30.04.2003

Publicis

AKW-Gegner zitieren "Schadenskizzen"

Die Mobiliar erwirkt Änderung der Sujets.

"Unser AKW: Bumm", darunter eine mit "Unser Zuhause" beschriftete Ruine und weiter "Unsere Kinder", die davonrennen. Das Kampagnensujet, welches der Verein Katastrophenopfer am Mittwoch in der Pendlerzeitung 20 Minuten sowie in der Neuen Luzerner Zeitung geschaltet hat, ist ein klares Zitat der preisgekrönten Publicis-Arbeit "Schadenskizze" für Die Mobiliar.

Uwe Schlupp, Mitverantwortlicher CD bei Publicis, nimmt das einigermassen gelassen: "Grundsätzlich ist jedes Zitat ein Kompliment, ein Beweis für die Popularität der Kampagne." Allerdings entspreche der zynische Ton der Abstimmungswerbung in keiner Weise der Mobiliar-Kampagne.

Das sieht auch der Werbeleiter der Mobiliar, Marco Fioroni, so. "Dass wir mit der Abstimmung in Verbindung gebracht werden, ist problematisch." Zumal sich Die Mobiliar grundsätzlich nie zu politischen Abstimmungen äussere.

Als stossend empfindet Fioroni zudem, dass seitens der Inserenten keine Kontaktnahme stattgefunden habe. Zumal nicht nur die Gestaltung der Anzeige auf die Mobiliar verweise -- als grafische Erkennungselemente fehlen nur Logo und Büroklammer --, sondern auch der Text. Dort heisst es: "Übrigens: Schäden, die Ihnen durch atomare Unfälle entstehen, werden durch keine Versicherung gedeckt."

Das sei nicht die Art des feinen Mannes, findet Fioroni. Er habe daher mit dem Verein Katastrophenopfer Kontakt aufgenommen und erreicht, dass sich künftige Sujets weniger stark an die Mobiliar-Werbung anlehnen.

Allerdings wird das bereits veröffentlichte Motiv am kommenden Samstag gleich nochmals unverändert in drei Tageszeitungen zu sehen sein, wie Wendel Hilti vom Verein Katastrophenopfer erklärt. Für eine Anpassung des Sujets, so Hilti, sei es wegen des freien 1.-Mai.-Donnerstags bereits zu spät. Bezahlt werde für die Schaltungen seines Wissens der normale Anzeigentarif.

Auf die Frage, weshalb mit Mobiliar und Publicis keine Rücksprache erfolgt sei, meint Hilti, der selber Mitbesitzer einer Agentur für Projektmanagement ist: "Wir sehen keinen direkten Zusammenhang mit der Mobiliar."

Mobiliar-Werbeleiter Fioroni hat bisher nur interne Reaktionen erhalten. Ob durch die Anzeige ein Image-Schaden entstehe, sei schwer zu sagen. Auf eine Gegendarstellung will er jedenfalls verzichten, meist bringe das ja doch nichts.

Inserat des Vereins Katastrophenopfer in 20 Minuten und NLZ

Publicis-Kampagne 'Schadenskizze' für Die Mobiliar

Weitere Sujets auf www.katastrophenopfer.ch

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