20.11.2003

BSW-Ranking bedroht

Der bedeutendsten Rangliste der Schweizer Werbeagenturen droht das Aus. Ein neues amerikanisches Gesetz verhindert die Teilnahme von Netzwerkniederlassungen beim BSW-Ranking. Betroffen sind weltweit alle Länder. Der BSW sucht derzeit nach Alternativen, eine Lösung zeichnet sich aber noch nicht ab. Bis Ende Jahr soll ein Entscheid fallen.
BSW-Ranking bedroht

Jeden Frühling veröffentlicht der Branchenverband Schweizer Werbe- und Kommunikationsagenturen (BSW) die Rangliste seiner rund achtzig Mitglieder. Gliederungskriterium des allseits geschätzten Instruments war bisher der Umsatz, respektive der "Bruttobetriebsertrag", definiert als "Eigenleistungen einer Agentur". Dies muss sich nun auf Druck der USA ändern.

Nach den Bilanz-Skandalen um Konzerne wie Enron oder Worldcom beschloss der 107. US-Kongress am 23. Januar des vergangenen Jahres den sogenannten Sarbanes-Oxley Act. Dieser regelt auf 66 A4-Seiten die gesamte Buchlegung und untersagt es in Amerika kotierten Firmen, Geschäftszahlen zu veröffentlichen. Dadurch sollen Anleger vor Falschinformationen geschützt werden.

Der rigide gehandhabte Sarbanes-Oxley Act (zu finden unter http://www.law.uc.edu/CCL/SOact/soact.pdf) gilt auch für alle Niederlassungen von US-kotierten Firmen. Damit sind viele Töchter weltweiter Agenturnetzwerke betroffen. Konkret bedeutet das, dass beispielsweise McCann-Erickson Schweiz oder Advico Young & Rubicam – um nur zwei betroffene Agenturen zu nennen – ihren Umsatz unter Strafandrohung nicht mehr bekanntgeben dürfen. Genau diese Zahl ist aber die Basis des BSW-Rankings und zahlreicher vergleichbarer Ranglisten im Ausland.

Das Verbot ist um so bedauerlicher, als die einzige Alternative zum BSW-Ranking, die Werbemarkt-Studie der Media Research Group, nur die zwanzig Bestplatzierten beinhaltet. Für tiefer klassierte Agenturen fehlt damit jede Vergleichsmöglichkeit.

"Das Ranking wird nicht abgeschafft", beschwichtigt der amtierende BSW-Präsident, Jung-von-Matt/Limmat-Geschäftsführer Dominique von Matt, auf Anfrage von "persoenlich.com". "Wir müssen allerdings einen neuen Weg suchen."

Wie genau dieser neue Weg aussehen soll, weiss zum jetzigen Zeitpunkt aber noch niemand. Auch BSW-Geschäftsführer Walter Merz meint lediglich: "Wir müssen uns nun sehr genau überlegen, wie wir eine valable Alternative finden können." Geprüft werde beispielsweise, ob eine Veröffentlichung der Ränge durchführbar sei, wenn man die zugrunde liegenden Umsatzzahlen geheim behalte.

Merz steht bei seiner Suche nicht allein da. Als Vorstandsmitglied der European Association of Communications Agencies (EACA) weiss er, dass der amerikanische Beschluss weit herum für Ärger gesorgt hat. Eine Umfrage des europäischen Verbandes habe ergeben, dass alle Mitglieder unzufrieden seien und sich das bisherige System zurückwünschten. "Das Thema wird am nächsten Board-Meeting in London aufgegriffen", verrät Merz. Geplant sei ein politischer Vorstoss. Der Handlungsspielraum sei indes beschränkt: "Alles was wir tun können, ist unseren Unmut zu bekunden", so Merz.

Auch jenseits des Atlantiks hält sich die Freude über den Sarbanes-Oxley Act offfenbar in Grenzen – nicht nur in der Kommunikationbranche. Wer sich je mit amerikanischem Sport befasst hat, weiss, wie versessen man in den USA auf Statistiken und Ranglisten ist.

Hierzulande ist der BSW-Vorstand noch am Diskutieren. Am 3. Dezember trifft sich das Gremium zu einer Sitzung. Ein Entscheid soll bis Ende Jahr fallen.


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