02.11.2026

Beobachter

«Mut ist auch in der digitalen Welt nötig»

Am Dienstag wird in Zürich zum 30. Mal der Prix Courage verliehen, zum Jubiläum ausnahmsweise gleich zweifach. Chefredaktor Dominique Strebel erzählt, wie aus rund 100 Kandidatinnen und Kandidaten die Siegerin oder der Sieger wird, wer ihm besonders in Erinnerung geblieben ist und was sich in drei Jahrzehnten verändert hat.
Beobachter: «Mut ist auch in der digitalen Welt nötig»
«Es braucht 2026 genau wie 1997 beherzte Menschen, die in einer Sitzung, an der Migros-Kasse oder im Tram eingreifen, wenn Übergriffe, Ungerechtigkeiten oder Diskriminierungen geschehen», so Dominique Strebel, Chefredaktor Beobachter. (Bild: zVg)

Dominique Strebel, der Prix Courage feiert in diesem Jahr sein 30-jähriges Bestehen. Was macht den Preis aus, und warum passt er so gut zum Beobachter?
Der Prix Courage ehrt mutige Menschen, die unerschrocken und mit Hingabe für eine Idee kämpfen – zugunsten einer offenen, solidarischen und gerechten Schweiz. Das sind genau jene zentralen Werte, für die auch der Beobachter einsteht. Der Beobachter garantiert nicht nur qualitativ hochstehenden Journalismus. Mit seiner Rechtsberatung, die übrigens für alle Abonnentinnen und Abonnenten inbegriffen ist, setzt er sich auch für den Zugang zum Recht ein, und mit Engagements wie dem Prix Courage für eine solidarische Schweiz. Er ist mehr als ein Magazin – und das 2027 bereits seit 100 Jahren.

Welche Preisträgerin oder welcher Preisträger ist Ihnen aus den letzten 30 Jahren besonders in Erinnerung geblieben, welche «mutige Tat» hat Sie am meisten beeindruckt?
Es ist schwierig, jemanden hervorzuheben. Denn alle Preisträgerinnen und Preisträger haben Unvergleichliches geleistet – seien es Whistleblowerinnen wie Esther Wyler und Margrit Zopfi, die Unregelmässigkeiten in der Zürcher Sozialhilfe publik gemacht haben, sei es Thomas Zumtaugwald, der unter Lebensgefahr einen Mann aus einem eiskalten Gletscherbach rettete, oder Mahbube Ibrahimi, die von der Schweiz aus eine Online-Schule für junge Frauen in Afghanistan gründete und sich so den Taliban widersetzt. Oder eben die 26 weiteren Preisträgerinnen und Preisträger.

«Zentral dabei sind der persönliche Mut, aber auch das Engagement für die Gesellschaft»

Wie werden die Nominierten und dann auch die Preisträgerinnen und Preisträger eigentlich bestimmt, wie viele «Fälle» sammeln sich pro Jahr an – und was gibt am Ende den Ausschlag?
Leserinnen, Leser und User melden uns mutige Menschen, und die Redaktion würdigt in jeder Heftausgabe in der Rubrik «Courage» einen Menschen mit Zivilcourage. Aus diesen rund 100 Kandidatinnen und Kandidaten wählt die Redaktion fünf oder sechs Nominierte aus. Die Leserinnen, Leser und User bestimmen, welche drei der Nominierten der Jury vorgelegt werden. Und die prominent besetzte Jury unter dem Präsidium von alt Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf fällt den Entscheid. Zentral dabei sind der persönliche Mut, aber auch das Engagement für die Gesellschaft.

In diesem Jahr wird erstmals ein Sonderpreis verliehen. Was ist an diesem Jubiläums-Award speziell, was wird ausgezeichnet?
Der Sonderpreis wird vergeben, um das 30-jährige Jubiläum des Prix Courage zu feiern. Im Profil unterscheidet er sich nicht vom regulären Preis. Kurz gesagt: Zur Feier der 30 Jahre vergeben wir 2026 ausnahmsweise zwei Prix Courage.

30 Jahre sind eine lange Zeit: Hat sich die Art und Weise, wie in der Schweiz Zivilcourage gezeigt wird, über die Jahrzehnte verändert – und warum braucht unsere Gesellschaft den Prix Courage heute vielleicht dringender denn je?
Es braucht 2026 genau wie 1997 beherzte Menschen, die in einer Sitzung, an der Migros-Kasse oder im Tram eingreifen, wenn Übergriffe, Ungerechtigkeiten oder Diskriminierungen geschehen. Neu ist, dass dieser Mut nicht nur in der realen, sondern auch in der digitalen Welt nötig ist. Gerade dort müssen wir für eine offene, solidarische und gerechte Gesellschaft einstehen.


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