16.01.2023

Mai 2021

Vivienne Rohner

Vivienne Rohner gehört international zu den gefragtesten Schweizer Models, erobert die internationalen Laufstege und posiert für bekannte Zeitschriften wie «Vogue». Der berufliche Einstieg in die Modewelt gestaltete sich jedoch schwierig, wie die 23-Jährige im Interview mit «persönlich» preisgibt.
Mai 2021: Vivienne Rohner
Von Meilen via Paris nach New York: Vivienne Rohner.

Frau Rohner, seit über einem Jahr befinden 
wir uns in einem Ausnahmezustand. 
Wie hat sich Ihre Tätigkeit als Model seit dem Ausbruch der Pandemie verändert?
Zuvor sass ich nahezu jeden zweiten Tag in einem Flugzeug. Im März vergangenen Jahres wurde ich für eine Max-Mara-Kampagne in Spanien gebucht. Danach ging alles Schlag auf Schlag, und es folgte der Lockdown. Niemand konnte sich vorstellen, in welchem Ausmass das Coronavirus unser Leben beeinträchtigen könnte. Zusammen mit meiner Crew gelang es mir, rechtzeitig nach New York zurückzufliegen, wo ich seit drei Jahren lebe. Danach fuhr ich mit meinem Freund nach Long Island. Damals hätten wir uns nicht vorstellen können, ein halbes Jahr dort zu verweilen. Schliesslich entwickelte sich New York rasch zum Corona-Epizentrum, und man konnte diesbezüglich gar von einer «Zombie-Stadt» sprechen. Die Strassen waren menschenleer, und die Mutter meines Freundes fürchtete sich zudem so sehr vor diesem Virus, dass sie uns nicht erlauben wollte, das Haus zu verlassen. Da ich mich gerne draussen aufhalte, fiel mir dieser Verzicht entsprechend schwer. Als ich im letzten Sommer für zwei Monate in die Schweiz reiste, fiel mir bereits bei der Passkontrolle auf, dass die Polizisten keine Masken trugen und die Situation weniger angespannt war als in den USA. Von Aufträgen konnte ich dennoch weiterhin nur träumen.

Das heisst, Ihr berufliches Leben stand vollständig still?
Aufgrund des finanziellen Verlustes geriet die Modeindustrie immer mehr unter Druck. In Europa erhielt ich keine Aufträge mehr und durfte lediglich in meiner Wahlheimat New York arbeiten. Mittlerweile hat sich das Blatt aber wieder gewendet, und ich kann mich über mangelnde Angebote nicht beklagen. Leider ist eine Rückkehr nach Amerika derzeit kein Thema. Kürzlich bin ich durch ganz Europa gereist und habe für die «Vogue» Fotos gemacht, und zudem arbeite ich für die Marke Chanel. Die Pandemie bringt die Menschen dazu, sich neu zu erfinden, was durchaus auch mit positiven Aspekten verbunden ist. Ich arbeite gerne in Europa, weil ich neue Kunden dazugewinnen kann, die ich sonst vielleicht nicht kennen-gelernt hätte. In den letzten Tagen war ich ständig unterwegs: zuletzt einige Tage in Athen, anschliessend in Paris und Nizza. Und dazwischen immer wieder in der Schweiz.

Haben Sie schon immer davon geträumt, Supermodel zu werden?
Nein, überhaupt nicht. Damals wusste ich noch nicht einmal, dass sich mit diesem Beruf Geld verdienen lässt.

Waren Ihnen Ikonen wie Claudia Schiffer oder Cindy Crawford kein Begriff?
Eigentlich kaum. Auch habe ich als Teenager hauptsächlich Militärhosen und schwarze Hoodies getragen. Meine Haare wirkten zerzaust, und ich fuhr als Einzige ein Mofa. Als Sekundarschülerin stand ich schliesslich vor der Berufswahl und war überfordert, weil ich nicht wusste, welchen Weg ich einschlagen soll. So habe ich in sämtliche Berufssparten Einblick erhalten und arbeitete in einer 
Bäckerei, bei der Post, in einem Altersheim, in einer Tierarztpraxis und im Ringier-Presse-
haus. Ich ging davon aus, positiv überrascht zu werden. Wenig später ermunterte mich meine Mutter, am Elite-Model-Look-Casting teilzunehmen.



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