25.11.2020

Todesfall

Peter Suter und die «Blaue Zürcher Nachtkarte»

Der ehemalige NZZ-Lokaljournalist ist im Alter von 82 Jahren gestorben. Sein Schalk war legendär.

Vor wenigen Tagen ist im Alter von 82 Jahren der ehemalige NZZ-Lokaljournalist Peter Rolf Suter gestorben «nach einer unerwarteten Hirnblutung», wie es in der Todesanzeige hiess. Peter Suter war bei dem Blatt vor allem über lange Zeit für die Zürcher Lokalgastronomie zuständig gewesen.

Nicht nur seine feinen Beobachtungen in dieser Szene, auch sein Schalk war legendär. Unvergesslich sein 1.-April-Scherz im Jahr 1971. Seither haben sich die Medienszene, aber auch andere Branchen komplett geändert, doch davon später.

Als Peter Suter zum Verfasser des 1.-April-Scherzes auserkoren wurde, befasste er sich mit der auf den 1. April 1971 in Kraft tretende lokale Vorschrift, wonach die Restaurants nicht mehr um Mitternacht schliessen mussten, sondern bis 2 Uhr offen sein durften. Flugs erfand Suter eine «Blaue Zürcher Nachtkarte», die man nun dabeihaben müsse, wenn man an den verlängerten Öffnungszeiten teilhaben wolle. In der NZZ stand dann: Abzuholen sei das Kärtchen «ab heute» im Büro von Dionys Gurny. Das war der damalige Sekretär von Stadtpräsident Sigi Widmer.

Doch Dionys Gurny war auch NZZ-Leser und nicht auf den Kopf gefallen. Spätabends, kaum hatte er die Morgenausgabe gelesen, rannte er ins Stadthaus und klebte einen Zettel an seine Bürotür, wonach die Herausgabe der besagten Nachtkarte «aus technischen Gründen» an die Falkenstrasse 11 habe verlegt werden müssen, an den Sitz der NZZ-Redaktion also.

Der 1. April kam, und am Abend fand eine Ausstellungsvernissage statt, an der ein NZZ-Kollege von Peter Suter dabei war und sichtlich erschöpft schien. Auf den Grund angesprochen, hielt er sich nur den Kopf und stöhnte: «Hunderte sind heute gekommen, absolut unmöglich zu arbeiten, überall standen Leute in den Korridoren herum und fragten nach der Nachtkarte. Es war Horror!» Zutrittskontrollen gab es damals noch keine, doch möglich wurden dadurch eine herrliche Geschichte und ein wunderbares Andenken an Peter Suter.

Autor: Georges Müller



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