06.08.2018

Locarno Festival

Wenn die Geschwisterliebe in den Wahnsinn führt

Thomas Imbach hat am Filmfestival in Locarno sein Drama «Glaubenberg» präsentiert. Die Geschichte sei von seiner eigenen Biographie inspiriert, sagt der Regisseur.
Locarno Festival: Wenn die Geschwisterliebe in den Wahnsinn führt
Francis Meyer und Zsofia Körös geben am Locarno Festival ihr Debüt, unterstützt von Regisseur Thomas Imbach. (Bild: Keystone/Alexandra Wey)

Fünf Jahre nach «Mary Queen of Scots» ist der Schweizer Regisseur Thomas Imbach mit seinem Drama «Glaubenberg» zurück am Filmfestival von Locarno. Der Film ist der einzige Schweizer Beitrag im internationalen Wettbewerb um die Leoparden (persoenlich.com berichtete). Am Montag hat das Drama über eine wahnhafte Geschwisterliebe Premiere gefeiert.

Besessen von der Liebe

Auf der Schwelle zum Erwachsenwerden verliebt sich Lena unsterblich in ihren Bruder Noah. Ihrer rasenden Verliebtheit ist weder mit Vernunft noch Ersatzfreund beizukommen. Der drei Jahre ältere Noah entzieht sich den verstörenden Annäherungen seiner Schwester, indem er aus dem Elternhaus auszieht. Doch die räumliche Distanz bringt Lena keine Erleichterung.

Im Gegenteil: Noahs Schweigen nährt ihre Hoffnungen und sie fantasiert sich zunehmend in eine Parallelwelt. Die unstillbare Sehnsucht nach Noah wird zu einer Obsession, die Lena zunehmend von der Realität entrückt. Der Filmtitel «Glaubenberg» bezieht sich auf die Region in der Zentralschweiz, wo es Lena immer wieder hinzieht.

Debüt von Zsofia Körös und Francis Meyer

Mit seinem jüngsten Werk führt Imbach das Thema des Wahnsinns weiter, das ihn bereits in früheren Filmen beschäftigte. Die Geschichte sei von seiner eigenen Biographie inspiriert, jedoch stark fiktionalisiert, schreibt der Regisseur zum Film.

Imbach erzählt das Drama aus der emotionalen Perspektive von Lena, authentisch verkörpert von der 19-jährigen Jungschauspielerin Zsofia Körös. Körös hat sich über ein Jahr lang auf die Rolle vorbereitet. Geholfen habe ihr, dass der Film in chronologischer Abfolge gedreht worden sei. «So konnte ich mich Stück für Stück in diesen Wahn hineinsteigern.»

In der Rolle des Noah, den die Annäherungen seiner Schwester erschrecken, gibt der heute 23-jährige Francis Meyer sein Debüt in einem Langspielfilm. Der Student und Musiker ist Sohn von «Yello»-Gründer Dieter Meyer.

Regisseur Imbach hat nicht nur das Drehbuch selber geschrieben, sondern auch die Kamera geführt und den Film geschnitten. Produziert hat er ihn zusammen mit seiner Partnerin, der Regisseurin Andrea ¦taka. (sda/as)

 



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