bei Swiss Radioworld, auf Anfrage. «Erfreulich ist zudem, dass die Gesamtreichweite des Mediums Radio trotz der UKW-Abschaltung stabil bleibt. Die privaten Radiostationen konnten den überwiegenden Teil der verlorenen Hörerinnen und Hörer der SRG auffangen – ein klares Zeichen dafür, dass die Privatradios einen hervorragenden Job machen. Wir beobachten den Markt und das Hörverhalten sehr genau.»

Für Werbekunden entstehe jetzt eine «spannende Ausgangslage», so Lackner weiter: «Die Reichweite der Privatradios steigt und mit ihr die Relevanz als nationaler Werbekanal. Werbebotschaften können noch breiter und wirkungsvoller ausgespielt werden. Für nationale Marken bietet sich jetzt die Chance, ihre Präsenz im privaten Radiomarkt strategisch auszubauen.»

Konkrete Preissteigerungen gebe es aber vorerst nicht, so Lackner: «In Bezug auf den nationalen Werbemarkt sind noch keine signifikanten Umsatzsteigerungen ersichtlich. Sollte sich die aktuelle Leistung auf diesem Niveau stabilisieren, erwarten wir punktuelle Tarifanpassungen frühestens ab 2026.» Gewinner seien aktuell die Werbekunden. «Es war schon lange nicht mehr so attraktiv, Radiowerbung zu buchen.»


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KOMMENTARE

Marcel Favre
17.07.2025 07:24 Uhr
Ich gehöre auch zu jenen, die (gezwungenermassen) auf einen Privatsender umstellen mussten, da mein Auto über keinen DAB verfügt. Dass die 500'000 Hörer, die von der SRG «abwanderten», dies tun, weil die Privatradios einen solch hervorragenden Job machen, ist eine der vielen falschen und auch schön geredeten Argumenten der heutigen Zeit. Ich behaupte schlicht und ergreifend, dass dies geschah, weil der Empfang (vermutlich hauptsächlich im Auto) nicht mehr vorhanden ist. Damit will ich keineswegs sagen, dass die Privatradios keinen guten Job machen – aber in diesem Kontext ist die Aussage schlicht nicht nachvollziehbar. Apropos Empfang: Ich wohne im Kanton Aargau und muss «zwangsläufig» Radio Argovia hören – eigentlich würde ich lieber bei Roger Schawinskis Radio1 bleiben, muss aber nach dem Baregg Tunnel aufgrund schlechter Empfangsqualität umschalten. Früher sendete Roger Schawinski vom Pizzo Groppera nach Zürich – heute ist leider nach der Kantonsgrenze schon bald mal finito mit einem (brauchbaren) Signal. Gar nicht zu reden von all den Tunnels, bei denen der UKW-Empfang gänzlich abgestellt wurde. Bei diesem Punkt bin ich absolut bei Herrn Schawinski – die SRG (und auch das ASTRA) sollten die Letzten sein, die UKW abschalten – bzw. UKW hätte man gar nicht abschalten sollen.
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